Finsterworld

Deutschland. Kein Sommermärchen. In losen Episoden entsteht das Bild einer kaputten Gesellschaft, die es verlernt hat, zuzuhören. Die Idylle führt unweigerlich in den Abgrund.

Regisseurin Frauke Finsterwalder schrieb das Drehbuch, das einen großen Teil der Wucht von »Finsterworld« ausmacht, mit ihrem Ehemann Christian Kracht. Dieser erhielt für Romane wie »Faserland« oder »Imperium« gleichermaßen überwältigenden Zuspruch und herbe Kritik. Das ist meist ein gutes Zeichen und auch »Finsterworld« provoziert in der Tradition der Bücher. Der Film zieht einen Großteil der Spannung aus einer Verkettung von vorerst harmlosen Umständen, die fast ausschließlich tragisch enden. Interessanterweise gelingt es »Finsterworld« trotz der Überspitzung seiner Dialoge eine Umgebung zu erschaffen, die mitunter sehr reale Züge annimmt. Da ist es umso verstörender, dass (wieder ein Kracht-Spezifikum) beinahe alle Charaktere ihr Schicksal ohne Widerspruch akzeptieren. Die Protagonisten finden sich mit ihrer Situation ab, so ungerecht sie auch erscheinen mag. Sie geraten dabei zum Spielball einer Gesellschaft, in der – vereinfacht gesagt – die Starken so gut wie immer über die Schwachen triumphieren. So gelingt dem Film auch eine ebenso drastische wie ehrliche Annäherung an Deutschlands Nazi-Vergangenheit, die nur auf den ersten Blick geschmacklos erscheint.

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