Swing Lo Magellan

Orchester-Pathos, Hardcore-Ästethik und afrikanische Trommeln mögen Weltmusik-Alarmglocken läuten lassen – finden hier aber äußerst catchy zusammen.

Die Dirty Projectors melden sich mit einem neuen Album zurück: Auf “Swing Lo Magellan“ hat die Gruppe um Songwriter und Bandleader David Longstreth ihren Sound perfektioniert. Orchester-Pathos, Hardcore-Ästethik und afrikanische Trommeln mögen bisweilen die Weltmusik-Alarmglocken läuten lassen – finden hier aber äußerst catchy und unverkennbar zusammen. Der Gruppe gelingt es, ihrer experimentale Indie-Soul Melange ein wiedererkennbares Skelett einzuverleiben und gleichzeitig neue musikalische Richtungen und Stile zu erforschen. Retro-Wurzeln geben sich hier frisch und unverbraucht, trotz Art-Rock Appeal bewegen sich die Songs organisch und direkt auf einen zu. Der intime Widescreen-Glamour von Tracks wie “Offspring Are Blank“ oder “Gun Has No Trigger“ erinnert an die hochchoreographierten Mini-Dramen von Bands wie Queen oder den Talking Heads.

Mit dem Titelstück “Swing Lo Magellan“ sowie dem formidablen “Impregnable Question“ geben sich zwei katzenhaft in den Gehörgang schmeichelnde, wunderhübsche Folk-Pop Nummern die Hand. Weitere Highlights bilden das mit Chorgesang und Gospel-Klatschen unterlegte “Just From Chevron“, der poetische Dandy-Rocker “Unto Caesar“ sowie das bluesige Outro “Irresponsible Tune“. “Swing Lo Magellan“ ist feingeschliffene Indie-Kunst der besten Sorte.

Vor allem der stete Wandel von Instrumentierung und Stimmung sind der Band hier äußerst gut gelungen. Die Platte wirkt vom ersten bis zum letzten Track durchkomponiert, ohne dabei aber als Konzeptalbum rüberzukommen – fast wie eine Soundraupe, die sich im Laufe der Zeit gleich mehrmals verpuppt, mannigfaltige Gestalten annimmt und trotzdem die räumliche Präsenz einer in sich ruhenden, gusseisernen Statue ausstrahlt. Einzig eine zu glatte Produktion könnte das Album davon abhalten, langanhaltenden Charme zu versprühen. Ohne zeitliche Abnutzungserscheinungen taugt “Swing Lo Magellan“ jedenfalls als heißer Tip für die Sommerplatte dieses Jahres.

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