Alfred Polgar

Mag sein, dass Ulrich Weinzierl als – wie der Klappentext verspricht – profunder Kenner Alfred Polgars (1873–1955) gilt. Schließlich hat der Mann schon Mitte der 80er eine viel beachtete Biografie vorgelegt und zeichnet außerdem mitverantwortlich für die Herausgabe der „Kleine Schriften“-Reihe, die vorrangig Prosaminiaturen des ungekrönten Understatement-Königs serviert. Auch angesichts seiner jüngst erschienenen, essayistischen Annäherung […]

Mag sein, dass Ulrich Weinzierl als – wie der Klappentext verspricht – profunder Kenner Alfred Polgars (1873–1955) gilt. Schließlich hat der Mann schon Mitte der 80er eine viel beachtete Biografie vorgelegt und zeichnet außerdem mitverantwortlich für die Herausgabe der „Kleine Schriften“-Reihe, die vorrangig Prosaminiaturen des ungekrönten Understatement-Königs serviert. Auch angesichts seiner jüngst erschienenen, essayistischen Annäherung soll Weinzierl hier keineswegs dessen Kompetenz abgesprochen werden, im Gegenteil: Das schmale Bändchen wartet mit vielerlei Neuigkeiten (etwa Auszügen einer bislang unveröffentlichten Porträtskizze über Marlene Dietrich) und bislang kaum beachteten Facetten des Autors, Kritikers und Übersetzers auf. Doch leider schafft es der Kenner nur selten, mit seiner Analyse Lust auf die Originale des boshaften Pointenschmieds zu machen. Zu akademisch, zu bemüht sprachspielerisch, zu sprunghaft wuselt Weinzierl durch die Polgar’sche Vita. Schade. Umso mehr ein Glück, dass Weinzierl sein Sezierobjekt ausgiebig selbst zu Wort kommen lässt: Allein Polgars Bangen – nachdem er Anfang der 1940er im amerikanischen Exil finanzielle Unterstützung von erwähnter Dietrich erhalten hatte –, nun „von dem deutschen Hollywooder Filmpack als Ausgehaltener einer Kino-Prinzessin verschrien zu sein“, sollte Eigenwerbung genug sein.

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