Vom Stimulus zum Objekt

In ihrer Ausstellung "Stimuli" gewährt Patrycja Domanska den Besuchern einen Einblick in ihr kreatives Schaffen. Die Objekte werden aus ihrem Entstehungsprozess heraus analysiert und die dahinterstehenden Anregungen, die "Stimuli", nehmen neben den Werken einen Platz im Vordergrund ein.

Patrycja Domanska macht in ihrer neuen Austellung etwas Ungewöhnliches: Sie zeigt, wie und wodruch ihr die Ideen für ihre Designs kommen und räumt diesen "Stimuli" – so der Titel der Austellung – einen gleichwertigen Platz neben den fertigen Produkten ein. So entnimmt Domanska die Anregungen zu ihren Projekten oft dem Alltag, der Natur aber auch dem Internet. Wir sprachen mit der jungen Designerin, die bei Paolo Piva auf der Universität für Angewandte Kunst studierte, über das Offenlegen des Prozesses, Wien als Designstadt und provokantes Design.

Indem du Produkte deiner Inspiration für ebendiese gegenüberstellst, ermöglichst du BetrachterInnen etwas, was viele andere eher zu verbergen versuchen, nämlich einen Einblick in den Schaffensprozess und – kitschiger gesprochen – auch ein bisschen in deine Seele. Was reizt dich daran, den Weg zum Ziel so offenzulegen und wunderst du dich manchmal selbst, wie aus den Stimuli deine fertigen Arbeiten werden?

Als ich von Kuratorin Marlies Wirth eingeladen wurde, im MAK eine Ausstellung mit meiner Arbeit zu gestalten, fragte ich mich, was die Produkte, die ich entwerfe, gemein haben. Und es fällt mir auf jeden Fall einfacher, mich mit einem Produkt auseinandersetzen, als mit meiner Arbeit im Allgemeinen. Beim Entwurfsprozess frage ich mich nicht, ob das, was ich da gerade gestalte, zu mir und zum Rest meiner Arbeit passt. Das ist Intuition und Feingefühl. Natürlich blicke ich auch kritisch auf das Endergebnis und wäge ab, wie weit ich gehen kann, damit auch der Kunde/Auftraggeber zufrieden ist und bekommt, was er erwartet.

Somit lag es ab einem gewissen Zeitpunkt für mich nahe, ein Ausstellungsthema zu finden, das alle Produkte, die ich zeigen will, vereint: Stimuli. Stimuli ist meine Arbeitsweise. Mit dem Einblick in den Schaffensprozess lasse ich den Besucher nahe an mich heran und mache mich vielleicht auch etwas verwundbar. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass es für Besucher bereichernd ist, zu sehen, woher eine Fliese oder ein Sofa formal abgeleitet sein können. Die einen werden sich vielleicht denken "ah interessant", die anderen "des kann i a".

Die Stimuli, die ich in der Ausstellung den Produktfotos gegenüberstelle, sind bewusst und passend gewählt. Am Anfang eines jeden Projektes existieren eine Idee, ein leeres Blatt Papier und eine Unmenge von Stimuli, die es mit jedem Arbeitsschritt zu filtern gilt; zeitgleich mit einem immer klareren Blick für das Endergebnis. Vieles passiert unterbewusst. Ich taste mich so heran.

Dass Industrial Design durchaus provozieren kann – daran denkt man als Laie eher selten. Dir ist vor ein paar Jahren – wahrscheinlich sogar unabsichtlich – eine solche Provokation mit deinem "Sono Love"-Vibrator gelungen. So unnachvollziehbar das 2016 auch ist; kannst du dich denn an einen Moment erinnern, wo dich ein Produkt so richtig provoziert hat? Und warum?

Das ist leider auch 2016 nicht so unnachvollziehbar, wie man glaubt. Sexualität ist heutzutage noch immer eine sehr persönlich Angelegenheit, über die die meisten Menschen nicht gerne sprechen. Das Thema kann zwar nicht über Medienpräsenz klagen, aber trotzdem möchte es jeder für sich alleine beantworten.

Ich erinnere mich da an mehrere Momente, in denen ich schlecht hergestellte Produkte sehe. Zu wissen, dass diese eine so hohe Kaufkraft erreichen das provoziert mich. Deren Halbwertszeit entspricht damit ungefähr der Zufriedenheitsspanne von deren Besitzern. Im Optimalfall. Ich bin ja mehr für selektives und bewusstes Einkaufen.

Du hast mit deinem eigenen Studio den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Wie läuft es und würdest du Wien als guten Standort für Industrial Design einschätzen?

Ich schätze Wien als Stadt sehr. Sie ist nicht dem üblichen Stress von Metropolen ausgesetzt. Alles braucht ein bisschen länger und wird anfangs immer kritisch betrachtet. Erst wenn es sich im Ausland bewährt hat, zieht Wien nach. Einerseits bringt das mehr Ruhe in die Arbeit, andererseits erschwert es innovative Projekte. Grundsätzlich hat Wien (Österreich) eine super Lebensqualität, ist aber noch nicht soweit, Produktdesigner als etwas Selbstverständliches und für Firmen grundsätzlich Notwendiges anzusehen, wie das in den skandinavischen Ländern oder in Italien der Fall ist. Da leistet die Vienna Design Week seit 10 Jahren Pionierarbeit. Ich könnte mir nicht vorstellen, in einer anderen Stadt zu leben, arbeiten kann man heutzutage zum Glück von überall.

Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften von Design Objekten, und wie glaubst du unterscheiden sich diese von den Vorstellungen der Durchschnittsbürger bzw. Wirtschaft?

Form und Funktion müssen sich die Waage halten: Die eine Eigenschaft kann aus der anderen resultieren, sollte sich aber nicht unterordnen müssen. Design-Objekte sollten einen eigenständigen Charakter haben, am Puls der Zeit sein und gute Qualität aufweisen.

Das klingt jetzt nach dem allgemeinen Streben des Durchschnittsbürgers, mit dem Unterschied, dass dieser sich mit dem Thema nicht so intensiv auseinandersetzt, weil er ein anderes Bewusstsein hat bzw. seine Zeit begrenzt ist. Ich glaube, dass das Angebot die Nachfrage bestimmt. Große Einkaufshäuser mit Massenware sind in dieser Hinsicht für viele leichter greifbar als Shops mit selektierter Auswahl. Dabei vergessen viele, dass Design-Objekte bzw. Design-Möbel nicht so viel teurer sind und über die Jahre ihren Wert halten – sie sind eine Investition.

Die Ausstellung Patrycja Domanska – Stimuli. findet im Rahmen der Ausstellungsserie ANGEWANDTEKUNST.HEUTE im MAK statt, wird am Dienstag, den 18.10 eröffnet und ist bis 19.02.17 zu sehen.

Bild(er) © Paris Tsitsos, Lukas Spitaler , Interio 
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