Urbane Wohnideen für Abenteurer

Feschmarkt-Interviews, Pt.8: „Urbanauts“ – eine innovative Idee für alle, die das Reisen lieben und trotzdem angemessen wohnen wollen.

Bitte stellt Euch kurz vor: Wer seid ihr, in welchem Designbereich seid ihr tätig?

Wir sind Theresia Kohlmayr, Jonathan Lutter und Christian Knapp. Zusammen leiten wir das „Büro für systemisches Design | Kohlmayr Lutter Knapp“. Aufbauend auf poststrukturalistischen Konzepten legen wir beim architektonischen Entwurf den Fokus auf das Erschaffen von Systemen. Jeder Vorstoß in den Bereich des Urbanen, der Architektur und des Designs integriert eine Bandbreite an ästhetischen, sozialen, ökonomischen als auch ökologischen Aspekten und konzentriert sich auf intelligente, humorvolle Lösungen. Im Sommer 2011 starteten wir die Marke „Urbanauts“. Unsere Street Lofts in ehemaligen Geschäftslokalen stehen für ein neues Hotel Format, das ab sofort die Infrastruktur für Reisen jenseits populärer Touristenrouten bietet.

Quereinsteiger, Hobby oder Berufung?

Wir drei lernten uns 2008 während des gemeinsamen Architekturstudiums an der TU Wien, auf einer Exkursion durch Kolumbien, kennen. Nach einiger Zeit in einem ersten Studenten Atelier und einiger gemeinsam realisierter Projekte entschieden wir uns im Jahr 2010, ein Design- und Ingenieurbüro zu eröffnen. Gegenwärtig realisieren wir die Erweiterung und den Umbau eines Hotels im Salzburger Land, den Umbau eines denkmalgeschützten Gutshofes bei Hamburg, sowie ein Einfamilienhaus in Niederösterreich. Glücklicherweise ist unsere Berufung unser Hobby und umgekehrt.

Kunst, Design, da scheiden sich ja oft die Geister. Wie würdet Ihr das nennen, was Ihr tut?

Ehrlich gesagt fällt uns die Unterscheidung zwischen Kunst, Design und Architektur wirklich schwer. Design um der Gestaltung Willen ist ein strapaziertes Thema. Wir sehen Gestaltung sowohl kontextbezogen, emotional und v.a. auch soziologisch. Gutes Design verbindet für uns atmosphärische Orte mit authentischen, ehrlichen Erfahrungen. Da wir Produkte, also Dinge, wirklich bauen bzw. in die Realität umsetzen, fragen wir weniger nach den einzelnen Disziplinen, als nach dem erlebbaren Resultat.

Wer ist Eure Produktzielgruppe und wieso?

Bezogen auf unseren Hotelbetrieb, also „Urbanauts“, sind bei uns alle Reisenden herzlich willkommen. Wir bieten mit unseren Zimmern in Gassenlokalen, den sog. Street Lofts, eine Alternative zum klassischen Hotelbetrieb. Durch Ihre zentrale Lage und die Vernetzung mit unseren lokalen Fellows ist es uns gelungen, ein Produkt anzubieten, das abenteuerlustigen, aufgeklärten Reisenden ein besonderes, sehr individuelles Angebot bietet. Der Kreis unserer Gäste lässt sich nur schwer in Zielgruppen oder durch Sinus-Millieus beschreiben. Vielmehr zählt bei unseren Gästen der gemeinsame Wunsch nach authentischen Erfahrungen und einer glaubhaften Umgebung.

Oftmals ein Faktor beim Kauf von Designerware: In welcher Preiskategorie bewegen sich Eure Produkte?

Da wir unsere Gäste nicht als Touristen, sondern als „Bewohner auf Zeit“ betrachten, vermieten wir unsere Unterkünfte auch als „Raum auf Zeit“. Das Street Loft in der Theresianumgasse, inkl. allem, was man bei einer Reise braucht (also die gesamte Minibar, Kaffee, feine Saint Charles Pflegeprodukte, Fahrräder, Internet, etc.) sind im Preis von € 120.- pro Nacht pro Loft inkludiert.

Gibt es eine Message, einen bestimmten Gedanken hinter Eurer Arbeit?

Unser wichtigstes Ziel ist eine nachhaltige Wiederbelebung der Erdgeschosszone und die Vernetzung der verschiedenen Akteure einer Stadt untereinander. Die Dienstleistungen und Angebote die wir in unserer lokalen Umgebung finden, sind so kostbar und qualitativ hochwertig, dass wir sie nur zu gerne unseren Gästen näher bringen. Wir wünschen uns ein respektvolles, produktives Miteinander, als Bewohner einer Stadt, als Nachbarn und Partner. Hierzu erfordert es natürlich die Initiative und Hingabe aller Bewohner zu ihrem individuellen Umfeld.

Immer wieder hört man: Wien als aufstrebende Design und Modestadt, wie seht Ihr das?

Wir finden in Wien eine ziemlich spannende und bunte Szene die sich in vielen Aspekten ihren entschleunigten, genussorientierten Charakter bewahrt hat. Zudem ist die Stadt laut diversen Satistiken eine der lebenswertesten Städte der Welt. Wenn es zusätzlich gelingt, ein Bewusstsein und die Wertschätzung für das Leben in einer Stadt, ein Lebensgefühl auf der Straße, die Essenz der Stadt mit einem Gemeinschaftssinn zu fördern, wäre das für die Stadt und Ihre Bewohner ein enormer Qualitätsfaktor. Das es zudem nun in Wien ein stärkeres Bewußtsein für kreative Berufe und individuelle Produkte gibt ist eine großartige Entwicklung, die allerdings im Vergleich zu anderen Metroplen noch stark ausbaufähig ist.

Wieso Mode/Kunst/Design?

Wir sind angehende Architekten. Es ist toll Raum bauen zu dürfen.

Was sind die Schattenseiten Eurer Arbeit?

Im Moment genießen wir den Umstand, wirklich das umsetzen zu dürfen was uns drei verbindet und große Freude bereitet. Natürlich ist damit eine Menge Arbeit und Energie verbunden. Den Großteil unserer Honorare aus dem Designbüro und die meiste Freizeit haben wir in den vergangenen Jahren in „Urbanauts“ investiert. Allerdings ist die Investition in eigene Ideen und Vorstellungen eine großartige Sache.

Der schmale Grat zwischen Ideologie oder Kommerz: Wo ist bei Euch Schluss?

“Urbanauts“ wurde als Teil unserer Arbeit aus sehr idealistischen und aufrichtigen Beweggründen entwickelt. Als Lösungsvorschlag für integrative Stadtentwicklung und Urbanisierung im Allgemeinen. Um unseren Zielen und Visionen nachgehen zu können, konnten wir zudem jegliche Einflussnahme von außen verhindern. Natürlich sind wir auch Unternehmer die jeden Schritt sorgfältig planen und abwägen, das sollte aber ohnehin als selbstverständlich betrachtet werden. Unsere Handlungsbasis als Designer und Individuen beruht in erster Linie auf Integrität und Authentizität.

Was sind Eure Träume, Wünsche, Ziele? Könnt Ihr momentan von Eurer Arbeit Leben oder finanziert Ihr Euch über einen Zweitjob?

Mit „Urbanauts“ engagieren wir uns für eine neue Art des Reisens, der Bewegung, für die Möglichkeit, Orte unmittelbar und authentisch zu erleben. Allgemein sehnen wir uns nach Klarheit und Einfachheit in Infomationen und Produkten, die nicht durch billige Reduktion sondern durch intellektuelle Reflektion geprägt sind. Wir haben uns dazu entschieden, noch eine Zeit lang als Studenten weiter zu leben, um möglichst unabhängig diese Visionen und Ziele umsetzen zu können.

Fesch’markt

26.11.2011 – 10:00 bis 16:00

27.11.2011 – 11:00 bis 20:00

Wien, Ottakringer Brauerei

Zum Feschmarkt Facebook-Event geht es hier.

Mehr zu Design und Mode gibts hier.

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