Intellektuell gescheitert

Eric Jarosinski wurde mit seinem Alter-Ego Nein Quarterly auf Twitter bekannt und tourt nun überall herum. In Wien ist er immer wieder. Wir haben mit ihm ein Interview geführt.

Einige haben vielleicht noch nichts von ihm gehört, auf Twitter ist er jedoch schwer zu umgehen: Er hat über 120.000 Follower und tweetet dort wie wild. Es geht um den amerikanischen Germanisten Eric Jarosinksi, der als Professor für deutsche Literatur und Philosophie gescheitert ist. Er selbst betitelt sich deshalb als "failed intellectual". Aus seiner privaten Krise ist dann aber das Interesse an Twitter entstanden, was ihm viele Follower und ein mediales Echo einbrachte.

Er wurde zum Vollzeit-Twitterer, der seine unfrohe Botschaften ins Netz stellte. Mit Erfolg. International wurde schon oft über ihn berichtet und er schreibt unter anderem für Die Zeit. Intellektuell gescheitert, ja genau. Wir haben ein kurzes Interview mit ihm geführt, auf das er nur sehr knappe Antworten gab. Entweder waren die Fragen doof, oder er hat sich mittlerweile zu sehr an die Zeichenbegrenzung bei Twitter gewöhnt.

Deine Auftritte bei deiner Buchtour sind nicht so gewöhnlich. Kommen dir die Ideen spontan und sieht jeder Auftritt ähnlich aus?

So eine Mischung ist das. Das erste Drittel mache ich inzwischen jedes Mal neu. Es geht vor allem darum, Aktuelles und Lokales miteinzubauen. Manchmal ist das sehr streßig, da ich öfters nur eine Stunde Zeit vor Ort vor dem Auftritt habe. Es ist schlecht für meinen allzu hohen Blutduck, aber ich mag die Herausforderung und so bleibt das Ganze etwas frischer.

Du vermischst in deinen Tweets oft Deutsch und Englisch. Welche Sprache ist dir privat lieber?

Englisch. Das liegt aber nicht an der Sprache an sich. Einfach weil ich es besser kann und mit Englischsprachigen zu tun habe.

Wenn man deine Tweets so durchliest, kann man denken dass du ein ziemlicher Misanthrop bist. Ist dein wirkliches Ich denn genauso pessimistisch wie dein Twitter-Ego?

Pessimistisch ja, aber misanthropisch nicht.

In deinen Tweets machst du Dichtende so für einiges verantwortlich. Was stört dich an Dichtenden?

Das ist nur so ein "running gag". Ich mag einfach die Vorstellung, dass Lyrik für irgendwas in der Welt die Verantwortung trägt.

"Nein. Ein Manifest": Erklär bitte mal den Namen deines Buches.

In dem Buch geht es natürlich um Negation und eine Unzufriedenheit mit der Welt so wie sie ist. Insofern passt der Titel gut. Aber dieses "Nein" ist eigentlich eine Art "Nein, aber" indem die Verneinung eine gewisse Offenheit mit sich bringt. Zum Guten und zum Schlechten.

Du hast mal gesagt, das deutsche "Nein" ist zehnmal effektiver als das englische Wort "no". Wieso das?

Das ist eine Übertreibung natürlich. Aber Deutsch hat ein gewisses Gewicht, sagen wir mal, oder wird wenigstens so wahrgenommen.

"Die Zeit", "New York Times", "Süddeutsche Zeitung" schreiben über dich (bzw. du für sie) und sind beeindruckt von deiner Arbeit. Du sagst aber dass du als intellektueller Mensch gescheitert bist. Wieso denkst du das?

Naja, ich bin in der Tat als Prof gescheitert. Die wissenschaftlichen Veröffentlichungen waren vor allem das Problem. Darauf bin ich nichts besonders stolz. Aber diese Selbstbezeichnung "failed intellectual" ist mein Versuch, irgendwie damit umzugehen.

Dein Karriereverlauf ist etwas ungewöhnlich. Wie beurteilst du deine berufliche Laufbahn?

Als sehr prekär, obwohl es vielleicht von Außen nicht immer so aussieht.

Als Vollzeit-Twitterer kann man seinen Lebensunterhalt nicht finanzieren. Jetzt hast du ein Buch geschrieben und schreibst eine Kolumne. Wie lässt es sich damit leben?

Es lässt sich leben, wenn man eine großzügige Freundin mit einer guten und festen Stelle hat. Wenn sie die wahnsinnig hohe New Yorker Miete nicht für uns finanzieren würde, wäre ein Leben dort unmöglich. Als Aphoristiker wird man nicht reich. Das ist aber auch nicht gerade der Sinn der Sache.

Das Buch "Nein. Ein Manifest" gibt es seit 20. August 2015 zu kaufen. Am 28. Jänner hält er einen Vortrag auf der Uni Wien zu Philosophie auf 140 Zeichen. Eingeladen ist er auf dem Wiener Ball der Wissenschaften. Auf Twitter gibt es zu lesen was Eric Jarosinski so zu sagen hat.

Bild(er) © Christiane Frohmann, Eric Jarosinski
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