Die SOHO-in-Ottakring-Ausstellung »Fragile Systeme« ist ein Ergebnis des Forschens, Verarbeitens und Sichtbarmachens verletzlicher, prekärer und zugleich widerstandsfähiger Beziehungen zwischen Menschen, Natur, Materie und sozialem Raum. Sie stellt einen Versuch dar, Räume zu schaffen, in denen sich Fragilität nicht als Schwäche, Angst und Unsicherheit, sondern als Ausgangspunkt für neue Beziehungen und Verantwortlichkeiten ausdrückt.

»Fragile Systeme« umfasst auch fragile ökologische Beziehungen, die von Migration, kolonialen Kontinuitäten und sozialer Ungleichheit geprägt sind. Ein Fokus liegt auf der Zusammenarbeit mit Künstler*innen und Kollektiven aus Regionen, in denen sich die Auswirkungen der ökologischen Krise besonders dramatisch zeigen.
Schlüsselbegriffe wie Care, Klimagerechtigkeit, Verletzlichkeit, Fürsorge, Interdependenz und lokales Wissen strukturieren den thematischen Rahmen und bieten Perspektivwechsel, welche Zukunftsängste überwinden.
Daniela Brill Estrada präsentiert eine Werkgruppe, die Themen von Astrobiologie über den Ursprung des Lebens bis zu queerer Liebe und den fragilen Systemen, die Teil ihres Alltags und ihrer Gedankenwelt sind, behandelt.
Mit »Zusammenhalten« zeigt Dakshayini Gowda von Stietencron Alltagsgegenstände oder gefundene Objekte, die sie mit kostbaren Brokatstoffen umhüllt, um das Verhältnis zwischen Fürsorge und Kontrolle, Akzeptanz und Loslassen zu reflektieren. Auch Besucher*innen sind eingeladen, teilzunehmen und die Objekte auf einem wachsenden Turm in neue Beziehungen zu setzen.
Elena Guiomar Janicke Quintero, Karolina Kreutzer und Viktoria Wöhry befassen sich mit Fragen der Geschlechteridentität, Feminismus, Selbstbestimmung, Körperpolitik und gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Ihre kollaborative, multimediale Arbeit »Fragile Nähe« schafft Raum für Reflexion und Austausch über die selten öffentlich thematisierte gynäkologische Versorgung.
Mit »Otros Futuros – Andere Zukünfte« kreieren Susana Ojeda und Marcela Torres Heredia eine »casa commún«, ein gemeinsames Haus, an welchem übers Jahr in öffentlichen Dialogen und Workshops, vor allem auch im Austausch mit Akteur*innen territorialer Kämpfe aus Abya Yala (Lateinamerika) gearbeitet wurde. Die »casa commún« ist eine Geste für andere mögliche Zukünfte, getragen von Gegenseitigkeit, Fürsorge und Verantwortung.

»Imaginatio« von Jatun Risba ist ein unter UV-Licht sichtbarer, sieben Meter langer Print, der an einen Sternenhimmel erinnert und in seiner Wirkung Grenzen zwischen Körper, Kosmos und dem Spirituellen verschmelzen lässt. In einer Performance ist Urin als bislang wenig beachtetes inneres Wasser Teil einer fortlaufenden künstlerischen Forschung.
Vasilena Gankovskas widmet sich mit ihrer neuen Bilderserie »Architektur der Abwesenheit« der Architektur des Sandleitenhofs. Die Spannung zwischen der Idee des gemeinschaftlichen Wohnens einst und der heutigen Wahrnehmung des Ortes bildet den Ausgangspunkt. Gesamtansichten treffen auf isolierte Architekturelemente, skizzenhafte Malerei auf geometrische Abstraktion. Ihre Bilder laden dazu ein, den vertrauten Ort mit einem anderen Blick wahrzunehmen und neu zu entdecken.
Hansel Satos Tuschebilder »Stille Erosion« thematisieren die Fragilität und subtilen Gesten von Beziehungen im familiären und urbanen Alltag.
Ein kuratiertes Vermittlungsprogramm von Jaskaran Singh und vom Verein trivium versammelt Figuren, Masken und Objekte aus mehreren Jahren künstlerischer Forschung zu Körper, Herkunft und Sichtbarkeit: ein Archiv, das nicht ausgestellt, sondern benutzt wird.
SOHO-IN-OTTAKRING-Ausstellung »Fragile Systeme«
Eröffnung: 5. November 2026, 19 Uhr
6. November bis 3. Dezember 2026, Mittwoch bis Sonntag jeweils 15 bis 20 Uhr
SOHO STUDIOS, 1160 Wien
Nähere Infos unter www.sohostudios.at