Wiener Clubs im Interview: Morisson

Die Wiener Clublandschaft floriert. Wiener Clubs genießen mittlerweile einen guten internationalen Ruf bei Acts, Bookern und – vor allem – dem Publikum. The Gap sieht genauer hin und trifft einige Clubmacher zum Interview. Heute: Die Betreiber von Morisson Club & Bar.

Morisson Club & Bar ist einer der erfreulichsten Neuzugänge in der Riege erfolgreicher und relevanter Wiener Locations. Ein ehemaliges Bordell unweit der Falco-Stiege am Naschmarkt im fünften Wiener Gemeindebezirk wurde zu einem Club samt Bar-Raum umfunktioniert und ist für unzählige Veranstalter, wie auch Clubbesucher zu einer echten Alternative zu den großen Locations wie Flex, Fluc und Pratersauna avanciert. Von Techno über HipHop bis hin zu frickeliger Electronik und Performances ist alles erlaubt was den Betreibern und Veranstaltern Spass macht. Unlängst mussten die Betreiber vorübergehend wegen Umbauarbeiten schließen – Ende Mai öffnet der beliebte Club wieder seine Pforten und bekommt sogar einen Gastgarten und ein neues Lüftungsystem dazu.

Anlässlich der Wiederöffnung hat The Gap Javier Mancilla (Foto), den Kopf von Morisson Club & Bar, zum Interview gebeten.

War die grundlegende Idee aus einem Rotlicht- Etablissement einen Club zu machen oder ergab sich das mit der verfügbaren Location?

„Am Anfang stand die Party“ war grundlegend die Muse für uns aus dem Ex-Bordello den Morisson Club zu machen. Zu tun gab es vorerst viel, aber auf den Charme den die Räumlichkeiten ausstrahlen wollten wir jedoch nicht verzichten. Fenster auf, Bett neu bepolstert und durchgefegt könnte man sagen. (lacht)

Dass ein Puff sehr verwinkelt ist, steht im Sinn der Sache – bei einem Club ist das aber eher nicht von Vorteil. Was musstet ihr alles ändern bzw. adaptieren damit der Club für eure Zwecke funktionierte?

Der Morisson Club besticht für uns gerade eben durch seine puristische Kulisse, die sich von Party zu Party irgendwie selbst neu zu erfinden scheint. Wir sehen uns nicht als Club im herkömmlichen Sinn sondern mehr als Mikrokosmos der frei von Genre und mit viel Liebe zum Detail künstlerischem Ausdruck eine Plattform bietet. Sei das Musik, bildende Kunst oder Performance. Wir sehen die verwinkelten Räumlichkeiten eher als Vorteil weil sich der Club für jeden Besucher etwas anders präsentiert – je nach dem wo man sich die Nacht über aufhält. Uns als Clubbetreiber gibt es viel Spielfläche was die Raumgestaltung betrifft.

Wird an der Gogo-Stange auf der Bühne eigentlich noch gestrippt? Seid ehrlich.

Gegenfrage: Warum ziehen sich eigentlich immer die Männer als erstes aus? (lacht)

Ihr musstet vor kurzem aus behördlichen Gründen schließen und habt vorübergehend im Exil Volksgarten-Pavillon veranstalten. Schön und gut, aber wann wird der Morisson Club wieder aufgesperrt und was wird dann umgebaut, neu und besser sein?

In der Zwischenzeit haben wir neben dem Volksgarten-Pavillon auch im Xpedit und im EGA veranstaltet. Der Besucher des neuen Morisson Clubs bekommt von uns zur Wiedereröffnung frische Luft en masse! Außerdem öffnen wir, für all diejenigen die am Wochenende noch nicht genug bekommen haben, täglich von 18:00-2:00 Uhr die Tore der Morisson Bar. Am 27. Mai gibt es mit euch das Preopening. Danach werden wir Schritt für Schritt alles weitere fertig stellen und den normalen Betrieb wieder aufnehmen.

Man munkelt ihr werdet ab Sommer einen Gastgarten haben. Was ist an dem Gerücht dran und wo und wie groß wird der sein? Wird es Lärmprobleme geben und kann man dann auch im Sommer zu euch?

Der Garten hat seinen Zugang über die Morisson Bar und wird in Zukunft täglich geöffnet sein. Er ist ca. 50 qm groß zwischen Bar und U-Bahn gelegen und ist eine echte urbane Schönheit. Ein Programm dafür erarbeiten wir gerade noch.

Hilft der prominente Standort in Naschmarkt-Nähe was die Besucherzahlen betrifft?

Wir glauben das der Standort beidseitig zu Synerigieeffekten und einen Imagegewinn gesorgt hat. Selbstverständlich haben davon sehr profitiert.

Wie groß ist euer Team eigentlich?

Unser Kernteam besteht aus 6 Personen – Javier, Bernhard, Dominik, Christiane, Daniela und Andi R.

Wo seht ihr die Stärke und Schwächen des Morisson Club – was wollt ihr in den nächsten Jahren weiterverfolgen bzw. was noch ändern?

Wir sehen uns als Brutstätte, Sprungbrett und Förderer von Newcomer Artists in sämtlichen medialen Bereichen – von VJs und DJs über Promoter bis hin zu Künstlern, Grafikern, Architekten, Street-Art-Künstlern und natürlich Musikern.

Es gibt wenige Bereiche, die wir nicht unterstützen. Wie schon gesagt, wie wollen eine Plattform sein auf der sie sich junge Kreative künstlerisch entwickeln und ihr Können professionalisieren können.

Ich sehe unsere größte Stärke darin, dass wir uns nicht gezwungen sehen irgendwelche Abstriche machen zu müssen was die Programmgestaltung oder die Gestaltung des Clubs betrifft.

Unsere größte Schwäche hingegen ist, dass es mit der Zeit Veranstalter gibt, die über unser Fassungsvermögen hinaus wachsen. Wir werden ab diesem Jahr auch wieder verstärkt selbst Veranstaltungen machen.

In regelmäßigen Abständen werden die Wände des Barbereichs und die Auslage des Clubs von Künstlern, Grafikern und Grafitti-Künstlern wieder neugestaltet.

Wo ist der Morisson musikmäßig daheim und welche Club-Philosophie verfolgt ihr?

So unterschiedlich unser musikalischer Background ist, so unterschiedlich ist auch das Musikprogramm. Jeder und jede trägt zur Weiterentwicklung dieses Projekts bei und gewährt dem Club dadurch seine Einzigartigkeit und unglaubliche Eigendynamik.

Uns war es immer wichtig im Hintergrund die Fäden zu ziehen, um die Veranstalter möglichst frei wirken zu lassen, verschiedenste Zielgruppen anzusprechen und dafür zu sorgen, dass unser Name in aller Munde ist.

In der Morisson Bar hat man die Möglichkeit sich in gemütlicher Atmosphäre und durch die Nacht zu plaudern, wenige Schritte und eine Tür weiter im Morisson Club kann jedoch bei klassischem Clubbetrieb bis in die frühen Morgenstunden gefeiert werden. Von Techno bis zur szenischen Lesung sind keine Grenzen gesetzt – das ist uns wichtig.

Wer veranstaltet bei euch und warum? Macht ihr eigentlich auch selbst Clubs in eurer Venue?

Als uns am Anfang noch niemand kannte, haben wir alles selber gemacht. Unseren Ruf mussten wir uns hart erarbeiten. Als der Zuspruch größer wurde, haben wir nach und nach einzelne Tage auch an befreundete Fremdveranstalter abgegeben. Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir, glaube ich, eine schöne Mischung gefunden.

An dieser Stelle will ich mich auch gleich mal bei all unseren Veranstaltern bedanken. Danke Zirkus Maximus, Beat Bär, Did you know?, Mash Mash, Puff Zack, Meltin Pot, Vienna Wasted Youth, Salon Kitty, der Fluxuskompensator und Susi Klub.

Zwei persönliche Highlights seit der Eröffnung?

Seit Beginn an jedes Mal ein Highlight wenn unser geschätzter Kollege Andi R. die Sperrstunde vollmundig ausruft. Wir können schon gar nicht mehr erwarten bis es wieder soweit ist! (lacht)

Und natürlich der Tag an dem unsere Morisson Bar mit den wunderbaren Graffitis und Street-Art-Bildern verziert wurde.

Morisson Club & Bar

Rechte Wienzeile 2a, 1050 Wien

Mail – info@morissonclub.at

Weitere Information unter www.morissonclub.at

Am 27.05. findet übrigens der erste The Gap-Club namens JACK in den Räumen von von Morisson Club & Bar statt. Headliner des Abends ist der soeben von De:bug in den Himmel gelobte Berliner House-Produzent, DJ und Labelbetreiber Drei Farben House – Unterstützung kommt von Bitm4an, Moogle & Laminat.

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