„Sundered“ stolpert über seine Ambitionen

Dem neuen Spiel der „Jotun“-Macher fehlt bei aller Qualität der motivierende Kern.

Ach „Sundered“, wir hätten uns so mögen können. Ein bockschweres, mit Hingabe und Hand gezeichnetes Metroidvania wie du und ein alternder Gaming-Hipster wie ich. Du hast doch extra aus allem etwas zusammengeklaut, was Typen wie mir den Speichel über den Gaumen jagt: ein bisschen Rogue-like, ein Hauch „Souls“-like, ein Anflug von Retro. Und Indie versteht sich von selbst. Aber wer mit allen Strömen schwimmen will, kommt ganz einfach nirgends an.

Sundered © https://thunderlotusgames.com

Ja, prozedural generierte Level-Abschnitte bringen Abwechslung ins gelegentlich ermüdende Vor-und-Zurück klassischer Metroidvanias. Aber im Vorbeirennen fällt das doch gar nicht auf. Und natürlich bin ich dauernd am Rennen, wenn jeder Tod mich wieder in die Mitte der Spielwelt zurückwirft und ich von dort aus ein weiteres Mal in die entlegenen Winkel aufbreche. Herausgefordert werde ich doch ohnehin nur von den Gegnermassen. Und die wirfst du mir bei jedem Run mit wachsender Überschwänglichkeit entgegen, bis der ganze Bildschirm kreischt und flattert.

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Ich weiß schon, „sundered“ hat was mit gebrochen zu tun. Dass du mich brechen willst, habe ich schon dem PR-Orchester entnommen. Und wenn’s schon nicht neu ist, dann ist es doch immer wieder interessant, mich zum Wohle des Guten in der Welt gegen mächtigere Fähigkeiten entscheiden zu können. Aber motivierende Herausforderungen entstehen doch nicht in einem schlichten Noch-Mehr an Gegnern. Ich verliere mich in dem Gewühl ohnehin schon immer wieder selbst aus den Augen.

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Vielleicht ist das auch gar nicht so gewollt und deine Programmierung triggert versehentlich immer wieder mehrere Gegner-Wellen auf einmal. Das ist eine Unterstellung, ich weiß. Aber bei einem Programm, dass an einem Abend vier Mal abstürzt… du musst mir den Gedanken zugestehen.

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Stimmt schon, du hast mich trotzdem immer wieder motiviert. Durch neue Fähigkeiten und das Taktieren am Skill-Tree, durch deine Schönheit und weil die letzten Spiele-Jahre den verbissenen Masochisten in mir haben aufleben lassen. Aber das ist alles nicht genug. Das mit uns funktioniert nicht. Ich wünsch dir trotzdem viel Glück. Du findest sicher jemanden.

„Sundered“ ist bereits für PC erschienen.

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