20 Jahre bis zum Wiener Sonnenaufgang

Zwanzig Jahre ist "Before Sunrise" alt. Hübsch anzusehen ist die Liebesgeschichte zwischen Ethan Hawke und Julie Delpy ja, der Film erzählt aber auch einige Unwahrheiten über Wien.

20 Jahre nach "Before Sunrise" hat alles, was Jesse und Celine im Film so an Lebensweisheiten zerkauen und verdauen, noch immer genauso viel beruhigende Weisheit wie damals bei seiner Premiere im Jahr 1995.

Kaum ein Film hat Wien so üppig inszeniert wie "Before Sunrise". Kaum ein Film gilt als Pflichtprogramm für alle, die zum Studieren nach Wien kommen. Und während sich Tom Cruise nur kurz auf Verbrecherjagd von den Dächern Wien stürzt, stürzen sich Ethan Hawke und Julie Delpy einen ganzen Film lang tief ins ins Wiener Nachtleben und in die Topografie der Gefühle. Es steckt viel sujektive Wahrheit in dem steckt, was die beiden Protagonisten da so an Dawson’s Creek’scher Gefühlsduselei von sich geben. Worüber sich aber streiten lässt, sind all die verrückten Dinge, die beide in nur wenigen Stunden erleben; am 16. Juni 1994 – übrigens in Anlehnung an Ulysses von James Joyce.

Auf den Spuren des Sonnenaufgangs

Wien ist schön, Ethan Hawke und Julie Delpy sind schön. Touristen fliegen pärchenweise nach Wien, um auf den Liebesspuren von Jesse und Celien zu wandeln. Im Internet gibt es eine gute Handvoll Karten auf denen sämtliche Flirt-, Tanz-, und Sexszenen akkurat verzeichnet sind. Das Kino unter Sternen bot im Jahr 2010 anlässlich ihres Screenings von "Before Sunrise"-Touren für die Besucher an. Nie wieder wird der romantisch veranlagte Wiener auf der Terrasse der Wiener Albertina stehen können, ohne sich vorzustellen, er hätte gerade einen Tag wie im Film verbracht. Oder im Roxy einfach so tanzen können. Naja, fast.

Mit der Distanz von zwei Jahrzehnten, ist es auch mal an der Zeit diesen Film nicht nur wegen seiner Klugheit zu würdigen, sondern ein bisschen Filmdetektiv zu spielen und Fragen zu beantworten wie: "Geht sich das alles in einer Nacht überhaupt aus?", "Wie soll das ohne Nacht-U-Bahn funktionieren?", "Typisch Hollywood, oder?" oder "Wo leben die obdachlosen Poeten vom Donaukanal jetzt?". Zeit für ein bisschen Suderei also. Weil Wien ja irgendwie Wien bleiben muss.

Den Film kann man übrigens hier semilegal streamen. Spitzfindigere Filmdetektive mögen uns bitte erhellen, wo wir noch im Dunkeln tappen, und diese Liste erweitern. Am besten in den Kommentaren. Danke.

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