Da Mind Of Traxman

Liebesgrüße aus Windy City – Seit zwei Dekaden pumpt Traxman den Dance-Underground mit virtuosem Ghetto House voll und war so nebenbei Wegbereiter für die Evolution von Footwork. „Da Mind Of Traxman“ spricht zwar die Sprache der Chicagoer Musikgeschichte, aber in einem völlig neuem Dialekt.

Auch wenn sein Name vielen in unseren Breitengraden nichts sagt, Cornelius Ferguson aka Traxman hat in Nerd-Kreisen schon fast so etwas wie Legendenstatus. Seit mittlerweile zwanzig Jahren streichelt er seine MPC und releast seine Musik auf renommierten Labels wie Dance Mania. Er gründete die Geto DJz Clique und ist neben den abgefeierten DJs Rashad und Spinn auch ein Teil der Ghetto Teknitianz.

Mike Paradinas aka µ-Ziq ist einer dieser Nerds, denen Traxmans Tracks orgasmusähnliche Schauer über den Rücken jagen. Guter Nebeneffekt dabei ist, dass Paradinas mit seinem Label Planet Mu auch gleich das neue Album von Traxman veröffentlicht. Schöner und passender könnte diese Fügung nicht sein. Das britische Label hat sich schon vor Jahren von seiner Breakcore-Vergangenheit emanzipiert. Seither war Planet Mu nicht nur für den Siegeszug von Dubstep mitverantwortlich, vor allem kann es sich damit rühmen, Footwork aus seinem Chicagoer Ghetto befreit und in europäische Ohren injiziert zu haben. Die Bombe lässt Planet Mu allerdings erst jetzt mit „Da Mind Of Traxman“ platzen.

Ein Mann und seine MPC kämpfen gegen Genre-Grenzen. Zwar schwingt die House-Geschichte Chicagos bei der Musik von Traxman immer mit, aber dieser verschmiert gekonnt Zeit und Stile. Hip Hop-artiger Funk wird von synkopischer Percussion angeheizt, verhallte Soundscapes werden von peitschenden Claps zerschnitten, Acid-House flirrtet mit Jazz und Juke, Uptempo-Footwork-Tracks werden mit herzerwärmenden souligen Deep House-Chords grundiert – egal welche Sounds Ferguson in den Arbeitsspeicher seiner Maschinen lädt, er konjugiert deren Einzelteile neu oder deutet sie gleich zur Gänze um. Groove-technisch ist Traxman sowieso mit zwei funky Legs und ebensolchen Ohren gesegnet. Aus den hyperaktiven Sounds und polyrhytmischen Beats schälen sich immer wieder neue Grooves heraus und werden mit dem Besten, was das Sample-Universum zu bieten hat, angereichert. Selbst wenn Traxman von Hand angetriggerte Vocal-Schnippseln wie „Conq Dat Bitch“ oder „It’s Crack“ über eine deepe verjazzte Chordfolge schlunzt, begeistert er damit.

Die Musik von Ferguson atmet zwar den Spirit der staubigen Straßen von Chicago, aber im Hintergrund sitzt ein Klangmeister der seinen Stücken eine musikalische Tiefe einhaucht, die Tanzmusik im Normalfall nicht so schnell mal streift. Der Dance-Chronik wurde ein Meilenstein geschenkt.

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