Plague Songs

Die heutigen Geißeln der Menschheit sind Aids, Privatfernsehen, Handys, Neoliberalismus und MS Windows. Aber schon für die Ägypter des 13. Jahrhunderts vor Christus war das Leben kein Zuckerschlecken, denn JHWH sandte insgesamt zehn Plagen über sie, da der Pharao das geknechtete Volk der Israeliten nicht ziehen lassen wollte. Steht zumindest so in der Bibel (vgl. […]

Die heutigen Geißeln der Menschheit sind Aids, Privatfernsehen, Handys, Neoliberalismus und MS Windows. Aber schon für die Ägypter des 13. Jahrhunderts vor Christus war das Leben kein Zuckerschlecken, denn JHWH sandte insgesamt zehn Plagen über sie, da der Pharao das geknechtete Volk der Israeliten nicht ziehen lassen wollte. Steht zumindest so in der Bibel (vgl. 2. Buch Mose). Jeder dieser Plagen ist ein Track auf der vom britischen Kunstprojekt Artangel zusammengestellten CD gewidmet. Im Gegensatz zu vergleichbaren Themen-Compilations finden sich auf „Plague Songs“ mehr hits als misses.

Das liegt vor allem an der feinen Auswahl der beteiligten Musiker. Grandios, großartig und allein schon den Kauf der CD wert sind die Beiträge von Scott Walker (über die dreitägige Finsternis) und Brian Eno & Robert Wyatt (über die Ungeziefer). Den Tod der Erstgeborenen bearbeitet nicht Nick Cave, sondern Rufus Wainwright, der zur Abwechslung auf allzu schwulstiges Pathos verzichtet und also ein sehr schönes Lied abliefert. Kaum herausragend, aber verlässlich gut sind die Songs von Laurie Anderson (über die Viehpest), Magnetic-Fields-Chef Stephin Merritt (über Stechmücken) und von den Tiger Lillies (über Hagelsturm). Auf bessere Weise kann man sich den ganzen Bibelhorror des Exodus kaum aufs heimische Sofa holen. Und zudem sind die „Plague Songs“ ein gelungenes Remedium gegen die Menschheitsplagen der Gegenwart.

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