Meine Musik ist bissi kompliziert

King Electric baten den Wiener Sixtus Preiss um einen Remix. Den gibt es bei uns jetzt exklusiv als Free Download. Allerhöchste Zeit also, mit dem jungen Produzenten über nerdige Internetforen, smoothe Übergänge und darüber, wie man eine Bude leerspielt, zu plaudern.

Wir haben bei einem Interview mit Patrick Pulsinger, Trishes, Cid Rim und Vera Kropf darüber gesprochen, dass eine klassische Musikausbildung in Österreich ein sehr häufiges Phänomen ist. Wie wichtig ist diese Ausbildung, die du auch genossen hast, für deine jetzige Musik?

Ich sehe zwischen meiner Ausbildung und meiner elektronischen Musik keinen direkten Zusammenhang. Im Prinzip geht’s mir darum, dass elektronische Musik für mich mehr ist als ein simpler klassischer Beat. Ich habe versucht herauszufinden, wie man komplizierte Dinge macht, die trotzdem nicht kompliziert klingen. Musik, die tanzbar ist und vielleicht Ecken macht, die auf den zweiten Blick aber noch eine Ebene hat, mit der man sich auseinandersetzen kann. Das ist so "mein hohes Ziel".

Wenn man keine Ausbildung genossen hat, ist man viel unvoreingenommener. So ging es mir bei elektronischer Musik. Ich hatte keine Ahnung davon und habe es halt so gemacht, wie ich es mir vorgestellt habe. Da war ich so befreit, weil ich "die Regeln" nicht kannte. Ich höre auch ganz wenig elektronische Musik. So kennt man die Musik einfach nicht, mit der man verglichen wird.

Vergleiche mit Cid Rim und Dorian Concept wären soundtechnisch ja nicht ganz abwegig. Nervt es, immer als Labelkollegen der beiden angekündigt zu werden?

Überhaupt nicht. Mich beruhigt das sogar. Ich finds wirklich super, dass Clemens (Anm. Cid Rim) gerade diesen Höhenflug macht und Oliver (Anm. Dorian Concept) sowieso. Ich fühl mich in der Rolle von jemandem, der eh machen kann, was er will. Es gibt die Stars am Label und ich mache mein Zeug und bekomme ab und zu Gigs, die sie nicht spielen können (lacht). Das ist extrem gut. Das Label ist eines der besten Dinge, die mir passiert sind.

Dich stört also auch nicht weniger Output zu haben als deine Kollegen bei Affine? Oder würdest du eher sagen, dass du gleich viel Output hast, er aber auf mehrere Projekte verlagert ist?

Eher zweiteres, ja. Mich ärgert es schon, dass ich es nicht schaffe, Songs ganz schnell fertig zu machen – ich weiß aber auch nicht, wie sich die anderen Jungs tun. Ich würde es schon gern haben, dass ich schneller an meiner elektronischen Musik arbeiten kann. Es wird auch besser mit der Zeit.

Du bist ein großer Bastler, heißt es…

Schon als Kind hab ich zum Leidwesen meines Vaters seine Radios zerlegt und den Lötkolben habe ich auch recht früh in die Finger bekommen. Dann bin ich auf eine HTL gekommen – und klassisch für mich – hat mich das dann überhaupt nicht mehr interessiert. Ich bin da meiner Zeit hinten nach, oder – ich trau’ mich nicht zu sagen – voraus, weil das ist extrem arrogant (lacht).

Jetzt kann ich eben mein Studioequipment bauen, das hat sich gut gefügt. Sachen, die man sich wünscht, sind ganz oft Dinge aus den 60ern. Mikros, Preamps, Effektgeräte. Das ist der Sound, von dem man spricht, wenn man sagt: das ist analog. Diese Geräte kann man nachbauen. Es gibt da so Foren im Internet – es ist so nerdig. Und auch wenn es dann nur einen Bruchteil kostet, ist es immer noch teuer.

Kannst du denn von der Musik leben?

Es geht sich durch die verschiedenen Projekte aus. Man bekommt – das ist die traurige Realität – in Moment genauso viel Geld, wenn man alleine auf die Bühne geht, wie wenn man mit Band spielt. Durch meine Solo-Gigs geht sich das dann eben aus. Über CD-Verkäufe verdient man nichts. Das kann man vergessen.

Trotzdem hätten wir gerne ein Album von dir. Wann können wir damit rechnen?

Ich habe mich im Herbst im Studio eingesperrt und das war auf jeden Fall der Kick-Off für die neuen Sachen, die ich mache. Weniger Computer, mehr Effektkastl. Mehr Musikmachen, weniger Herumschnipseln. Jetzt hab ich einen guten Workflow. Es war der Plan ein Album zu machen, jetzt habe ich aber genug Material für eine EP fertig. Ein Album ist für mich ein Riesending, in Moment einfach noch zu groß. Jetzt kommt einmal die EP und dann schauen wir weiter.

Inwiefern verändert sich deine Musik gerade?

Ich versuche zum Beispiel gerade nicht mehr harte Cuts, sondern weiche Übergänge zu machen, was mir nicht so einfach fällt, weil…

…harte Cuts halt einfach geil sind?

Ja voll. Und so effektiv. Aber ich suche die Herausforderung und denke mir: jetzt probier das smoother zu machen!

Kannst du deine frühen Sachen noch anhören, zum Beispiel den Remix für Violetta Parisini?

Weiß ich nicht. Ich komm nicht in Verlegenheit es anzuhören (lacht). Ich glaube auf FM4 wird es mitten in der Nacht gespielt. Für die österreichische Musikquote (lacht). Nein, im Ernst: Ich weiß, dass vielen FM4-Leuten meine Musik gefällt, aber das meiste von dem weirden Zeug, was ich mache, ist einfach nicht für dieses Format gemacht, das verstehe ich auch. Aber ich habe zum Beispiel super Unterstützung von Kristian Davidek. Wenn dem etwas taugt, spielt der das unaufgefordert. Der ist so ein "Digger" – er hat die Sachen schneller, als man sie ihm schicken kann. Überhaupt habe ich tolle Unterstützung in Wien. Es ist schon eine heilige Stadt.

King Electrics gleichnamiges Debut Album erschien 2012 bei Top10 Records. Tracks dieses Albums wurden für Remixology Vol. 1 von Acts wie Sixtus Preiss, B.Visible oder Emufucka gemixt. Remixology erschien als 12-Inch und digital am 10. Jänner 2014.

Sixtus Preiss auf Soundcloud.

Bild(er) © 1-3 Astrid Knie: Sixtus Preiss, 4-5 Top10Records: Remixology Cover
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