Klone sind die besseren Roboter

Mit »Star Wars« begann der Niedergang. Seit den 80er Jahren hat sich die goldene Epoche der C3POs, Terminatoren und Robocops sang- und klanglos ihrem Ende zugeneigt. Menschliche Roboter sterben aus.

Vielleicht wären die ersten menschenähnlichen Roboter ziemlich nette Kerle gewesen, vielleicht aber hätten sie auch umgehend die Menschheit vernichtet. Wir werden es wohl nie erfahren. Im Kampf um die lustvoll schaurigen Zukunftsfantasien der Menschen hat mittlerweile die Biotechnologie über die Mechatronik gesiegt. Der Aufstieg der Roboter war lang und eindrucksvoll, gehört mittlerweile aber der Vergangenheit an. Unter den Spezialisten (Nerds) gilt die Indizienlage als erdrückend. So dokumentiert heute im ganzen weiten Internet fast jedes beliebige Science-Fiction Forum, dass »Klonkrieger viel besser sind als Kampfdroiden«. Dabei war »Star Wars« nur der erste Anstoß. Es folgten die Kultfilme der Klone: »Blade Runner«, »Das Fünfte Element« und »Resident Evil«. Wenn Roboter seitdem in der Populärkultur auftauchen, dann meist entweder als Sequel von 80er-Jahre-Filmen wie »Terminator«, als niedliche nostalgische Kinderfiguren wie in »Wall-E« oder als Remake von jahrzehntealter Science-Fiction-Literatur wie »I-Robot«. Wer seit den 90ern auf intelligente aber gefügige Sklaven der Zukunft hofft, hofft nicht mehr auf menschenähnliche Automaten, sondern auf die Biotechnologie. Das war vom frühen 18. bis zum späten 20. Jahrhundert noch anders.

Die Roboter-Zukunft von Gestern

In ihrer Blütezeit war die Roboterkultur hoch entwickelt. Sie brachte es sogar zu einer festgeschriebenen Ethik. Über die stolpert man heute noch etwa in drei anerkennenden Zeilen im Skript »robots.txt« von last.fm. Sie lauten:

Disallow: /harming/humans

Disallow: /ignoring/human/orders

Disallow: /harm/to/self

Der russische Autor Isaac Asimov war es, der 1942, zur Blütezeit der mechanischen Roboter, diese drei »Asimov’schen Gesetze« definierte. Von ihm stammen auch zahlreiche Science-Fiction-Erzählungen wie »Runaround« oder eben »I-Robot«. Die Anfänge der Utopie automatisierter Lebewesen reichen dabei einige hundert Jahre weiter zurück, bis zum französischen Philosophen René »Ich denke, also bin ich« Descartes, der meinte, es sei gut möglich, dass der Mensch einmal ein perfektes Tier erschaffen würde. Daraufhin baute Jaques de Vaucanson bereits 1735 eine mechanische Ente, die watscheln konnte, fressen, verdauen und ausscheiden. Auch humanoide Roboter blieben die längste Zeit Blechkisten und wurden als »Automaten« oder »Menschmaschinen« bezeichnet. 1920 erst wurde der Roboterbegriff vom Tschechen Karel Čapek eingeführt (Robota, als westslawisches Wort für mühselige Arbeit). Čapek prangerte die Macht von Industriekonzernen und Diktaturen an. Menschenähnliche Roboter waren das utopisch überspitze Gleichnis für die absehbaren Probleme des technologischen und sozialen menschlichen Fortschritts. Als die »Menschmaschine« zum »Roboter« wurde, wandelte sich gleichzeitig die naive Science-Fiction zum technologie- und gesellschaftskritischen Begriff. Des Menschen neuer Sklave war der menschenähnliche Roboter. Er zeigte die Kehrseite von Industrialisierung und Rationalisierung.

Diesen Part haben in Hollywood heute die Elektronengehirne, die Klone der Biotechnologie und kybernetische Organismen übernommen. Schade eigentlich, Roboter waren irgendwie deutlich weniger gruselig und als Spielzeug auch weihnachtsbaumtauglicher als künstlich intelligentes Klonfleisch.

Die Ausstellung »Roboter: Maschine und Mensch?« eröffnet am 7. Dezember im Technischen Museum Wien.

Bild(er) © Star War - Clone Wars ©2008 Lucasfilm Ltd.&TM.
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