»Mach doch, was du willst!« – Wien Modern Vorschau & Highlights

Im November bringt das Festival in alter Tradition wieder all das in die Hauptstadt, was sich schwer bis nicht kategorisieren lässt. Ein Programmausblick.

© Arotin & Serghei

»Alle sagen dauernd: tue dies und lasse das. Die Kunst sagt – nichts, monatelang. Aber was sagt sie, wenn sie plötzlich wieder etwas sagt? Sie sagt vielleicht nur: Mach doch einfach was du willst.« Klingt komisch – ist es auch, irgendwie. Dort, wo die üblichen Zahnräder der Schubladisierung ins Leere mahlen, fühlt sich das Wien Modern – Festival für Neue Musik und sonstig Kuriosem – wohl. 

Vom 30. Oktober bis 30. November 2021 eröffnet das Festival Wien Modern wieder seine Plattform zur inspirierenden Begegnung von Künstler*innen und Hörer*innen neuer Musik in den vielseitigsten Varianten. Wir stellen vorab ein paar der Highlights quer durch die breit gestreuten Festival-Locations vor, bei denen sich bereits die aneinandergereihten Projekttitel wie reinste zeitgenössische Poesie lesen.

Adam Pultz-Melbye (Feedback-Actuated Augmented Bass) – © Cristina Marx Photomusix

Towering Silence

1. November – Konzert (Kasematten des Palais Coburg, Innere Stadt)

Von außen schaut der Palais Coburg ziemlich posh und vielleicht sogar ein wenig ungemütlich aus. Unten in den Kasematten, Teil der Stadtbefestigungsanlagen aus dem 16. Jahrhundert und ehemaliges Munitionslager, schaut das bei Towering Silence anders aus. Die Zeiten, in denen man sich gerade bei zeitgenössischer Musik mit möglichst geradem Rücken sitzend ein murmelndes »Interessant!« in den Schal presst, sind nämlich glücklicherweise vorbei. Auf Futons lässt es sich während der beiden Konzerte mit selbst-resonierendem Tüftler-Bass und Ingrid Schmolingers Stimme sogar liegen. Damit kann man optimal immersiv in die Klang- und Installationswelten eintauchen. Einzuschlafen ist nicht empfohlen, aber erlaubt! 

Fugen (Frontend) – © Nora Bischof

Fugen

6. November – Musiktheater / Oper (SOHO Studios, Ottakring)

Diese Premiere trägt nicht nur eine reine Name-Dropping Liste an Größen der zeitgenössischen Experimentalmusik, sondern kann darüber hinaus auch noch über das Wiener Akusmonium von Thomas Gorbach wahrgenommen werden. Dabei stehen im Raum verteilt mehrere unterschiedliche Boxen, die vom Herzstück-Mischpult einzeln angespielt werden und so in einer Performance theoretisch unendlich viele minimal unterschiedliche Stücke entstehen – je nachdem, wo man sich im Raum befindet. Ideale Voraussetzungen für ausgiebige Interpretationsgespräche beim anschließenden Schlendern durch den Sandleitenhof. 

Growing Sideways – © David Panzl

Growing Sideways

13. November – Performance (Studio Molière, Alsergrund)

»Der programmatische Titel lädt ein, dem westlichen Fortschrittsparadigma neue Richtungen des Wachstums hinzuzufügen: rückwärts zu wachsen und sich vorwärts zu fühlen, vorausschauend rückzublicken auf einen quer-wuchernden Vorschritt. Plötzlich haben wir die Zukunft im Nacken. Wie viele Schritte können wir zurücktreten? Werden wir mit einer Umarmung aufgefangen oder fallen wir in den Abgrund?« In der dritten Wien Modern Performance von Brigitte Wilfing, Jorge Sánchez-Chiong & Team werden offenbar nicht nur Fragen gestellt, sondern auch verdrehte Antworten gegeben, Dinge auf den Kopf gestellt und Finger in die Wunden gebohrt. All things twisted, nice!

Polski Punk – © Anna Dabrowska-Lyons

Polski Punk

25. November – Podiumsdiskussion und Ausstellung (Polnisches Institut, Innere Stadt)

War früher wirklich alles besser? Und wer sind eigentlich die Leute, die das wirklich glauben? Und vor allem: Wo sind die heute?! Im Rahmen einer Podiumsdiskussion zur Eröffnung der Fotoausstellung im Polnischen Institut Wien sprechen die bildende Künstlerin Anna Dąbrowska-Lyons, die Komponistin Aleksandra Gryka und der Musiksoziologe Michał Libera über die Bedeutung anarchistischer Kunstbewegungen, begleitet von einer Ausstellung zum Höhepunkt des Punkrocks in Polen: den 70er- und 80er-Jahren. 

Und alles, was hiermit noch nicht gesagt ist, erklärt der diesjährige Festivaltrailer:  

Alle weiteren Infos zu Wien Modern gibt es unter wienmodern.at – Tickets zu allen Veranstaltungen finden sich unter diesem Link

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