Pussycat Boys

Die Buben im Pelz schreiben jetzt eigene Songs. Sie kleiden ihre Wienerischen Dystopietexte in viele Spielarten des großbuchstabierten RAWG. So etwas hat man auch noch nicht oft gehört.

© Klaus Pichler

Ein Leben nach der Überholspur, ein Leben nach dem Überalbum, nach der vielleicht besten Idee überhaupt. Nach dem so grandios gelungenen Verwienerischen von »The Velvet Underground & Nico« bleibt eigentlich nur die Auflösung, das Sich-Ergeben in anderen Projekten, im Reinhalten des Namens, von dem nur in Zusammenhang mit dieser einmaligen Idee gesprochen werden darf. Oder das krasse Gegenteil. Die Flucht nach vorne. Den Namen mit eigenem Leben zu füllen. Den vermeintlichen Mief der – wenn auch innovativen – Kopie abstreifen. Das erste gemeinsame Album von Christian Fuchs und David Pfister ohne Coverversionen. Das darf man sich auch einmal trauen. »Katzenfestung« ist die Abkehr vom Reed- und Cale’schen drogen-naiven Coolness-Rock, von Welthymnen wie »Venus im Pelz« und das Eröffnen von neuen Möglichkeiten.

Wüsten, Neonröhren, College

Die Buben im Pelz spielen nicht nur mit dem Rockbegriff, sie deklinieren ihn auch beinhart in vielen Facetten durch. Sie setzen das Wienerische, die Sprache der Stunde, einem dafür nie da gewesenen Klangbild aus. Das neue Album klingt nach Stoner-Rock aus kalifornischen Wüsten (»Katzenfestung«), nach Cold-Wave-Postpunk (»Delirium«) oder auch nach College-Rock amerikanischer Nineties-Nerds, wie etwa im vielleicht besten Song »Endloser Summer«. Und auch bei den langsamen Stücken, die – quasi typisch für die Texter – vom dystopischen Untergang handeln (»Die Geisterstadt der lebenden Toten«), brodelt großbuchstabierter Rock unter der Oberfläche, die Sehnsuchtsgitarren sind verzerrt. Den Images, die Fuchs und Pfister seit Jahren in ihren nicht nur deutschsprachigen Projekten kultivierten, bleiben sie auch hier treu, sie dividieren demzufolge auch ihren Leadgesang stets auseinander: Christian Fuchs als pathosgeschwängerter Macker-Drama-King, David Pfister als dadaistischer Haudrauf. Zur Auflockerung dessen dürfen Altbekannte nicht fehlen: Teresa Rotschopf, Voodoo Jürgens und Monsterheart leihen ihre charismatischen Stimmen, Sir Tralala seine Geige. Dann muss man sich auch gar nicht mehr hinter dieser Festung aus Katzen verstecken. Hinter dieser Wall of Sound auch nicht.

»Katzenfestung« von Die Buben im Pelz erscheint am 9. Juni 2017 bei Noise Appeal Records. Am 16. Juni präsentiert die Band das Album im Wiener Volkstheater, ab Oktober geht es dann auf Österreich-Tour.

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