Sharen ist besser als Kaufen

Vergesst die Wirtschaft, vergesst das Geld. Wer teilt, hat mehr vom Leben. Die Shared Economy wächst. Dabei entstehen auch Alternativen, die nicht nur darauf aus sind etwas einfach profitabler zu machen, sondern die Wirtschaft wirklich anders verstehen und ohne Geld auskommen.

In der Ökonomie geht es darum seine Wünsche möglichst effizient zu erfüllen, der Preis wird dabei immer durch Angebot und Nachfrage bestimmt, wir müssen arbeiten gehen, um dafür Geld zu bekommen, dass wir dann wieder für Dinge ausgeben können, die andere hergestellt haben. Aber muss das genau so ablaufen? Sind wir uns mal ehrlich: dieses System ist doof. Die von Adam Smith beschriebene Hand, die alles regelt, ist nämlich nicht nur unsichtbar, sondern auch blind. Sie übersieht kurzerhand globale und soziale Ungleichheiten und die Tatsache, dass wir nur eine Welt haben und wenn wir die zerstören, dann ist sie zerstört.

Es gibt aber auch andere Wege die Wirtschaft zu denken. Man muss nicht alles besitzen um es nutzen zu können und man muss nicht ständig Neues kaufen um etwas Neues zu haben. Der Bereich der Shared Economy gewinnt immer mehr an Ansehen. In Wien gab es im Oktober das Vienna Open Festival, das sich damit auseinandersetzte und auch die Cebit machte es 2013 zum Thema. Denn mit der Rechnerleistung von Apps und Laptops sind mittlerweile ganz andere Formen der Resourcenverteilung und -koordination möglich geworden, für die Menschen früher sehr aufwendige Verwaltungsapparate gebraucht hätten. Heute reicht oft eine kleine Seite im Netz. Es braucht vor allem Grafik- und Interaktions-Designer, die das Teilen zu einem aufregenden und einfachen Erlebnis machen. Sobald die User Experience stimmt, wird Teilen zu einem kleinen Glückserlebnis und ist mit einem Wischen über das Smartphone schon fast erledigt.

Neben den altbekannten Alternativen, die Secondhandläden und Carsharing bieten, gibt es aber noch viel mehr: Möglichkeiten die auch wirklich ohne Geld auskommen.

Mehr Wert ganz ohne Geld

Ein Beispiel wären die offenen Bücherschränke, denen man in Wien immer mal wieder begegnet. Da kann man sich Bücher nehmen und lesen ohne Rückgabedatum und damit verbundenen Überziehungsgebühren und ohne Ausweis.

Nutzen und dann weitergeben funktioniert auch mit Kleidung. Neben den üblichen Verdächtigen wie Flohmärkten, Secondhandläden und den Kleiderschränken der Großmutter, gibt’s da noch was um kostenlos zu „neuen“ Klamotten zu kommen: Kleidertauschpartys. Sie wachsen derzeit wie Schwammerln. Und das nicht ohne Grund, man hat ja schon ein gutes Gefühl, wenn man was Neues zum Anziehen hat ohne Geld dafür ausgeben zu müssen. Man will ja die Umwelt und die Ressourcen schützen und noch mehr Kinderarbeit vermeiden. Dass man dann dabei auch noch sein Geldbörsel schont, ist schon ganz praktisch. Die Vorteile sind also einleuchtend, das Konzept ist simpel: nicht mehr benötigte Bekleidung bringt man mit. Und dann kriegt man dafür neues Zeug. Yes, it is that simple. Trifft sich in diesem Fall ja auch gut, dass der Trend hin zu Normcore geht, so findet man unter dem alten Zeug sicher noch etwas Zeitgeistiges. Für die von euch, die mit dem Begriff noch nichts anfangen können, merkt euch einfach: Coolness durch Differenz ist vorbei, je normaler desto besser, ein Hoch auf das Mausgrau!

Essen tauschen

Wer den Trend nicht mitmachen mag und doch etwas Individuelles will, kann sich ja auch mal selbst etwas machen. Tocotronic zum Trotz:„do it yourself“ lautet die Devise! Zahllose Internetseiten bieten kreative Ideen zum nachbasteln, -bauen, -kochen, -nähen etc.

Und dann kann man ja via Facebook ganz gemütlich all das Zeug, was man nicht mehr braucht, das zu verkaufen schwierig ist und zum Wegschmeißen zu schade ist, einfach verschenken. Oder sich eben das, was man gerne hätte schenken lassen.

Das Selbe gilt natürlich für Essen: Auch hier gibt es mittlerweile Gruppen, die das teilen wollen. Kein eigener Garten für die Zutaten? Ist auch kein Problem. Auch hier gibt es Grünflächen, die deine Stadt dir bietet. Wenn es gerade nicht Guerilla Gardening sein muss, bei dem es mehr um den Akt der Begrünens als um eine Ernte geht, dann gibt es immer noch Gemeinschaftsgärten. Und weil der Andrang in Wien beispielsweise so gross ist, gibt es dafür mittlerweile auch andere Anbieter.

Aber man kann nicht nur Gegenstände, Essen und Kleidung verschenken und geschenkt bekommen. Shared Economy geht um mehr. Es geht darum zu begreifen, dass man wenn man teilt, nicht zwangsläufig, weniger hat, sondern oftmals mehr.

Beispiele für Shared Economy auf einen Blick:

Vienna Open: viennaopen.net

Offener Bücherschrank: offener-buecherschrank.at

Eine von vielen Kleidertauschpartys: www.facebook.com/events/762111793800799

Share and Care: www.facebook.com/groups/shareandcare.vienna

Foodsharing: www.facebook.com/groups/130967577075094

Guerilla-Gardening: ggardening.kukuma.org

Bild(er) © Jonathan Macintosh on Flickr, Cecilia Palmer Workshop beim Vienna Open Festival, by Joanna; Offener Bücherschrank 2010-2012: Heinz Heger Park, Wien 9
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