Zum Sterben schön – Paul Pluts Debütalbum entführt uns in die Dunkelheit

Paul Plut will es wissen. Er weiß es sogar besser. Sein Album »Lieder vom Tanzen und Sterben« ist ein Meisterwerk für alle Ewigkeit.

© Gerfried Guggi

»Du brauchst keine Angst zu haben.« Entsagungsvolle Momente wie die, in denen du das hörst, sind es, vor denen du dich am meisten fürchten musst. Dann, wenn alles gut ist auf der Welt. Weil überall der nächste Baum steht, um den du dich drehen kannst. Während die anderen laufen, bleibst du stehen, wenn du nicht sowieso sofort hin bist. Weil du nur dann klar denken kannst, ganz ohne Angst bist, erlöst, nackt, wenn du nichts mehr zu verlieren hast. Wenn dir bewusst wird, dass die Welt ohnehin ein Gräberfeld ist, demnächst mit einem Tuscher untergeht. Die Gedanken müssen düster sein, ohne Wehmut, ohne Demut. Wenn du ganz bei dir selbst bist, einsam, im Gefühl, der Einzige zu sein, der so empfindet.

Du bist nicht allein

Ist es das Letzte an Hoffnung, dass dem gar nicht so ist? Denn einer kann Tausende Lieder singen, wie es ist, wenn man sich um den Baum dreht, wie es ist, wenn alles sinnlos wird. Wenn der ehemalige Volksschullehrer Paul Plut von der Sehnsucht nach der Dunkelheit, vom Abgrund und vom Schmerz singt, fühlst du dich anfangs noch mehr alleine. Er lässt dich zuerst ganz bei dir und gibt dir dann schlussendlich ein Gefühl der Verbundenheit. Mit unbändiger Virtuosität im Gitarrespiel, peitschendem Getrampel auf der selbstgezimmerten Stompbox, klanglich angeglichen an ehrfurchtgebietende Kirchenbänke, mit der unbedingten, tiefsten aller Stimmen entführt er dich. In seine Welt aus Suizidversuch und Autounfall (»Lärche«), dem Heranwachsen im dunklen, perversen Ramsau am Dachstein – zwischen dramatischem Todesgipfel, Hurra-Tourismus und evangelischem Außenseitertum – (»Sunn«), dem mystifizierten uralten und urösterreichischen Ehrfuchtsgedanken gegenüber dem Berg (»Vota«) und der Liebe (»I hob doch nur uns«, aus »Diamanten«).

Du merkst dann, dass Gospel in steirischem Dialekt nur ein Euphemismus für tiefschwarzen Dark Folk ist. Wenn du weißt, dass »Lieder vom Tanzen und Sterben« alles beschreibt, was du ganz unten im Dunkeln erahnst, weißt du auch, dass Paul Plut damit ein Meisterwerk für alle Ewigkeit geschrieben hat. Zum Sterben schön.

Paul Plut »Lieder vom Tanzen und Sterben«

»Lieder vom Tanzen und Sterben« von Paul Plut erscheint am 17. November 2017. Konzerte am 8. November in der Sargfabrik in Wien und am 17. November beim Autumn Leaves Festival im Orpheum Extra in Graz begleiten den Release. Hier findet man außerdem die Videopremiere zu »Grat«.

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