Beat Pyramid

Bei all dem Revival der frühen 80er, das wir in den letzten drei bis vier Jahren erduldet haben, kam wohl ein Aspekt zu kurz, nämlich der zerebrale Exzess jener von herrlich prätentiösen Manifesten geprägten Pop-Periode. Sicher, die in zackig schrubbeligen Songs wie „Numerology (aka Numbers)“ zelebrierte zahlensymbolische Obsession dieser als Hedi Slimanes jüngste Dior-Zuckerpüppchen aus der Obskurität gefischten Band aus der trostlosen Seestadt Southend macht noch keine intellektuelle Offenbarung.

„Number one is the individual, number two duality.“ Na ja. Aber wenn Jack Barnett in „C. 16th ±“ wiederholt die Phrase „Into history / We were right, we were right“ skandiert, flattern einem – statt der bemühten Renaissance-Referenzen – zwangsläufig Assoziationen mit einem grinsend in den Krieg ziehenden Tony Blair vors geistige Auge, und auch der mit Beschwörungen des Abendlandes gemischte Slogan „China, India, my future“ aus „Infinity Ytinifni“ bietet sich als sarkastischer Kommentar zur kollabierenden Konsumwelt der Gegenwart an. „The irony is always unfound“, heißt es in „4“ als Fingerzeig zum besseren Verständnis. Und tief drinnen verbirgt sich da tatsächlich eine Ironie, allerdings eine todernste.

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