Studio One Rude Boy

Die Moral von der Geschicht ist wie immer keine Moral, sondern eine Erkenntnis, und zwar diese hier: Der zentrale Irrtum zeitgenössischer Gangsta – Musikanten (einmal abgesehen von ihrer Vorliebe für goldplattierte Schneidezähne) besteht darin, reale Gewalt unbedingt und jederzeit mit musikalischer Härte kurzzuschließen. Weil, um da mal ein nahe liegendes Bild zu verwenden: Der Schuss […]

Die Moral von der Geschicht ist wie immer keine Moral, sondern eine Erkenntnis, und zwar diese hier: Der zentrale Irrtum zeitgenössischer Gangsta – Musikanten (einmal abgesehen von ihrer Vorliebe für goldplattierte Schneidezähne) besteht darin, reale Gewalt unbedingt und jederzeit mit musikalischer Härte kurzzuschließen. Weil, um da mal ein nahe liegendes Bild zu verwenden: Der Schuss geht meistens nach hinten los.

Dass die ästhetische Umformung leibhaftigen Gangstatums andererseits aber auch sehr viel subtiler funktioniert, führt dieses fantastische Album vor Ohren: „Studio One Rude Boy“, gewohnt fachkundig kompiliert von den Soul-Jazz-Menschen, macht ziemlich schnell klar, dass ein von zuckersüßen Backgroundvokalistinnen gesäuseltes „Murderer“ einfach stärker wirkt als jede pistolenknallgestützte Hasspredigt, von den Style-Vorteilen ganz zu schweigen.

Warum mit dem Wailer’schen „Simmer Down“ ausgerechnet die ultimative Single zum jamaikanischen Bandenkriegsdilemma fehlt, bleibt zwar ungeklärt, Kritik ist aber trotzdem unangebracht, immerhin werden hier die Kapazunder (Dennis Brown, Johnny Osbourne, John Holt, Dillinger etc.) gleich reihenweise aufgeboten, um dem Rude Boy (bzw. seinem Unwesen) ein seelenvolles Monument zu errichten.

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