Neues Album, neues Label: Elektro Guzzi im Interview

Elektro Guzzi gelten seit Jahren gewissermaßen als Pioniere was heimische elektronische Musik betrifft. Ihr Live-Setup bleibt einzigartig, morgen erscheint ihr neues Album »Achse Dachse« auf dem selbstgegründeten Label Palazzo Records.

Elektro Guzzi sind nicht nur konstant produktiv, sondern seit Jahren international wie national erfolgreich. Schon mit ihrem Debütalbum vor sieben (!) Jahren zeigten Bernhard Hammer, Jakob Schneidewind und Bernhard Breuer, wie analog produzierter Techno funktionieren kann. Dabei hat sich die Band durchaus weiterentwickelt, im Studio finden neben der Live-Standardkombo aus Schlagzeug, Gitarre und Bass auch zahlreiche andere Gears Platz, das neue Album »Achse Dachse«, ein Live Mitschnitt, zeigt die Vielfältigkeit erneut. Releast wird auf dem selbstgegründeten Label Palazzo Records. Wie es zur Label-Gründung kam und wie das neue Album entstanden ist, erzählen die Guzzis im Interview.

Ihr seid unglaublich produktiv als Musiker, sieben Alben in den letzten sieben Jahren, dazu noch einige EPs. Erstens: Wie bleibt man da am Ball? 

Da wir das Glück haben, von der Band leben zu können, bleibt genug Zeit, um an der Musik zu arbeiten. Durchhänger gibt’s im Arbeitsprozess des Öfteren, allerdings haben wir meistens eher das Gefühl, wir haben zu wenig Zeit für das, was wir alles umsetzen wollen.

Mit der neuen Platte gründet ihr gleichzeitig auch ein Label und folgt damit fast einem Trend. Wieso glaubt ihr, wird gerade so häufig selbst releast, warum habt ihr euch für die Label-Gründung entschieden?

Vertriebs- und Produktionssysteme von Musik haben sich in den letzten 20 Jahren grundsätzlich geändert, wodurch Labels einen anderen Stellenwert bekommen haben. Für uns war einer der Hauptgründe, dass wir sehr viel Material produzieren und viel Musik auf der Strecke bleibt, da Labels oft sehr lange Vorlaufzeiten haben. Mit unserem eigenen Label wollen wir viel intuitiver und schneller Releases in den unterschiedlichsten Formaten veröffentlichen.

Gibt es Dinge, die Labels heutzutage vielleicht nicht mehr leisten können oder wollen, im Unterschied zu vor sieben Jahren, als ihr begonnen habt?

Wir wollen ja weiterhin mit anderen Labels zusammenarbeiten, da das meistens Spezialisten sind, die ihre Kontakte haben und wissen, wie man Musik veröffentlicht. Für uns ist das ein Versuch, auch mit anderen Musikern und Künstlern in Kontakt zu kommen und Sachen zu probieren, die auf »herkömmlichen« Labels nicht möglich sind.

Werden auch andere Acts via Palazzo veröffentlichen können und gibt’s da schon wen, den man ankündigen kann?

Vorerst geht’s nur um unsere Musik. Aber wir werden mit verschiedenen visuellen KünstlerInnen zusammenarbeiten, die Ihre Projekte auf der Plattform präsentieren werden. Weiters werden wir Platten machen, die wir gemeinsam mit anderen Musikern aufgenommen haben, bzw. aufnehmen werden, wie zum Beispiel mit unseren Freunden von Rocketnumbernine

Wie kann man sich das Live Recording für »Achse Dachse« bzw. die Produktion vorstellen? Ist das tatsächlich aus einer Jamsession entstanden? 

Wir haben über einen Zeitraum von ein paar Wochen viele Sessions gemacht. Als Ausgangsidee haben wir immer ein bestimmtes Setup an Geräten benutzt und wir hatten eine Soundidee. Am digitalen Album sind jetzt Einzeltracks, die wir rausgeschnitten haben, auf der Kassette ist die ganze Session. Die Tapes werden von Florian Nietsh, der auch das Artwork gemacht hat, einzeln bemalt.

Im Konzerthaus am Samstag werdet ihr unterstützt durch Visuals von eyup kus. Visualisten werden gefühlt in letzter Zeit immer mehr eingespart, für wie wichtig haltet ihr das Zusammenspiel?

Das ist das erste Mal, dass wir das versuchen. Grund dafür war, dass wir die etwas biedere Atmosphäre des Konzerthauses auflösen wollen und den Raum mit Licht und Visuals anders gestalten wollen. Mit Eyup arbeiten wir schon länger zusammen. Er hatte gleich mehrere Ideen, wie das funktionieren könnte und für uns war dann eigentlich klar, dass wir das versuchen wollen.

Ihr steht ja für Live Techno, setzt aber in letzter Zeit und explizit auch bei diesem Album jetzt nicht mehr nur auf die analoge Standardkombo aus Gitarre, Bass und Schlagzeug. Warum? Hat euch dieser Analog-Live-Techo-Ansatz nicht auch ein Stück weit unique gemacht?

Natürlich sind wir uns bewusst, dass die meisten Leute nur das „Band spielt Techno mit echten Instrumenten“-Konzept wahrnehmen, aber uns war das nie so wichtig. Wir haben es auch nie zu dogmatisch gesehen, weshalb auch in Zukunft alles möglich sein soll. Erwartungen zu erfüllen war noch nie unsere Stärke.

Wie sieht euer Setup jetzt genau aus?

Live ists nach wie vor gleich, da es nicht möglich wäre, noch mehr Geräte zu den Auftritten zu schleppen. Im Studio verwenden wir alles was rumsteht, von alten und neuen Synthies bis Akkustikgitarren.

Ich war mal bei euch im Studio und kann mich noch erinnern, wie überwältigt, was ihr dort alles hortet. Lieblingsgears?

Unsere Brikka.

Elektro Guzzi spielen am 28. Oktober im Wiener Konzerthaus. Das Album »Achse Dachse« erscheint am gleichen Tag via Palazzo Records. Im Anschluss an das Konzert wird der Start des Labels im Opera Club gefeiert. Hier geht’s zum Event. 

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