Omensight: Handlung vor Herausforderung

Der Nachfolger von „Stories: The Path of Destinies“ macht vieles besser, aber nicht alles richtig.

Vor allem im Indie-Segment gibt es viele Spiele, die Potenzial beweisen, aber noch zu oft stolpern, um wirklich zu überzeugen. Da ist es jedes Mal eine besondere Freude, wenn einem dieser Spielkonzepte eine zweite Chance gewährt wird – wie im Fall von „Stories: The Path of Destinies“ und „Omensight“ vom kanadischen Studio Spearhead Games.

Die haben schon für den erstgenannten Titel fleißig mit Narration im Spiel experimentiert. Da konnte man Level wieder und wieder durchlaufen, um jedes Mal andere Entscheidungen zu treffen und so am Verlauf der Geschichte herumzubasteln und das angenehmste Ende zu ermöglichen.

Omensight © Spearhead Games

Omensight“ denkt hier noch einen Schritt weiter und fesselt – auch wenn einiges auf den ersten Blick an „Ocarina of Time“ erinnert – durch seine ungewöhnliche Erzählstruktur. Gespielt wird die Harbinger, eine Vorbotin des Weltuntergangs und gleichzeitig die letzte Hoffnung für Urralia, ein von Krieg und Verrat zerrissenes Land. Als stumme Weggefährtin begleitet sie verschiedene Figuren des Konflikts durch den Tag, an dessen Ende eine weggesperrte Gottheit entfesselt und die Welt zerstört wird. Jede Perspektive offenbart neue Fakten. Und zentrale Erkenntnisse – so genannte omensights – können mit anderen geteilt werden, um deren Verhalten zu beeinflussen.

Omensight © Spearhead Games

So startet die Harbinger wieder und wieder in denselben Tag, immer an der Seite der Figur, von deren Handlungen wir Spielenden uns die relevantesten Erkenntnisse erhoffen. Und immer wieder verändern wir den Ablauf dessen, was an diesem letzten Tag geschieht. Das ist alles durchaus mitreißend und mausert sich durch wunderbares Voice Acting, gut geschriebene Dialoge und Zusatzinformationen in Form von Collectibles zu einer faszinierenden Erzählung.

Omensight © Spearhead Games

Schwächer ist leider das Gameplay. Der Einstieg und die Charakterentwicklung machen durchaus Sinn und motivieren, aber vor allem die generischen Kämpfe werden schnell zur monotonen Spielzeitverlängerung. Zwar entwickelt die Harbinger immer mehr Möglichkeiten, den Kampf gegen Scharren von Feinden zu dominieren, aber Kameraführung und Übersicht stehen der Entfaltung des Kampfsystems schmerzlich im Weg. So holpert der Spielfluss überall dort, wo er herausfordern möchte und der niedrigste Schwierigkeitsgrad („Story Focus“) gewinnt zunehmend an Reiz – nicht weil das Spiel so gnadenlos wäre, sondern weil sich die seltenen Tode in den wenigsten Fällen in Motivation verwandeln, etwas besser zu machen.

Omensight © Spearhead Games

„Omensight“ besticht durch seine Geschichte und deren Verwobenheit mit den Entscheidungen der Spielenden. Wer dynamische Herausforderungen sucht, wird tendenziell enttäuscht. Je nach angestrebtem spielerischen Schwerpunkt, ist es für viele ein paar Blicke wert. Und wenn Spearhead Games für einen Folgetitel an den richtigen Stellen weiter schraubt, könnte da etwas sehr erfreuliches entstehen.

Omensight” ist bereits für PS4 und PC erschienen.

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