Tunnel of Love, Jazz & Hutspende

Die Szene in Wien floriert. Doch neben den großen Locations wird nach wie vor in kleinen Clubs, in den Beisln und Pubs der Hauptstadt gefeiert. Doch tut sich da was? Genau hier fragen wir nach. Heute bei Roberto vom Tunnel.

Der Tunnel ist definitiv kein Club, aber trotzdem irgendwie Bestandteil der Wiener Ausgehkultur. Und außerdem gibt’s ihn ja schon seit 30 Jahren. Nach 2,5 Jahren wurde jetzt auch wieder der Jazz- und Blueskeller belebt.

Ab und an kann man auch mal rechts ranfahren und einfach genießen – Zwischen Jazz und Blues gibt’s hier auch Singer-Songwriter Geschichten, viel Charme und mittlerweile auch besseren Service. Hat uns zumindest Roberto vom Tunnel erzählt. Ob das stimmt oder nicht, muss man wohl selbst herausfinden.

Was ist der Tunnel?

Der Tunnel ist ein Lokal, dass vor über 30 Jahren eröffnet wurde. Vor allem bekannt ist er durch seinen Jazzkeller. Der Vorbesitzer ist leider vor drei Jahren gestorben und wir haben den Tunnel am 1.2.2015 neu übernommen. Dazwischen war der Musikkeller für über 2,5 Jahre geschlossen und wir haben jetzt begonnen seit 18.9. den Betrieb mit einem regelmäßigem Programm (von Montag bis Samstag) wieder aufzunehmen.

Du warst ja selbst auch früher oft als Gast hier. Was passiert heute, was damals nicht passiert ist oder umgekehrt?

Was wir vor allem forcieren wollen – wir wollen viele junge Leute und Musiker hier herbringen. Wir haben eine eigene Studentensession und auch die Blues-Session ist jünger geworden. Wir wollen hier eine ganz neue Generation, die hier ihre Erfahrungen sammelt, ansprechen. Meine Philosophie ist, dass der Tunnel eher so eine Werkstatt oder ein Labor ist, im Jazz und Blues Bereich, wo sich junge Musiker üben können.

Das heißt: Vom Programm her seid ihr recht auf Blues und Jazz fokussiert?

Wir haben auch Singer-Songwriter Sachen, Lesungen und jegliche anderen Formen von Veranstaltungen. Wir haben hier diese fixen Sitzkojen, die können und dürfen wir auch nicht abbauen und das heißt, wir haben hier einfach viel Sitzprogramm. Du kannst hier nicht wirklich eine Punkrockband spielen lassen. Also es geht schon, aber ist vielleicht das falsche Ambiente. Insofern bieten sich eben Jazz, Blues und Singer-Songwriter Sachen eher an. Wir verschließen uns jetzt vor gar nichts eigentlich. Das Einzige, was ich gar nicht will sind reine Coverbands. Bei Blues und Jazz gibt es natürlich auch die ganzen Standards, wo man von Covers reden kann, aber ich brauche keine Christina Aguilera Coverband zum Beispiel.

Wenn ihr die Kojen nicht hättet, wie würde dann euer Programm aussehen?

Dann wäre es sicher viel rockiger. Es ist jetzt nicht so, dass es so ruhig bei uns zugeht. Die Blues Sessions sind momentan auch sehr rockig. Aber ohne Kojen wären es sicher mehr Rock und mehr DJ-Abende.

Ich kenne den Tunnel eher als Café, Studentenbeisl – vor allem wegen seinem Frühstück. Wie kann man sich jetzt den Abendbetrieb vorstellen? Geht es bei euch auch mal so richtig zu?

So richtig wild zu geht es hier nicht so oft. Wir haben auch ab und zu Privatparties, da geht es vielleicht ein bisschen wilder zu, aber im Grunde hängt es davon ab, welche Künstler an dem Abend spielen. Wenn jetzt eine ältere Blues-Formation spielt, geht es natürlich nicht so arg zu und wir verkaufen auch nicht so viel Jägermeister. Wir haben hier meistens freien Eintritt. Einfach daher, weil wir die Musik jedem zugänglich machen wollen und Leuten auch die Chance geben wollen, dass sie vielleicht neue Musik kennen lernen und sie live zu hören.

Momentan dreht sich im Wiener Nachtleben ja viel um elektronische Musik. Findet ihr, dass sich junge Leute vielleicht dadurch ein wenig von alltäglicher Livemusik entfernt?

Der große Unterschied ist – und ich denke, das hat schon ein Kollege vom Shelter gesagt –, dass die jungen Leute für Livemusik, außer es ist ein Festival oder so, kaum bereit sind Geld zu zahlen. Wobei es für sie kein Problem darstellt im Volksgarten zum Beispiel 15 Euro Eintritt zu zahlen, bei Konzerten mit freier Spende aber nur 20 Cent in den Hut werfen.

Ich glaube aber auch, dass beide Welten – die elektronische und Livemusik – nebeneinander existieren können und sich auch fördern. In der elektronischen Musik ist es ja momentan auch so, dass es viele Live-Formationen gibt oder welche, die mit Jazzmusiker kooperieren und ich glaube, das hat dann auch wieder den Weg geöffnet für Leute, die mit Jazz nicht so viel zu tun haben.

Aber zurück zum Thema: Mir kommt es so vor, als würde man beim Party machen nicht aufs Geld schauen, aber dass vor allem bei kleinen Clubs, oder Live-Venues fünf Euro schon zu viel Eintritt sind.

Und wie setzt sich eure Programm zusammen? Bucht ihr alles selbst?

Wir hatten im Juni mal eine Testphase, aber es ist ja alles noch sehr roh. Wir sind natürlich noch nicht ganz dort, wo wir hin wollen. Montag bis Mittwoch haben wir immer die fixen Sessions (Blues, Jazz und Singer-Songwriter bzw. World Music) und da schreibe ich schon immer wieder Leute an, ob sie nicht Lust hätten mitzumachen. Aber wir haben von Anfang an eigentlich sehr viele Anfragen von Musikern gehabt. Wir mussten nicht viel herumlaufen oder herum telefonieren.

Findest du, dass es in Wien für junge Bands (jung im Sinne von neu) viele, einfache Möglichkeiten gibt, um Live zu spielen?

Nein, das glaube ich nicht. Es ist aber sicher tendenziell besser geworden. Damals, als der Tunnel vor 30 Jahren geöffnet hat, war er einer der ersten Lokale. Natürlich das Chelsea und dann die Gürtelbögen. Da sind immer mehr dazu gekommen, auch wieder welche verlorengegangen. Es ist vor allem für junge Bands oft schwierig wo reinzukommen. Die Betreiber wollen ja auch, dass Leute da sind und dass ein Umsatz gemacht wird. Du musst das alles ja auch irgendwie bezahlen. Die Lage in manchen anderen Ländern ist sicherlich nicht besser, aber ideal ist es hier auch nicht.

Musik ist Kunst und Kunst hat ihren Preis. Zahlt ihr den auch?

So gut wie möglich. Wir haben wie gesagt an vielen Tagen freie Spende, wobei wir den Künstlern eine Garantie geben (wenn nicht mindestens so und so viel in den Hut kommt, legen wir die Differenz selbst drauf). Oder wir haben einen Door-Deal (prozentuale Aufteilung des Eintritts unter Veranstalter und Musikern) oder die Bands übernehmen selbst den Eintritt und zahlen uns dann einfach nur den Tontechniker. Ich glaube aber, dass die Gastronomie in den letzten Jahren auch nicht einfacher geworden ist. Musiker und Gastronomen sollten besser zusammenarbeiten. Man muss verstehen, dass der Musiker auch davon leben will/muss, aber auf der anderen Seite ich kein Millionär bin, nur weil ich heute zehn Bier verkauft habe.

Nächste Seite: Rauchverbot, Was hat sich verändert, Bobos und Ökos, Türpolitik.

Bild(er) © Mariano Margarit
Newsletter abonnieren

Abonniere unseren Newsletter und erhalte alle zwei Wochen eine Zusammenfassung der neuesten Artikel, Ankündigungen, Gewinnspiele und vieles mehr ...