Mit Blanko startet eine Bookingagentur für heimische DJs

Österreichische DJs im Ausland vermarkten – das haben sich Max von Bally, Stephan Maurer und Nick Jacobs mit Blanko zum Ziel gemacht. Warum es gerade jetzt so eine Agentur braucht und was sie genau vorhaben, erzählen sie im Interview.

Ihr kommt ja alle aus der Wiener Clubszene, macht selbst Booking, wisst wie das in Wien ca. abläuft… Bisher kamen viele österreichische DJs ohne eigene Agency aus. Warum glaubt ihr, braucht es Blanko dennoch? 

Max: Wie du richtig sagst, treiben wir drei uns schon länger in der Wiener Clubszene herum, einerseits als kontinuierliche Booker & Promoter diverser Veranstaltungsreihen in der Grellen Forelle und im  Sass Music Club oder eben auch als langjährige DJ´s, wie Nick und ich. Stefan sammelt außerdem zusätzlich als Tour Manager von Gaiser (Minus) gerade wertvollen Input und Erfahrung, die bei unserem Vorhaben extrem wichtig sind. Alles in allem, haben wir eben in dieser Konstellation eine wahnsinnig große Bandbreite an Wissen gesammelt, das wir jetzt nutzen möchten, um Wien und natürlich auch Österreich endlich mal wieder international Salonfähig machen zu können. National kommen viele österreichische DJ´s ohne Agency aus, International kann man diese aber eher leider an einer Hand abzählen. 

Stefan: Österreichische DJ’s kamen bis jetzt im Ausland nicht wirklich ohne Agency aus. Und egal woher ein DJ kommt, ohne eine starke Agentur im Rücken gibt es meistens keinen großen internationalen Durchbruch. Das ist eine Menge Arbeit bei der der künstlerische und eigentlich wichtigste Output auf der Stecke bleibt. Auch in Wien fehlt es vermehrt an “formellen” DJ Bookings. Es setzt sich bis jetzt niemand dafür ein, dass DJ’s ordentlich und pünktlich bezahlt werden. 

Wie kam der Zusammenschluss mit euren jetzigen Artists zustande? Wie entstand die Idee?

Max: Ich war arbeitslos und brauche das Geld. Quatsch, ich bin seit 10 Jahren im Eventmanagement tätig und war bzw. bin somit schon immer in gewisser Weise ein Dienstleister und das sogar gerne. Zusammen mit der langjährigen und wahnsinnig guten Erfahrung als Artist Care meiner gebuchten Acts, war irgendwann klar, warum das ganze nicht verbinden? Dann kam das Gespräch mit Nick. 

Nick: Die Idee entstand durch mehrere Gespräche mit Wiener DJ’s und Produzenten, die uns nahe stehen. Wir haben in Wien eine immens große Hingabe zur elektronischen Musik, vor allem im Bereich Techno und House. Deshalb wundert mich, warum Wien eigentlich einer der wenigen Hauptstädte ist, die es nicht schafft Künstler zu halten und auf heimischen Boden international erfolgreich und groß werden lässt. Die meisten, die etwas schaffen wollen ziehen nach London, Berlin, Amsterdam und haben damit auch des öfteren Erfolg. Das wollen wir mit Blanko ändern.

Stefan: Wir fokussieren uns jetzt mal auf Artists, die schon ein paar Produktionen haben und in denen wir Potenzial sehen. Diesen Künstlern möchten wir eine Platform bieten, indem wir sie im Ausland präsentieren und dort natürlich auch fördern. 

Verkauft sich die lokale DJ-Szene eurer Meinung nach unterm Wert? Viele Locals spielen hier in Wien oft nur Warm Up oder Closing-Sets, Veranstaltungen wie Localize! versuchen da gegenzusteuern, aber letztendlich bleibt oft nur der Support für große Namen.

Max: Im Grunde beantwortest mit dieser Aussage zum Teil deine erste Frage. Große Namen ziehen einfach mehr, aber was wäre wenn wir endlich wieder große Namen als Locals in Wien haben? Genau hier kommt die Arbeit von Blanko ins Spiel. Dennoch gibt es natürlich jetzt schon Crews, die sich mit viel Arbeit und Kontinuität eine große Fanbase aufgebaut haben, dort brauch man keine großen Namen, dort geht es um die Sache an sich. 

Nick: Ich persönlich glaube nicht wirklich, dass ein DJ der in Wien wohnt und mehrmals in Wien spielt , sich unter seinem Wert verkauft, zumindest nicht in meiner Blase. Ein Local der zwischen 150 – 300 Euro pro Gig bekommt ist meiner Meinung nach gut bezahlt. Der Aussage, das Locals nur Warm Up oder Closing-Sets spielen kann ich so nicht ganz zustimmen. Da kommt es auf mehrere Faktoren an: Wenn man als Promoter schon einen internationalen Künstler bucht wird man ihm klarer Weise auch die Maintime geben. Es gibt aber auch genügend Parties, vor allem in kleineren Club wie dem Sass, bei denen sich heimische DJ’s den ganzen Abend verwirklichen und ihrer Leidenschaft nachgehen. Inklusive vollem Haus!

Was macht die Szene in anderen Städten vielleicht besser?

Max: Das ist verdammt schwierig zu sagen, da wir uns in keiner Szene so gut auskennen wie in unserer. Aber in Wien fehlt unserer Meinung nach immer noch der Zusammenhalt und die gute freundschaftliche Zusammenarbeit. Wobei man sagen muss, das sich hier langsam aber sicher positive Tendenzen bemerkbar machen und Gleichgesinnte mittlerweile gemeinsame Wege finden. Aber das ist nach wie vor ein langer Prozess und das Ganze blockiert natürlich die gesamte Szene. Zum Beispiel die Zusammenarbeit mit anderen DJ’s oder Veranstaltern. Dabei muss man sich immer Fragen, darf ich das oder nicht, was denken die anderen, was habe ich jetzt schon wieder falsch gemacht und wo kommen eigentlich diese sogenannten „Hater“ jetzt schon wieder her? Unsere Szene ist am Ende doch so klein, das sich jeder irgendwie kennt. Ob er will oder nicht. Dadurch sind Reibereien quasi vorprogrammiert, aber das soll in Zukunft – hoffentlich – besser aussehen.

Was seht ihr als Besonderheit der Wiener Techno und House-Szene?

Nick: Unser Charme

Stefan: Die „Grantler“  

Max: Schüttet man die beiden Aussagen in ein Seidl, ergibt das ein ungeheures Potential, das hier schlummert. Niemals zufrieden und dennoch fasziniert von dem, was wir zusammen schaffen könnten, wenn das Glas endlich mal übergeht. 

Was übernehmt ihr jetzt für die bei euch gesignten Artists, wie kann man sich das vorstellen? 

Max: Generell übernehmen wir die klassische Arbeit einer Booking & Management Agentur. Trotzdem möchten wir das Ganze auf einer sehr persönlichen und face to face Situation aufbauen. Wir als Agentur sind nur erfolgreich, wenn sich unser Artist wohl fühlt, uns dadurch vertraut und damit frei für seinen kreativen Output ist. Grob gesagt, setzen wir uns zu erst mit jedem Artist intensiv auseinander und erarbeiten gemeinsam Ziele, die jeder persönlich erreichen möchte. Danach geht es an die Optimierung der verschiedenen Kanäle, Aufbauarbeit und Artist-Management. Dazu kommt das Booking-Management, d.h. wir versorgen unseren Artist aktiv mit passenden Gigs und händeln alle Anfragen inklusive Travel-Management. Zu guter letzt und extrem wichtig, ist das Mentoring. Dabei wollen wir jeden Einzelnen bei seiner persönlichen und musikalischen Entwicklung unterstützen und ehrlich zur Seite stehen. Beziehungsprobleme? Nachdem wir uns alle kennen, haben wir auch dafür ein Ohr.  

Was erwartet ihr euch im kommenden Jahr? 

Max: Im Grunde können wir nicht wirklich etwas erwarten. Es ist für uns alle ein neues und extrem spannendes Projekt, das mit viel Arbeit und Herzblut zusammen hängt. Ein gewisser Druck ist natürlich auch noch vorhanden, da wir uns viel vorgenommen haben und für unsere Szene in Wien nur das Beste wollen. Wir wünschen unseren Artists im kommenden Jahr durch unsere Arbeit viel positives Feedback, damit die Geschichte ins Rollen kommt. Dann können wir schon happy sein.

Blanko feiert heute Einstand im Sass – Musik kommt dabei von Artists mit denen man künftig zusammenarbeitet – und den drei Gründern. Alle Infos sind hier zu finden. 

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