Soundcloud: Chance, die Rettung?

Wir dokumentieren nachstehend Aufstieg, Niedergang und die mögliche Wiedergeburt des Musik-Streamingdiensts SoundCloud aus Berlin.

Ende letzter Woche sah es ganz danach aus, als ob SoundCloud, das Berliner Startup hinter dem gleichnamigen Streaming-Portal, bald pleite gehen wird. Wie das britische Magazin FACT online berichtete, hätten die Deutschen gerade mal genug Geld übrig, um den Betrieb für 5o weitere Tage aufrechtzuerhalten. Am Freitag folgte dann der Paukenschlag: Chance the Rapper kündigte indirekt via Twitter an, dem Service mit Geld auszuhelfen: „Hatte eben ein sehr fruchtbares Telefonat mit Alex Ljung (dem Gründer und SoundCloud-Chef, Anm.). @SoundCloud ist gekommen, um zu bleiben.“

Das Geld-Gerücht wurde weder von Chance noch SoundCloud bestätigt, doch Ljung veröffentlichte daraufhin einen Blogpost mit derselben Schlagzeile wie im Tweet. Selbst wenn es zutrifft, dass Chance Dollars gen Berlin abdrückt, wird sich erst zeigen, inwieweit die Unterstützung ausreicht. Das finanzielle Debakel kommt nicht überraschend. Eine Chronologie von Aufstieg, Fall und der womöglichen Wiedergeburt …

September 2007: SoundCloud wird von den Schweden Alex Ljung und Eric Wahlforss in Berlin gegründet.

2008: Die Plattform geht nach eigenen Angaben erstmals online.

Juni 2009: In einem Interview mit WIRED erklärt Ljung Sinn und Zweck der Plattform. Er und Wahlfross kämen aus der Musikszene. Lange hätten sie sich darüber geärgert, dass es keine niederschwellige Webdienste wie Flickr für Fotos oder Vimeo für Videoclips für Musik gäbe. Sie wollten es Bands erleichtern, untereinander ihre Songs zu tauschen. Aus diesem Bedürfnis heraus seien sie auf SoundCloud gekommen. Mit dieser Ansage wuchsen sie rasch zu einer ernsthaften Konkurrenz für MySpace. Im selben Beitrag kündigte er eine baldige SoundCloud-iPhone-App an.

April 2010: Die Investmentfirma Doughty Hanson Technology steckt 2.5 Millionen Euro in SoundCloud.

Mai 2010: SoundCloud verkündet, die 1-Million-User-Marke geknackt zu haben. gibt an.

Dezember 2010: SoundCloud veröffentlicht neue iPhone- und Android-Apps sowie ein Programm für Mac-PCs. Mit letzterem kann man Audios nun direkt auf der Seite aufnehmen und bearbeiten.

Jänner 2011: SoundCloud hat mittlerweile 2 Millionen User weltweit und zieht millionenschwere Investitionen von Union Square und Index an Land. Die Mitgliederzahlen schnellen in die Höhe: Schon im Folgemonat zählt die Plattform 3 Millionen User.

Juni 2011: Mittlerweile verzeichnet SoundCloud 5 Millionen Nutzerinnen und Nutzer.

Jänner 2012: Nach einem Re-Design der Seite scheint das Wachstum unaufhaltsam: SoundCloud erreicht einen neuen Rekord von 10 Millionen Benutzerinnen und Benutzern. Von kalifornischen Investmentfirmen fließen 50 Millionen US-Dollar an die Spree.

April 2013: Die Europäische Kommission zeichnet SoundCloud und SwiftKey mit dem Europioneer Award als Web-Firmen des Jahres aus.

Juli 2013: Laut USA TODAY erreicht SoundCloud 200 Millionen „Unique Listeners“ und hat 40 Millionen User. Jede Minute werden 12 Stunden Musik auf SoundCloud hochgeladen.

2014: Twitter scheitert beim Versuch, SoundCloud aufzukaufen. Zuvor hatte der Microblogging-Dienst Pläne für ein eigenes Streaming-Portal mit dem Namen #Music wieder gestrichen. SoundCloud fährt einen Erlös von 15.37 Millionen Euro ein, macht aber zeitgleich 39.14 Millionen Euro Miese.

2015: SoundCloud unterzeichnet Lizenzverträge mit zahlreichen Indie-Labels. Die für SoundCloud zuständige Unternehmensberatungsfirma KPMG mahnt an, dass die Berliner bei ihrem Geschäftsgebaren rasch auf weitere finanzstarke Investoren angewiesen sind, um langfristig zu bestehen.

2016: Die finanzielle Schieflage des Unternehmens wird erstmals öffentlich. SoundCloud holt das Major Label Universal Music an Bord. Ende des Jahres blendet das Portal Werbung für alle deutschen Kunden ein, die kein Abo abgeschlossen haben. Zum Jahresende sind 135 Millionen Tracks und 175 Millionen User weltweit online, berichtet WUV.

2017: Anfang Juli kündigt SoundCloud 173 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das entspricht 40 Prozent aller Angestellten weltweit. Gegenüber FACT geben betriebsinterne Quellen an, dass trotz der millionenschweren Investitionen intern schon monatelang klar gewesen sei, dass es zu Kürzungen käme. Chance the Rapper twittert (s.o.), Ljung bloggt mit derselben Schlagzeile.

Nachdem die finanziellen Probleme von SoundCloud 2016 öffentlich wurden, haben wir heimische Künstlerinnen und Künstler nach ihrer Nutzung des Portals befragt. Bereits im Februar 2016 spekulierten wir mit ihnen, was passieren würde, wenn SoundCloud pleite ginge. Lest den Beitrag hier.

Newsletter abonnieren

Abonniere unseren Newsletter und erhalte alle zwei Wochen eine Zusammenfassung der neuesten Artikel, Ankündigungen, Gewinnspiele und vieles mehr ...