OK Go – Sehr amerikanisch

Ihr Auftritt hatte beinahe präsidialen Charakter: Die Farben, die Kostüme, das ganze Drumherum sorgte für Staunen unter den Besuchern der Poolbar in Feldkirch. Eines muss man OK Go lassen: Wie kaum eine andere Band verstehen sie es, eine durch und durch perfekt inszenierte Show zu liefern.

Da wird schon einmal ein bewusst aufgesetzter Disput unter Bandkollegen zum Mittelpunkt des Konzerts. Im Stil einer Intermission geht die Musik zur Mitte des Konzerts über in ein Abenteuervideo des Bassisten Tim Nordwind, das ihn dann wenige Minuten später aus entfernten Sphären wieder zurück auf die Bühne schweben lässt. Die Band ist wieder vereint, Nordwind hat die Safari hinter sich und trägt von nun an einen kosmischen Umhang. Einem derartigen Ideenreichtum kann man nur mit Euphorie begegnen.

Das gesamte Konzert glich einer einzige Choreographie, zeitweise durfte man sich gar versemmelt vorkommen. Das wirklich überraschende an diesem Abend war dann aber, dass der Auftritt zu keiner "One Band Show" verkam. OK Go spulten nicht einfach einen Film vor unseren Augen ab, sie elektrisierten den Draht zum Publikum, behielten eine (wiederum sehr amerikanische) Lockerheit, und konnten an diesem Abend voller Überraschungen nur gewinnen.

Bis zur Konzertmitte hätte ich mir diesen Umstand und Wandel nicht erwartet. Denn eines wurde mir mit fortschreitender Dauer klar: Allein wegen der Musik werde ich OK Go nie in bleibender Erinnerung behalten. Auch wenn ihr Power-Pop live nochmals kompakter und kraftvoller daherkommt, im Gegensatz zu den einnehmenden Francis International Airport wurde hier nur an der Oberfläche gekratzt. Da ist vieles nett und eingängig, aber dafür verflüchtigt sich das meiste auch schneller, als der Band lieb sein mag.

Dieser Umstand zählt nur bedingt als Kritik, denn OK Go sind keine Band im klassischen Sinne, sie sind Performance-Künstler in Perfektion, Männer in farbenfrohen Anzügen und Sinnbild einer neuen, von DIY-Ästhetik euphorisierten Generation. OK Go sind zugleich Vorreiter und Alleskönner, was zwangsläufig nicht bedeuten muss, dass sie alles gleich gut können (müssen).

Aber das ist oberflächliches Gebrabbel, denn eines bot dieser Abend und diese Band allemal: Unterhaltung in ihrer reinsten Form, zum ersten Mal endlich auch in Österreich. Prädikat: Besonders sehenswert!

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