Grenzen

Ein paar späte Worte zur Sache mit unserer Kollegin von Noisey, der Berg Money Gang und Yung Hurn.

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Es tut uns leid für unsere Kollegin von Noisey, die in ihrer ersten Woche im Journalismus Dinge erleben musste, die andere – vor allem männliche Kollegen – in ihrer ganzen Karriere nicht erleben müssen. Fakt ist, dass es sich hier um eine extreme Form von Mobbing handelt, die einzelne Mitglieder der Berg Money Gang betrieben haben und nach wie vor betreiben, was wir entschieden ablehnen.

Alles darüber hinaus wird schnell sehr kompliziert: Wir verstehen uns als Medium, das – so gut es uns möglich ist – versucht, (insbesondere österreichische) Popkultur in möglichst vielen Facetten abzubilden. Frauenfeindlichkeit oder Gewalt sind in einem traurigen Ausmaß, in manchen Bereichen und Genres mehr als in anderen, Teil dieser Kultur – das nicht wahrhaben zu wollen, zeugt nicht von besonders reflektierten Beschäftigung mit der Materie. Dass auch Leute, die all diese Dinge zu Recht ablehnen, gerne Mal zu »I’m A Slave for You« oder Tyler, The Creator tanzen, die Lieder von Yung Hurn cool finden oder dumme, jenseitige Witze machen, macht sie grundsätzlich nicht zu schlechteren Menschen.

Dass Grenzen zwischen Pose und Person, zwischen Überzeichnung und echter Meinung im echten Leben und in der Kunst verschwimmen, macht beides im besten Fall interessant und spannend – im schlechtesten Fall passiert so etwas wie Sonntag, wo plötzlich ein völlig hybrides Rapphänomen, in der Frauen nur Ware und Drogen der Lebensunterhalt sind, recht plötzlich ganz echt in unser Leben eindringt. Die Folge: Kurzschlüsse, Trotz und der Verlust von gesundem Menschenverstand – vor allem auf Seiten der Berg Money Gang, die den Moment versäumt hat, glaubhaft zurückzurudern und sich zu entschuldigen – halbherzige Distanzierungsversuche von Yung Hurn selbst machen das nicht besser.

Wir sagen hier nun absichtlich nicht, wie viele der echauffierten KommentatorInnen, dass die Posts in der – wenn auch großen – doch privaten BMG-Facebookgruppe ein unverzeihlicher Fehler waren. Vermutlich ist jede und jeder, die und der das hier liest, schriftlich oder mündlich schon einmal deutlich entgleist. Für Teile der Berg Money Gang war auch Gangrape ein Spaß, der sich in ihrer Gruppe, in denen Dinge gesagt werden, als wären sie Kot, nahtlos zwischen dem Anbeten von Ziegen oder dass man sein Baby irgendwo vergessen hat, einfügen. Das ist nicht fein, spiegelt aber nicht unbedingt eine Geisteshaltung wider, schon gar keine, mit der man sich öffentlich äußern würde. Dass das an eine Öffentlichkeit gelangte, die mit diesen Codes und grenzwertigen, ja, Grenzen überschreitenden "Witzen", nicht vertraut ist und sein will, war nicht der Plan – es ist aber passiert. Die Weise, wie es völlig beratungsresistent jetzt immer noch passiert, ist einfach ekelhaft und nicht mehr zu entschuldigen.

Unbestritten bleibt für uns, dass Kunst alles darf – auch blöd und sexistisch sein. Die Unterscheidung Artist und Mensch muss aufrecht erhalten bleiben, was aber auf keinen Fall heißen kann, dass Menschen für ihre Aussagen nicht kritisiert werden dürfen. Wir haben kürzlich über Wanda und ihre Texte diskutiert, das ist offensichtlich weiter nötig. Vieles ist kompliziert, manches durchschaubar – bestimmte Probleme können dabei auch klar benannt werden. Wie Frauenfeindlichkeit in der Musik – und darüber hinaus.

Wir werden weiterhin Artists buchen, deren Texte Grenzen überschreiten, die sich in Grauzonen befinden und die manchmal einfach blöd sind. Wir werden aber auch weiterhin unsere Kolleginnen und Kollegen unterstützen, wenn sie Zielscheibe von Grausamkeiten werden. Wir werden den Spagat zwischen Kunst und Leben, zwischen Glamour und Diskurs nicht immer schaffen. Wir werden es trotzdem immer wieder versuchen.

Nachdem Yung Hurn seinen Auftritt bei der Gap Release abgesagt hat, haben wir den Event aufgrund extremer Trollerei gelöscht. Wir haben damit sehr lange – zu lange – zugewartet, weil wir noch auf ein offizelles Statement von seiner Seite gehofft haben. Es gibt Screenshots der Diskussionen, von denen einige auch sinnvoll waren.

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