We Found Love In A Hopeless Place

Online "nur zum Schauen", für einen One-Night-Stand oder die große Liebe. Internet-Dating ist so vielschichtig wie seine Nutzer. Von Selbsterkenntnis und -inszenierung über Algorithmen bis zu Romantik.

Die Kontaktanzeigen der digitalen Welt

All diese Services sind nichts grundsätzlich Neues. Sie sind die Kontaktanzeigen der digitalen Welt: nun eben viel schneller, unkomplizierter und – besonders wichtig – mobil. Das Prinzip des Date-Roulettes oder auch "Hot or Not" wurde für Smartphones zwar nicht neu erfunden, erreicht darin aber einen neuen Höhepunkt. Kaum ein Sektor boomt derzeit so und erfreut sich rasant steigender Userzahlen. Dass Online-Dating längst kein peinliches Nischenphänomen mehr ist, zeigen zahlreiche TV-Werbungen für die verschiedenen Kuppler. Die teuren Fernseheinschaltungen können sie sich nicht zuletzt leisten, weil sie dank bezahlter Zusatzfunktionen, die die Services erst richtig attraktiv und zielsicher machen, gutes Geld verdienen. Tinder ist insofern eine Ausnahme, als es dort im Unterschied zu anderen Plattformen weder Werbung noch bezahlbare Zusatzfunktionen gibt. Es gehört so wie OkCupid, Match.com, Meetic, Vimeo oder About.com zum Internetriesen IAC und muss offenbar erst einmal kein Geld verdienen. Userbindung wird sich auch auszahlen.

Algorithmen und andere Späße

Womit schon andere Services gefallen wären, die wie Parship oder OkCupid mehr in die Tiefe führen. Via Persönlichkeitstest im einen, usergenerierten Fragen im anderen Fall, sucht das System nach passenden Partnern. Studien zeigen mittlerweile, dass die mathematischen Matching-Algorithmen von Dating-Sites nicht gerade wissenschaftlichen Maßstäben entsprechen. Das macht aber insofern nichts, als das eigentliche Vergnügen solcher Seiten im Beantworten der Fragen liegt. Von "Mag ich lieber Hunde oder Katzen?" bis zu "Werde ich beim Sex gern gefesselt?", deckt das Fragenregister alles ab. Im Vergleich zu Tinder wirken die Services trotz mobiler Versionen wie Kuppler aus der Zeit der Laptop-Generation.

Unerwartete Fundgruben und Zweckentfremdung

Bevor diese neue Zeit heranbrach, in der sich nun das Vibrieren des Smartphones für manche Powerdater wie Hochzeitsglocken anhört, da funktionierte auch noch MySpace. Und zwar nicht nur zum Entdecken von Musik, sondern auch von potenziellen Partnern: From MySpace To My Place. Die Dating-Site unter den Nicht-Dating-Seiten inspirierte wohl auch die Macher von Tastebuds.fm, eine Page zu schaffen, die einen ähnlichen Musikgeschmack zum Dreh- und Angelpunkt ihres Matchings machte.

Dass Facebook ohnehin für alles genutzt wird, also auch Flirts, ist nichts Neues und wie es scheint, kann auch ein Retweet das Herz höher schlagen lassen. So berichtet eine passionierte Twitter-Userin, die ihren Freund via Twitter kennengelernt hat, über die gerade in Österreich gern von Intellektuellen und Journalisten genutzte Plattform:

"Viele missverstehen, dass man einen Tweet und nicht eine Person favorisieren sollte. Der Mensch ist aber ein narzisstisches Trumm und fällt auf diesen ganzen #ff-Kram rein."

Dass Beziehungen, die innerhalb dieser sozialer Netzwerke entstehen eher Ausnahmen darstellen, muss nicht extra erwähnt werden. Dennoch zeigen solche Fälle, dass die digitale Generation flexibel zweckentfremdet und multitaskend die Vorteile und Möglichkeiten des Internets, auch die Liebe betreffend, voll ausschöpft.

Bild(er) © Thomas Wieflingseder, Sophie Gogl
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