Wiener Wolkenkratzer

Bis 1. März verlängert: In der Kiesler-Stiftung ist der Designer Paul T. Frankl zu entdecken, der einst für Alfred Hitchcock, Fred Astaire, Charlie Chaplin und Katherine Hepburn tätig war.

Es ist keine große Ausstellung, aber sie leistet Pionierarbeit: Denn wer kennt Paul T. Frankl schon in seiner Heimatstadt Wien? Einige seiner österreichischen Kollegen, die wie er in der Zwischenkriegszeit nach Amerika gingen, sind hierzulande bekannter: Richard Neutra etwa oder Friedrich Kiesler selbst. Dabei war Frankl zu seiner Zeit ein Star der Designszene in den USA.

Der Sohn eines Bauunternehmers studierte Architektur in Wien und Berlin, unternahm 1914 seine erste Amerika-Reise und eröffnete in New York erstmals eine Galerie. Zunächst mäßig erfolgreich, konnte er mit der Zeit einige Geschäfts- und Wohnungseinrichtungen übernehmen, nicht zuletzt gestaltete er „Salons de Beauté“ für Helena Rubinstein und Elizabeth Arden. Nach einem kurzen Zwischenspiel in Europa zu Kriegsende ließ sich Frankl 1920 abermals in New York nieder. In seiner Designgalerie unweit der Fifth Avenue verkaufte er importiertes Kunsthandwerk aus Europa, ehe er Mitte der 20er Jahre mit seinen eigenen Entwürfen Erfolg hatte. Der Zufall wollte es, dass er an einem abgestuften Regal für große Kunstbücher arbeitete, als Freunde vorbeikamen und meinten, dieses sehe einem Wolkenkratzer ähnlich. Frankl erfasste die Situation und entwarf in Folge einige Stücke, die er „Skyscraper-Furniture“ nannte: Den amerikanischen Geschmack, wie Moderne auszusehen hatte, traf er damit aufs Präziseste. Sein Geschäft wurde schnell zum Treffpunkt für die künstlerische und gesellschaftliche Elite, selbst Präsidentengattin Eleanor Roosevelt war Kundin.

In der Folge verfeinerte Frankl seine Wolkenkratzer-Entwürfe, bei weiteren Arbeiten kam ihm sein Talent zugute, die unterschiedlichsten Einflüsse scheinbar mühelos integrieren zu können. Art déco, Bauhaus, Wiener Werkstätte, asiatischer Minimalismus, Stromlinienform: Frankl war kein Dogmatiker, sondern ein Mann, der viele Stile beherrschte, doch seine eigene Note behielt und niemals auf Bequemlichkeit und Wohnlichkeit vergaß.

Neben den Skyscraper-Möbeln war es unter anderem ein „fetter“ Fauteuil, dessen abgeschrägte Form die Dynamik des amerikanischen Kapitalismus verkörperte und passenderweise „Speed Chair“ genannt wurde. Als Frankl aufgrund der Wirtschaftskrise nach Los Angeles übersiedelte, wurde er zum Hollywood-Chefeinrichter: John Huston, Walter Pidgeon, Fred Astaire – die Liste der Stars, die bei ihm Kunden waren, ist lang.

Nach dem Krieg zog er sich aus dem Verkauf zurück und arbeitete fortan für industriell produzierende Möbelfirmen, wobei er zeitlebens gerne mit neuen Materialien arbeitete, ob das nun Rattan oder Kork war. Selbst aus Propellerblättern, Ponyfell oder Jeansstoff wusste er etwas zu machen. 1958 starb Paul T. Frankl in Kalifornien. Dann geriet er in Vergessenheit und wurde erst wieder ab den 80er Jahren entdeckt.

In der amerikanischen Designgeschichte ein Fixstern, ist Frankl in seiner Heimat noch immer ein Nobody. Die kleine Ausstellung war nur ein erster, aber wichtiger Schritt. Kurator Christopher Long, der vor einigen Jahren eine grundlegende Publikation über den Gestalter vorgelegt hat, hat erst kürzlich (gemeinsam mit Aurora McClain) die Autobiografie des Wahlamerikaners herausgegeben. Ein Buch, das mehr Aufmerksamkeit verdienen würde als die fünftausendste Publikation über die Wiener Werkstätte.

Ausstellung noch bis 1. März in der Kiesler-Stiftung (www.kiesler.org)

Kurator/in: Christopher Long, Laura McGuire

Die Autobiografie von Paul T. Frankl ist bei DoppelHouse Press erschienen (www.doppelhousepress.com) und in der Kiesler-Stiftung erhältlich (Euro 25,-).

Bild(er) © Courtesy of Paulette Frankl
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