Wir brauchen noch mehr Festivals

Wien hat ein neues Festival. Der Fairlight Club ist jetzt groß und hat sich selbst Nachwuchs beschert.

Die Fairlight Boys Max und Stefan kennt man vor allem von ihren regelmäßigen Clubs im Café Leopold. Genre-technisch wollen sie sich nicht festlegen. Das merkt man an ihren vergangenen Bookings wie Seven Davis Jr., Jacques Greene oder Session Victim. Für die Leute, die Kategorien in ihrem Leben brauchen: Mit House, Disco oder Funk gibt es immer eine gemeinsame Schnittmenge.

Musikalisch bedient der Fairlight Club jedenfalls keine Hypes. Am wohlsten fühlen sie sich mit Nischen-Musikern und wechseln immer wieder vom großen Café Leopold in kleine Clubs wie das Celeste oder Aux Gazelles, um DJs wie Dabeull oder DJ Haus nach Wien zu holen.

Mit dem Fairlight Festival bauen Max und Stefan auf ihrem guten Ruf auf und schenken uns drei Tage lang große Acts wie San Proper oder aufstrebende Bands wie Powernerd. Damit es location-technisch nicht langweilig wird bespielen sie von Donnerstag bis Samstag jeweils das Heuer, das Curtain und abschließend ihre Homebase das Café Leopold. Die Fairlights haben aus diesem Anlass mit uns über Todd Terje, Lieblings-Synthesizer und Abendschulen geredet.

Welches Label würdet ihr eurem Festival geben? Disco-House Festival? Nu-Disco Festival? Electronic Festival?

Max: Mit Schubladen bzw. Labels nehmen wir es im Allgemeinen eigentlich gar nicht so genau. Anfänglich waren wir zwar ein richtiger Synth & Nu Disco Club, heute spielen wir aber hauptsächlich House und original Disco/Boogie. Außerdem sehr viel schöne 80s Musik und 70s Rock. Das Festival zeigt mit Acts von Soichi Terada über Flut bis hin zur Vihanna Crew recht gut die Bandbreite, in welcher wir uns bewegen.

Ist die wachsende musikalische Bandbreite der Grund für das Festival? Was hat euch dazu bewogen eines zu machen?

Steve: Würde nicht sagen, dass das der Grund ist. Das Interesse an andere Musik bestand ja schon immer. Nach fünf Jahren Fairlight Club, mit allen Höhen und Tiefen, war es nur eine Frage der Zeit einmal etwas Größeres auf die Beine zu stellen. Uns ging es nie darum Big Names zu buchen. Das Ganze ist eher eine Liebhaber-Sache und die breite Masse werden wir damit vermutlich nicht erreichen. Müssen wir aber auch nicht. Ich persönlich kenne kein Club Festival in Wien mit so einem musikalischen Einschlag.

Das Fairlight Festival ist ja ein "Teilzeit-Festival", das jeweils Donnerstag bis Samstag am Abend läuft. Würdet ihr euch über ein ganztägiges Festival drüber trauen?

Steve: Wer weiß, was noch kommen wird. Wenn es sich gut ergibt, auf alle Fälle.

Am Donnerstag legt ihr einen Schwerpunkt auf Live-Bands. Kann man noch mehr Live-Bookings von euch in Zukunft erwarten?

Steve: Ich bin auf jeden fall sehr happy mit Flut & Powernerd zwei großartige österreichische Bands im Festival Lineup zu haben. International gestaltet sich das vom Aufwand und Finanziellen her natürlich etwas schwieriger als ein DJ Booking.

Max: Live Bookings hatten wir ja eh immer wieder. Bands auch total gerne – wenn es passt. Ins Konzert-Biz einzusteigen ist jetzt aber keine geplanter nächster Schritt.

Der Fairlight CMI ist eindeutig euer Lieblings-Synthesizer. Andere Synthis, die ihr gut findet?

Max: In Wirklichkeit klingt Fairlight einfach am coolsten. Ich persönlich mag z.B. den Minimoog mehr.

Steve: Minimoog Club! Ich steh ziemlich auf Käsemaschinen, M1, Wavestation, Monopoly, DX7. Digitalsynthlove.

Wie hat es mit Fairlight begonnen?

Steve: Wir haben uns an der Abendschule kennengelernt und auf Anhieb super verstanden. Max war Hip Hopper der alten Schule und ich Indie Boy. Bei Max in der Wohnung hörten wir dann aber regelmäßig 80s Electro Funk und Italo Platten.

Max: Und irgendwann zwischen 3-10 Bier kamen wir dann auf die Idee den Fairlight Club zu gründen.

Max, du bist ja auch durch deine Clubreihe Canyoudigit bekannt, die ja doch einen ganz anderen Sound repräsentiert. Zum Fairlight Club würde man dich deshalb neigungsmäßig nicht einordnen. Wieso machst du gerade so etwas wie den Fairlight Club?

Max: Hip Hop hat genauso wie House seine Ursprünge im Disco, Funk oder Electro und so lässt sich auch meine Neigung zu den unterschiedlichen Stilen erklären. Diggin’ in the Crates.

Stefan, wie bist du musikalisch sozialisiert?

Ich komme ja gebürtig aus Niederösterreich, Bruck an der Leitha, da gab es nie viel zu sehen oder zu hören. Konservative Leute hoch tausend, ein klassisches Dreckskaff einfach. Zum Glück gab es ein paar engagierte Leute, die ab und zu Konzerte veranstaltet haben. Ich glaube so bin ich zum Punk gekommen. Das hat mich dann doch etwas geprägt. Bis heute gab es aber glaub ich tausend Phasen. Meine Plattensammlung bewegt sich von Roxy Music, The Who über Hardcore bis hin zu Techno und Italo Disco, also recht breit gefächert.

3 Acts, die ihr unbedingt buchen wollen würdet?

Beide: Mount Kimbie DJ Set. Nein Spaß. Real Talk: Motor City Drum Ensemble, Blood Orange und Sabrina Salerno.

5 Nummern, die den Fairlight Club bzw. das Festival am besten repräsentieren.

Soichi Terada & Nami Shimada – Sunshower

Baba Stiltz – Cherry

Powernerd – Bmx

Flut – Tiefschlaf

Hysteric – Et

Der Fairlight Club ist einer der wenigen Clubs, die eure Genres mit Bookings bedient. Ist das für euch Liebhaberei oder seht ihr den nächsten Hype eures Genres in der Zukunft?

Max: Disco und Italo sind jetzt wieder im Kommen und Bicep haben z.B. gemeinsam mit Bell Towers erst kürzlich eine Italo Disco Night in london gehostet. Release-technisch geht auch wieder Einiges. Grundsätzlich bleibt das aber eine Liebhabergeschichte. Fuck Hypes!

Wo bleibt der nächste Todd Terje?

Steve: Auf dem holländischen Label "Bordello A Parigi" werden z.b. die letzten Jahre viele neue Produktionen released. Ob die wirklich jemals die breitere Masse erreichen werden, wie es bei Todd Terje passiert ist, steht in den Sternen. Das Potenzial hätten viele davon auf auf jeden Fall.

Max: Fatimah Yamaha hat/hatte gerade einen enormen Hype. Schon eher ein Kaliber in die Richtung.

Wo kann man eure Veranstaltungen in Zukunft besuchen?

Nach dem Festival ist auf alle Fälle einiges in Planung und es wird auch produktions- und location-technische Veränderungen geben. Zu viel können wir an dieser Stelle leider noch nicht verraten.

Das Fairlight Festival findet von 31.3 bis 2.4 jeweils im Heuer, Curtain und Cafe Leopold statt.

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