Nootropics

Drone-Pop, New-Wave und Psychedelia: Ein lohnendes Album mit schwierigem Einstieg

Das schwierige zweite Album gibt sich schwierig: Lower Dens experimentieren auf »Nootropics« mit der künstlerischen Ambivalenz von Tiefgang und Repetition. Der monolithische Opener »Alphabet Song« spinnt die Traumwolken in Richtung Transhumanismus – es geht um die Veränderung der menschlichen Sinne durch den Einsatz von Technik, um die Erweiterung des Intellektuellen, Psychischen und Physischen. Drums, Synthesizer und Bass setzen nacheinander ein, während die sich hinter einer sachte aufbauenden Wall-Of-Sound-Mauer körperlos versteckende Stimme von Sängerin Jana Hunter schwer rezitierbare Prosa singt. Es ist, als ob man Musik dabei zuhört, wie sie versucht, ein Bild zu sein. Der Track erreicht eine Klimax, ohne dass sich das Ohr merken würde, welche Melodien es vernommen hat.

Schwer zugänglich gibt sich auch die Single »Brains«: Keine Hooks und kein Vers-Chorus-Vers Schema belästigen die Hörgewohnheiten mit Dingen wie Songstruktur oder Radio-Airplay-Tauglichkeit. Stattdessen führen uns Lower Dens mit geometrisch wirkenden, elektrisch verzerrten Drumcomputer-Rhythmen in die Disco des Todes. Die Demontage von Pop-Konstruktionen setzt sich in den Tracks »Stem« und »Propagation« konsequent fort, während »Lamb« einen kleinen Schritt in die Sonne wagt. Hier klingt das Quartett gar nicht mehr so kalt und abstrakt. Teils erinnert »Nootropics« mit seinen langgezogenen, schwelgerischen Melodiebögen an jene Art von Transzendenz-Pop, wie ihn Gruppen wie Beachhouse, Best Coast oder Wild Nothing schon länger zelebrieren – eine Fassade, die auch Lower Dens sehr gut steht.

Nach mehrmaligen Hörgängen wird »Nootropics« erstaunlich durchlässig, als ob auf einmal etwas, was zuvor verschlossen schien, plötzlich offensichtlich geworden ist. Zum Schluss malt »In The End Is The Beginning« noch einmal warm akzentuierte Rätsel auf die Netzhaut, ehe das Album irgendwo zwischen Neo-Psychedelia und Ritalin-Wave im Äther verrauscht. »Nootropics« steht im Englischen für Medikamente, die mentale Fähigkeiten wie Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentration erhöhen – Gehirndoping ist trotzdem nicht zwingend nötig, um dieses Album, das freischwingend zwischen Pop und Drone pendelt, genießen zu können.

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