Pyramidenspiel – Bruch und sein drittes Album »The Lottery«

Wenn schon Glücksspiel, dann so: Bruchs drittes Album „The Lottery“ ist ein Gewinn für alle.

Bruch's The Lottery

Sagen wir, es treffen sich die Flying Lizards und Roy Orbison in einer Bar und nehmen gemeinsam Steroide. Und sagen wir, die Bar ist der Titty Twister aus dem Film »From Dusk Till Dawn«. »Egg Shaped Moon«, »The Brood«, »The Jester’s Crown« oder das Futurisk-Cover »Meteorite« hätten den Laden zerlegt, noch bevor George Clooney und sein Tribal-Tattoo einen Fuß hätten hineinsetzen können.

Bruch »The Lottery«

 

Bruch ist die dunkle, abgründige Seite von Rock ’n’ Roll – mit anderen Mitteln. Essenzieller Bestandteil der musikalischen Posen, mit denen der Wiener Musiker fabelhaft spielt – kokett aber nie ziellos –, ist sein unverwechselbares Timbre. Manchmal ganz Crooner-Dandy wie auf dem zärtlich seinsvergessenen »To My Sanity«, manchmal mehr Sugar-Daddy wie auf dem getriebenen »Hunger«.

Grummelige Stimmgewalt 

Zur großen Kunst wird das dann, wenn er es nutzt, um damit Thematiken zu erschließen, die man als Allerletztes mit der grummeligen Stimmgewalt in Verbindung bringen würde: etwa in den Öffis über Haarausfall nachzudenken, während einem Studenten ihren Sitzplatz anbieten und Mitfahrende viel zu laut und immer wieder ankündigen, die Stadt niederzubrennen (meine Vermutung: 13A oder U6); oder darüber zu resümieren, dass das Frühstück aus drei Pillen bestand, Fiktion und Realität nur mehr schwer zu trennen sind und man auch nicht mehr so recht weiß, ob man das System oder das Hotelzimmer zerlegen soll.

Nicht nur textlich, sondern auch musikalisch setzt sich das unschuldig-poppig daherkommende »The Lottery« von vielen der anderen Songs ab. »Philipp Said« wird von derselben existenziell-zurückgelehnten Stimmung getragen und ist ein ähnlich bezauberndes Pop-Kleinod. »Dancing On My Grave« geht dagegen in eine ganz andere Richtung – aber vor allem nach vorne. Ein Fiebertraum im Angesicht KLFs.

Das Fazit zur Platte croont Bruch schon selbst auf den letzten Zeilen der letzten Nummer, »Warm Ice«: »I’m fading away in rapture / I’m fading away in ecstasy.« »The Lottery« ist kein Glückspiel – am Ende gewinnen alle. Es ist vielmehr ein Pyramidenspiel: Schnell, erzähl deinen fünf besten Freunden davon!

»The Lottery« von Bruch erscheint am 9. Dezember. Release-Messe gibt’s natürlich auch und zwar am 10. Dezember 2016 im Wiener Rhiz: Bruch wird mit Band auftreten, im Vorprogramm sind Lady Lynch zu sehen, die nach längerer Pause endlich wiederauferstehen.

Bild(er) © Florian Tremmel, Bruch
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