Schaum im Raum

Das MAK startet mit seiner Reihe „Angewandte Kunst. Heute“ und präsentiert Arbeiten des Südtiroler Designers Patrick Rampelotto.

Der neue MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein sucht Verbündete. Das ist ungewöhnlich in einer Stadt, in der Kulturinstitutionen sich lieber gegenseitig die Themen abspenstig machen als die Kräfte zu bündeln. Der langjährige Chef des österreichischen Kulturforums in New York setzt die Initiative nicht nur aus Überzeugung, sondern auch aus Notwendigkeit: Die Zeiten sind hart und sie werden in der nahen Zukunft noch härter für Museen, wenn es um Finanzmittel und Sponsoring geht. Und so lag es nahe, mit der benachbarten Universität für angewandte Kunst gemeinsame Sache zu machen, was diese wiederum freut, denn die neue Ausstellungsreihe „Angewandte Kunst. Heute“ wird ausschließlich Absolventen der Angewandten präsentieren. Das ist zwar ein bisschen schade, da ja auch viele Designer oder Architekten in der Stadt leben, die nicht an der Angewandten studiert oder absolviert haben. Die weitere Einschränkung, wonach nur Absolventen präsentiert werden, die hier in Österreich geblieben sind, ist in Zeiten globaler Arbeitsmärkte auch nicht unproblematisch.

Space zum Atmen

Aber egal: Angewandte Kunst bekommt mehr Platz als im bisherigen MAK Design Space – und das ist gut so, wie man am Beispiel des Südtirolers Patrick Rampelotto sieht. Seine Arbeiten sind zwar alles andere als raumfüllend, benötigen aber Luft zum Atmen. Rampelotto ist hierzulande längst kein Unbekannter. Der Sterzinger zählt zur Generation derjenigen, die um 2000 an der Angewandten zu studieren begannen, sein Diplom machte er 2006 bei Kurzzeit-Professor Ross Lovegrove, danach arbeitete er einige Jahre beim Wiener Studio EOOS, wo er unter anderem Projekte für den Outdoor-Möbel-Hersteller Dedon betreute. Seit einigen Jahren ist er als freier Designer (und nebenbei als DJ mit seinem „Circus Maximus“) tätig, wobei er sich nicht genau darauf festlegen will, ob er nun Industriedesigner oder doch Künstler ist.

Plic, Remis, Totems

Seine bisher wichtigsten Projekte sind in dem weißen Ausstellungsraum locker verteilt: Wunderschön etwa die Glasschale Plic, die den Kniff hat, dass auf ihrem Deckel eine Art Lupe ruht, die besondere Blicke auf den Inhalt erlaubt. Zweifellos ein Highlight auch der kleine, fragile Sessel Remis, der – mit Seitenblick auf die Konzeptkunst – ohne Sitzfläche auskommt. Mit- und Dazudenken ist gefragt. Wobei keinesfalls die sinnliche Komponente zu kurz kommt. Ein Lieblingsprojekt von Rampelotto darf hier nicht fehlen: Seine „Totems“, die er aus industriell gefertigten Pokalteilen zusammensetzt. Das glänzende Material hat ihn gereizt, weil es billig ist, aber „auf teuer tut“.

Neben diesen bereits öfters in Ausstellungen gezeigten Arbeiten präsentiert Rampelotto eine Reihe von neuen Objekten, deren Ausgangsbasis ein neuartiger Werkstoff ist, weshalb die Ausstellung auch den Titel „Adventures in Foam“ hat: Der Designer stieß 2010 auf Polypropylenschaum, der mit einer speziellen Maschine einer oberösterreichischen Firma produziert werden kann (die damit normalerweise Bauteile für die Maschinen- und Fahrzeugindustrie erzeugt). Das Material muss von 140 Grad binnen Sekunden verarbeitet werden, ehe es härtet. Dass der Kunststoff geschäumt werden kann, erlaubt völlig neue Formen und Funktionen. So entstand zum einen ein Hocker („Pilot“), der in ein paar Wochen bei der Mailänder Möbelmesse präsentiert und vom belgischen Label Quinze & Milan seriell produziert werden wird. Zum anderen nahm Rampelotto die Einladung ins MAK zum Anlass, aus dem neuartigen Stoff unterschiedlichste Gebilde zu formen, die manchmal wie Skulpturen, manchmal wie Gebrauchsgegenstände aussehen. Am schönsten gelingt dies bei einem Lampenschirm, denn der Schaum ist auch noch lichtdurchlässig: Die Lampe sieht jedenfalls aus, als hätte man eine Blütenfotografie von Karl Blossfeldt zum 3D-Leben erweckt.

Die Ausstellung vermittelt nicht nur die Arbeit des Designers, sondern zugleich auch, was passieren kann, wenn sich was tut in der Materialküche. Die Ausstellungsreihe „Angewandte Kunst. Heute“ wird im Mai mit einer Schau zu „Stiefel Kramer Architecture“ und im Oktober mit einer Präsentation des spanisch-kolumbianischen Designduos „Talia y Sebastian“ fortgesetzt.

Angewandte Kunst. Heute / Applied Arts. Now

Patrick Rampelotto. Adventures in Foam

25.1.2012 – 6.5.2012

MAK-Studiensammlung Möbel / Study Collection Furniture

www.mak.at

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