Mit »NBA 2K15« in Moris »Uncanny Valley«

Vor echtem Realismus kommt die Irritation. »NBA 2K15« ist so gut, dass der mittlerweile erreichbare Fast-Realismus verstört.

Zugegeben: Shaquille O’Neal hat auch schon einmal ein bisschen frischer ausgesehen. Das hat wohl etwas damit zu tun, dass die übergroße NBA-Legende schon vor ein paar Jahren das Trikot gegen den Anzug getauscht hat, um im Studio Platz zu nehmen und das athletische Treiben auf den Basketball-Courts von außen mit launigen Kommentaren zu versehen. Und als Kommentator ist er jetzt auch in die virtuelle NBA zurückgekehrt, in die Pre-game Show von „NBA 2K15

Doch was sich in den Hirnen der Spielenden abspielt, wenn der animierte Shaq gemeinsam mit Ernie Johnson das bevorstehende Spiel bespricht, hat der japanische Robotiker Masahiro Mori schon 1970 mit dem hübschen Bild eines unheimlichen Tals umschrieben, dem „uncanny valley“. Moris seither bestens belegte Theorie meint nämlich, dass animierte Menschen uns Betrachtende ab einem gewissen Grad des Realismus abschrecken. Zumindest dann, wenn sie noch in kleinen Details vom realen Vorbild abweichen.

Im Tal der Unheimlichkeit

Jetzt ist „NBA 2K15“, ganz so wie sein Vorgänger, ein Musterbeispiel dessen, was wir uns von Sportspielen auf den neuen Konsolen erhofft haben: Faszinierend detailgetreue Bewegungsabläufe, spürbare Sportplatzatmosphäre, eine fesselnde Inszenierung und das alles auch noch verbunden, mit einer vielseitigen Steuerung, die virtuelles Basketball auf höchstem Niveau erst möglich macht.

Manches, was „Fifa 15“ noch an Wünschen offen lässt, wie die ansprechende, eine Geschichte erzählende Umsetzung des Karrieremodus oder glaubwürdige Visualisierungen dessen, was sich abseits des eigentlichen Spiels so tut, bietet „NBA 2K15“. Und auf Kosten der Einsteigerfreundlichkeit bekommen passionierte Sportspielfans echte Herausforderungen vorgesetzt, denn allein mit den zwei Tasten für Pass und Wurf lässt sich auch der einfachste Gegner nicht besiegen.

Aber zurück zu Shaquille O’Neal. Der sitzt – zwei Augen, vier Richtungen – im Studio und starrt mit einem derb breiten Schmunzler weggetretener Faszination in eine Ecke, während Ernie Johnson gerade die Anmoderation in eine Frage an seinen Co-Kommentator übergehen lässt. All das wäre nicht aufgefallen, noch vor ein paar Jahren, als animierte Kommentatoren noch Nussknacker-gleich ihren Unterkiefer unter einem reglosen Gesicht auf und ab bewegten. Aber heute lassen sich Shaquilles hängende Wangen erkennen, sein geistesabwesender Blick. Und gerade weil – aufgrund des hohen Maßes an Realismus – für kurze Momente in Vergessenheit gerät, dass es sich hier um animierte Menschen handelt, ist es beim Zusehen so schwer zu verstehen, warum er seinen Gegenüber nicht anschauen kann, wenn der doch mit ihm spricht. Und genau da beginnt er, der Abstieg ins unheimliche Tal, durch das wir im Zeitraum dieser Konsolengeneration wohl immer öfter werden gehen müssen.

»NBA 2K15« ist bereits für Xbox One, PS4, PS3 und PC erschienen.

Bild(er) © 2K Games, Propfen auf Wikipedia
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