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Kaki-Kiwi-Küchlein, Luis Vuitton-Taschen oder "Die besten Instagram-Accounts aus Nordkorea". All das ist Blogging in Österreich – Ist das die Zukunft? Und kann man schon davon leben?

Blogs haben es geschafft, sich zu etablieren. Im englischsprachigen Raum sind sie ein fixer Bestandteil der Medienlandschaft. In den USA kann man als Blogger nicht nur zum Star werden, sondern auch noch ordentlich davon leben. Hierzulande geht der Blogging-Hype gerade erst los, die Bloggersphäre ist vorerst geschrumpft. Auch Facebook sei Dank. Food, Lifestyle und Politik dominieren. Oft stecken viele Jahre Arbeit in diesen Blogs – aber zahlt sich das überhaupt aus? Sind Blogger die neuen Indiebands? Ein kleines bisschen Fame und nach ein paar Jahren ist die Luft draußen? Oder steht ihnen in Wirklichkeit eine blendende Zukunft bevor?

Spread the word

Das Rezept scheint simpel – ohne Reichweite kein Erfolg. Ein Blog kann diese Reichweite allerdings nur erreichen, "wenn der Blogger aus seiner Tätigkeit ein Geschäftsmodell entwickeln kann und der Blog auch als wesentliches Marketinginstrument verstanden wird", glaubt Christoph Cecerle von der Werbeagentur eaglepower.com. Wichtig wäre dabei ein glaubwürdiges Auftreten (Im Branchensprech: Selfbranding) zu einem bestimmten Thema, der Aufbau der Social Media-Kanäle und die Suchmaschinenoptimierung. Denn "ein isolierter Blog ist nichts ohne Anbindung an Social Networks."

Mit Bloggen Geld zu verdienen ist möglich. Richard Haderer – Vlogger auf hdrr.at und Internetmensch – geht davon aus, dass aktuell nur eine kleine Handvoll davon leben kann. Laut einer Blogger-Umfrage von zurpolitik.com nehmen rund 10 % der Betreiber eines Blogs in Österreich Geld ein, ungefähr doppelt so viele nur teilweise. Davon verdienen die meisten unter 50 Euro monatlich, rund ein Fünftel verdienen zwischen 200 und 500 Euro. Der kleine Prozentsatz, der darüber hinausgeht, verdient mitunter mehr als 1.000 Euro im Monat. Wer das ebenfalls versuchen möchte, muss sich darüber im Klaren sein, dass er natürlich auch Freiheiten verliert. Der Blog wird von Geldgebern abhängig und auf verschiedene Arten zur Werbefläche.

Ohne Klicks kein Geld

Damit Kooperationen mit Kunden überhaupt zustande kommen, müssen Reichweite, Design und Inhalt des Blogs stimmen. Der einfachste Weg, um seinen Blog zu monetarisieren, ist Bannerwerbung. Man verkauft also Platz auf seinem Blog. Das kann man selbst versuchen, was wiederum Zeit frisst, oder man lagert es an Agenturen aus, die einen beträchtlichen Teil mitschneiden. Für beides müssen einerseits die Zugriffszahlen des Blogs nachweislich hoch sein.

Andererseits sollte der Blog inhaltlich so gut wie möglich mit den Bannern zusammenpassen. Da die meisten Blogs in Österreich unter 100.000 Klicks monatlich bleiben, kommen große Kooperationen aber oft noch nicht zustande. Werbung läuft dann meistens über Bannerdienste wie AdSense und der Ertrag ist dementsprechend niedrig. Und dann gibt es ja noch Adblocker. Weil diese Banner den Blog meistens ohnehin nur zumüllen, haben viele Blogger eine Abneigung dagegen.

So wie Madeleine Alizadeh. Sie teilt auf ihrem Blog dariadaria.com Mode-, Reise- und Lifestyle-Tipps und ist eine der wenigen in Österreich, die davon leben können. Um ihre Seite so werbefrei wie möglich zu halten, verzichtet sie auf Bannerwerbung. Sie arbeitet mit dem sogenannten Affiliatemarketing. Sie verlinkt andere Seiten auf ihrem Blog und erhält dafür Klick- oder Salesprovisionen. Geld gibt es erst, wenn geklickt oder gekauft wird.

Das meiste machen allerdings Advertorials und Kooperationen aus. Das sind häufig Produkttests oder bezahlte Posts. Der Blogger wird also dafür bezahlt, über ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Unternehmen zu schreiben. Wie positiv, das bleibt dem Blogger meist selbst überlassen. Aber niemand riskiert gern, wegen einem Verriss diverse Kooperationen zu verlieren. Auf einem einzelnen Blogger lastet so also meistens mehr Druck als auf einem großen Medienunternehmen mit ihren Salesprofis.

Das fängt gerade erst richtig an

Für Unternehmen ist das praktisch. Sie können über Blogs mitunter mehr Leute erreichen als über klassische Werbung. Noch dazu kann der Eindruck entstehen, man habe es mit einem echten Phänomen von unten, aus der Bevölkerung selbst zu tun, vielleicht sogar mit einem Hype, wenn doch viele Blogs plötzlich über ein Thema schreiben, sogenanntes Astroturfing. Blöd wird es allerdings, wenn Leser den Stunt durchschauen. Dann ist die Glaubwürdigkeit schnell dahin. Spott und Häme sind im Netz angeblich keine Seltenheit. Trotzdem stocken diverse Agenturen gerade massiv ihre Blogger Relations auf, also so etwas Ähnliches wie Public Relations.

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