Lass uns doch ne Bar aufmachen

Die Szene in Wien floriert. Doch neben den großen Locations wird nach wie vor in kleinen Clubs, in den Beisln und Pubs der Hauptstadt gefeiert. Doch tut sich da irgendwas? Genau hier fragen wir nach. Heute bei Patrick und Sherwin vom Mon Ami.

Im sechsten Bezirk sprießen die Lokale aus dem Boden wie das Gemüse im Marchfeld. So auch vor cirka zwei Jahren das Mon Ami in der Theobaldgasse. Aber das Mon Ami ist irgendwie anders. Wenn es mal nicht wie letztens wegen Umbau geschlossen ist, wird man hier nett bedient, bekommt feine Beats auf den Plattentellern serviert und eine Wohnzimmeratmosphäre, in der sich sogar deine Oma wohlfühlen würde. Wenn man dann mal doch zu viel getanzt und getrunken hat, kann man sich in die gemütlichen Couches fallen lassen oder im Zweifelsfall in die neu renovierten, nach Apfel-Minze riechenden Toiletten verschwinden.

Ähnlich wie bei It’s Always Sunny In Philadelphia oder anderen "Lass uns doch eine Bar betreiben"-Serien, stecken hinter dem Mon Ami vier Freunde. David, Lukas, Patrick und Sherwin betreiben das Lokal interdisziplinär. Natürlich mit weniger Chaos, Drama und dafür mehr echtem Applaus und Liebe. Aber Näheres dazu haben uns Patrick und Sherwin, zwei der Mon Amigos, erzählt.

Seit wann gibt es euch denn eigentlich?

S: Das Lokal gibt es schon seit cirka acht Jahren, aber uns gibt es erst seit zwei. Mit mehreren Umbauphasen. Wir haben die letzten Jahre immer im Sommer zugesperrt.

P: Netto gibt es uns so cirka 1,5 Jahre. Nach zwei Monaten war unser Dach einsturzgefährdet, da haben wir gleich für fünf Monate zugesperrt. Also unsere Zeit ist kurz und intensiv. Und wir hatten viel zu. Bis jetzt. Wir haben viel umgebaut. Alles selbst. Da dauert das auch schon eine Zeit.

Wie kann man sich das leisten, dauernd geschlossen zu haben? Oder geht ihr alle nebenbei arbeiten?

S: Wir kommen eigentlich aus dem Veranstaltungsbereich. Davor hatten wir eine Veranstaltungsagentur. Wir haben das Geld von allen Seiten zusammengekratzt, um das Projekt so zu realisieren.

P: Wir sind halt zu viert. Wir zahlen uns selber kein Gehalt und jeder arbeitet selbst noch nebenbei. Darum haben wir uns im ersten Jahr irgendwie die Ablöse für diese Hütte leisten können. Es sind halt ein paar dürftige Jahre, aber irgendwann werden wir im Geld schwimmen.

Wir schweifen zwar etwas aus, aber wie kann man denn im Veranstaltungsbereich in Wien überleben?

S: Es ist mittlerweile schwer geworden. Man wird auch älter. Man muss sich ehrlich zugestehen, dass mittlerweile jeder Veranstaltungen machen kann, für eine gewisse Zeit zumindest. Wir wollten auch nicht 20 Jahre Clubveranstaltungen machen. Da war das Mon Ami unsere Weiterentwicklung. Die Erfahrungen der ganzen Jahre bringen wir in die Bar rein.

P: Von den guten alten Zeiten zu reden, ist jetzt natürlich Blödsinn. Aber als es vor 5-6 Jahren so richtig losgegangen ist, da war das fast schon wie eine Maschinerie. Da hast du jede Woche eine Veranstaltung gemacht und wenn du Flyeranten losgeschickt hast, war das natürlich auch billiger, wenn die gleich für fünf oder sechs Veranstaltungen flyern. Da war das noch nicht so easy mit Facebookwerbung. Also wenn man davon leben will, braucht man auf jeden Fall auch eine gewisse Quantität.

Jetzt habt ihr eine eigene Bar, einen Club … wie auch immer. Wie habt ihr euch denn musikalisch weiterentwickelt?

S: Es ist ein guter Mix. Von Hip-Hop, Funk, Soul bis hin zu diversen elektronischen Musikrichtungen. Uns ist es wichtig, dass die Leute, die hier auflegen, motiviert sind und auch bereit sind, selbst die Veranstaltung zu bewerben. So bewirbt jeder seinen Gig selbst und wir sind das Backup, das noch zusätzlich Werbung macht.

P: Es hat auch einen gewissen Ruf, die Leute machen das gern. Hier gibt es keinen Eintritt, es ist alles ungezwungen und wenn man woanders hinwill, geht man dann halt wieder. Aber zwischen hier und der Clubsache liegen Welten dazwischen. Wenn du zehn Jahre jedes Wochenende in einem Club auflegst und dann warten die Partyleute auf den Drop, hast du irgendwie immer einen Funktionalitätsfokus. Dein Blick wird immer enger und du spielst nur ausgewählte Sachen. Die Nummer ist zu langsam, der Drop ist zu hart, die Nummer ist zu Proll… hier spielen wir auch nicht einfach irgendwas, aber wenn ich mal Bock habe etwas Langsames zu spielen – dann spiel ich das auch.

Als Veranstalter hat man auch immer eine ganz besondere Aufgabe. Die Gestaltung der Gästeliste. Die wird nämlich immer länger. Wie sah das bei euch aus?

S: Ja das kennen wir nur zu gut. Wir waren Veranstalter mit Herz. Wir waren zu dritt und hatten auch neben dem gemeinsamen Freundeskreis, drei verschiedene Freundeskreise. Da läuft die Liste schnell mal ins Unendliche.

P: Na klar wird das auch ausgenutzt. Ich erinnere mich an einen Abend. Viel zu wenig Leute und dann kommt jemand her und beschwert sich, dass er nur auf der Halbpreisgästeliste steht. "Du bist so ein Arschloch, dass du mich nur auf die Halbpreisliste gesetzt hast. Wegen Zehn Euro? Jetzt mal ernsthaft, da muss aber zumindest ein Getränkebon rausschauen." Währenddessen machen wir aber mehrere Hundert Euro Verlust. Das sieht halt keiner.

Jetzt habt ihr keinen Eintritt, ergo braucht ihr keine Gästeliste. Aber wie bezahlt ihr dann eure Musiker?

S: Jeder bekommt eine Fixgage. Alle bekommen die gleiche Fixgage. Wir können einfach, da wir keinen Eintritt verlangen, keine Gagen bezahlen, die wir in Clubs bezahlt haben. Aber das ist jedem bewusst. Der DJ macht hier ja auch gleichzeitig Party und seine Freunde sind da. Es ist wie, wenn er Leute zu sich nach Hause einladen würde, nur dass er sich das Putzen erspart. Wir haben hier eine Wohnzimmeratmosphäre. Es gibt aber nicht nur DJ Programm, sondern auch eine Lesebühne oder einen Poetry Slam. Nächste Woche haben wir "Bock auf Kultur"-Kabarett, gemeinsam mit dem Ute Bock Verein. Wir schauen schon auch, dass es hier Sachen gibt, die in einem Club oder in einer Bar nicht so typisch sind.

Aber Livemusik gibt es gar keine?

S: Wir hatten Livemusik, aber da gibt es ein Problem mit der Genehmigung. Wir haben es jetzt mal ausgelassen, aber es mit anderen Programmpunkten kompensiert.

P: Es ist halt schade für die Musiker. Wir sind ja nicht das einzige Lokal, das diese Probleme hat.

S: Wir wollten Livemusikern eine Plattform bieten, die haben es eh schon schwer genug. Das wird jedoch von der Bürokratie blockiert. Es muss sich halt etwas ändern im Veranstaltungsgesetz oder in der Betriebsanlagengenehmigung.

P: Oder an unseren Nachbarn. Nein Spass, die sind eh super. Die sind für uns, halt nur gegen Livemusik.

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