Rave Tapes

Mogwai stolpern über ihre eigene, überlebensgroße Referenz. Das neue Album der Glasgower Postrock-Institution ist eine runde Sache, die daran scheitert, das ihr die Kanten abhanden gekommen sind.

“Rave Tapes“, das neue Album der schottischen Postrock-Institution Mogwai, macht nichts falsch, vieles richtig – und schrammt dennoch knapp an einer nervtötend choreographierten Bedeutungslosigkeit vorbei.

Zwischen den meditativ-melancholischen Instrumental-Kompositionen für den Soundtrack zur Canal Plus Serie “Les Revenants“ – einer Art “Twin Peaks“ in den französischen Alpen – und den shoegazenden Lärmpegeln von “The Hawk Is Howling“ pendeln sich die Songs auf “Rave Tapes“ in eine Art von Mittelmaß ein, welches die lauten und die leisen Ausprägungen der Band vereinen möchte, dabei aber genau jene Stimuli reduziert, die Mogwai überhaupt erst zum gottgleichen Dunkelelf der Postrock-Szene machte. “Rave Tapes“ ist nie zu laut, nie zu leise, nie zu pop-affin, nie zu avantgardistisch. Es ist kein Rock, schon gar kein Rave, keine Projektionsfläche monolithischer Kunstmusik.

Was nach all diesen Verneinungen übrig bleibt? Hochqualitative Musikproduktion, Routine auf höchstem Niveau, eine runde Sache, die daran scheitert, das ihr die Kanten abhanden gekommen sind. Aus den 90er Indie-Kids der Glasgower Untergrundszene wurden weltbekannte Musiker, die nach 18 Jahren Bandgeschichte, acht Platten und tausenden Konzerten zu ihrer eigenen Referenz geworden sind. Diese überlebensgroße Referenz ist es, die das Album sowohl im Kontext des bisherigen künstlerischen Bandoutputs, als auch in dessen temporärer Verortung im Jetzt zu einer halbschalen Angelegenheit macht.

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