One-Liner direkt aus den 80ern

Ubisoft nimmt die technische Basis von »Far Cry 3«, überzieht das Spiel mit einer 80er-Video-SciFi-Ästhetik und testet dabei ganz nebenbei die Grenzen des Spiels.

Manchmal passieren großartige Dinge ganz nebenbei, so als wären sie unbeabsichtigte Nebenprodukte. »Far Cry 3 Blood Dragon« ist dafür ein gutes Beispiel. »Blood Dragon« ist ein Stand Alone-Add On des Open World-Shooters »Far Cry 3«, der im Dezember unser Cover zierte und viele großartige Eigenschaften von Videospielen in sich vereint. Das Original ist in »Blood Dragon« als technische Basis omnipräsent, viele Features und Elemente wurden einfach übernommen: Es gilt als Held eine Insel zu durchkämpfen, feindliche Basen einzunehmen, Missionen zu erfüllen und Nebenaufgaben zu erledigen. Es ist nur alles ein bisschen weniger komplex: Es gibt weniger Waffen, weniger Fahrzeuge und auch neue Fähigkeiten beim Levelaufstieg sind nicht frei wählbar. Nur der Schwierigkeitsgrad in den Kämpfen hat leicht zugenommen. Entscheidend ist aber das neue Erscheinungsbild: Eine 80er-Jahre-Videokassetten-Sci-Fi-Welt mit Blut Drachen, Cyborgs und allem, was damals zu einer Zukunft im Jahr 2007 so alles dazugehörte.

Die positiven Effekte von Games

Held des Spiels ist der Mark IV Cyber Commando Sergeant mit dem schönen Namen Rex »Power« Colt. Ein Söldner, der seinen Job abgeklärt und mitunter zynisch erledigt. Nach der »Apokalypse der Apokalypse«, in der die Erde in einem Atomkrieg in Mitleidenschaft gezogen wurde, herrscht Krieg. Und Rex Colt muss die Welt vor seinem ehemaligen Kommandeur und dessen Cyborg-Armee retten. Direkt aus den 80ern kommen auch die vielen mehr oder weniger lustigen One-Liner. Beim Abschuss eines Gegners wird hier schon mal gefragt, ob Rex nun dessen Zahnarzt-Termin absagen soll. Und wenn den Gegnern nach dem Abschuss das Cyberherz herausgerissen wird, wir das kommentiert: Herzzerreißend. Dankenswerterweise gehen die Entwickler aber noch einen Schritt weiter und belassen es nicht bei pubertären Schimpfwort-Eskapaden.

Stattdessen nutzen sie diesen doch etwas eingeschränkten Humor, um mit dem Spiel an sich zu spielen. Sie brechen vom Tutorial weg die Spielebene und damit die sogenannte Suspension of Disbelief. In der Einleitung wird man immer wieder dazu aufgefordert, die ja doch störenden Texteinblendungen endlich wegzuklicken, um endlich zum Spiel zu kommen. Der Commander unterhält sich im Spiel mit einer Kollegin über die positiven Effekte von Games (Menschen, die etwas dagegen sagen, sind natürlich »P.i.m.m.e.l.«, irgendeine Abkürzung) und in den Ladescreens hagelt es unnütze Tipps, die unerst darauf hinweisen, dass dies nun mal ein Spiel ist und manche Dinge hier einfach dazugehören: »Um einen ›Takedown von unten‹ zu machen, muss der Gegner sich über dir befinden«, »Gegner können dich umhauen, diese Schweine«.

Hätten die Entwickler eine etwas feinere Klinge, sie würden hier fast an den Humor alter Lucas Arts Games herankommen, die auch immer wieder mit den Grenzen des Spiels spaßten. Oder wie es das »Eternal Darkness: Sanity’s Requiem« auf dem Gamecube getan hat, in dem etwa unerwartet Blue Screens (System-Fehler-Hinweise in Windows) erschienen und den Abbruch des Spiels verkündeten. Ein Spielelement, das damals in direkter Verbindung mit dem im Spiel mindestens angezweifelten Verstand der Spielfigur stand. »Blood Dragon« ist von feiner Klinge weit entfernt und doch gelingt der Spagat. Wer will, kann sich mit den humorigen Einlagen unterhalten fühlen, wer nicht, wird dadurch aber auch immer wieder zwangsweise auf das Gameplay fokussiert: Die Narration ist in Spielen eben doch meist überbewertet und deswegen macht es auch nichts, wenn der Rahmen durchbrochen wird. Worum es geht, ist die Action, du bekommst als Spieler eine Aufgabe und die gilt es zu erledigen. Und jetzt los: Knall sie alle ab!

»Far Cry 3 Blood Dragon« (Ubisoft) ist seit 1. Mai für Xbox 360, PS3 und PC erhältlich.

Bild(er) © Ubisoft
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