Electric Cables

Zeig mir den Weg zur Sonne: Psychedelischer Frühsommer-Jangle-Pop aus Glasgow, der behäbig zwischen Erhabenheit und Kitsch pendelt.

Die Lightships aus Glasgow könnten so etwas wie eine schottische Indie-Supergroup sein. Bestehend aus zwei Dritteln der Besetzung der legendären Frühneunziger Britpop/Folkrock Combo Teenage Fanclub sowie Tom Crossley (The Pastels) und Bob Kildea (Belle & Sebastian) werken hier eine Reihe ambitionierter, alteingesessner Musiker und Musikliebhaber an sphärischem Eso-Pop, der kurz euphorisiert, auf Dauer allerdings in eine ratlose Sonnenschein-Fadesse übergleitet. Dabei beginnt das Album mit “Two Lines“ ungemein schön. Es ist ein verträumter, psychedelischer, farbenprächtiger Song mit Flöten und Harmonie-Chören, schwebend und illuminierend untermalt mit der Stimme von Teenage Fanclub Frontmann Gerard Love. Der darauf folgende Track “Muddy Rivers“ besitzt trotz ähnlichem Korsett nicht einmal einen Bruchteil derselben Brillanz und verkommt durch Phil Spector artige Wall-Of-Sound Instrumentierung zu kitschtriefendem, zurückgelehnten Honigmelonen-Pop.

Die Diskrepanz dieser beiden Tracks wiederholt sich noch einige Male aufs Album verteilt. Neben unbestreitbar eingängigen, melodieverliebten, vor lauter Hippie-Romantik fast platzenden musikalischen Tropenfrüchten wie “Every Blossom“, “Photosynthesis“ oder “Sunlight To Dawn“ finden sich immer wieder unfassbar klebrige Pathos-Ausrutscher wie “Sweetness In Her Spark“ oder zu naiv auf Beach Boys-Harmonien getrimmte endless-Summer exegesen wie “The Warmth Of The Sun“ oder “Silver & Gold“. Es ist Musik, die in ihren besten Momenten an die Byrds und in den schlechtesten an die späten (und mit überbordendem Kitsch um sich werfenden) Fleetwood Mac erinnert. “Electric Cables“ ist warmer, frühsommerlicher Jangle-Pop mit einigen herausragenden Elementen und ebenso vielen Ausrutschern.

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