8 Dinge, die ich beim Amadeus gelernt habe

Warum nur gewinnen Major-Acts so viele Preise, wie oft wurde die Austro-Quote gefordert und haben wir echt keine anderen Probleme. Gedanken zu den gestrigen Amadeus Awards.

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Es gewinnen überraschend viele Major-Acts

Warum auch nicht. Immerhin ist es ihre Veranstaltung. Der Majorverband Ifpi schmeißt die Party und macht die Regeln. Die sehen zwar vor, dass gevotet wird, aber so genau weiß das niemand und es trifft ganz lustigerweise oft die Musik mit den Majorverträgen.

Darius & Finlay (Sony) schnappen also Camo & Krooked (britisches Independent-Label) den Award weg. Liebe Anna F (Universal), ja, nicht nur du, wirklich alle haben geglaubt, dass Bilderbuch den Song des Jahres bekommen – alle außer deinem Label. Christina Stürmer (Universal) bekommt zum ersten Mal nach der Neuausrichtung des Awards eine Glasschlüssel für ihr total supergutes Album. Norbert Schneider covert beim Retrofestival mit Horst Chmela – Vorstandsmitglied der AKM – „Ana hat immer des Bummerl“ und durchbricht die Siegesserie der 5/8erln. Und vermutlich haben Kaiser Franz Joseph (Sony) wirklich mehr jugendliche Fans als Bilderbuch. Also echt jetzt. Man darf aber natürlich eh gern weiterhin glauben, dass man auf Nachfrage ganz nachvollziehbar erfahren kann, wer beim Voting wie viele Stimmen bekommen hat.

5/8erl in allerhöchsten Ehr’n

Was. Für. Ein. Unglaublicher. Auftritt. Mit Streichquartett, mit Chor, mit Eleganz, so viel Können, Stil und feiner Klinge. Dabei ist das gar nicht so ihr Ding, dieses teure, relativ aufgeblasene Format mit großer Band, normalerweise sitzen sie ja lieber beim Spielen, wie Sänger Max Gaier später erzählte. Dass das Format den 5/8erln dennoch so perfekt passte wie ihre geliehenen Smokings, spricht für die Band. Sie nennt ihren Stil zu Recht „Wiener Soul“. Und nebenbei schafften sie es sich völlig unpeinlich für Musik aus Österreich einzusetzen, indem sie einen Teil davon einfach als Chor auf die Bühne holte und vorstellte. Ansehen kann man sich das hier ab 1:06:30. Neben Bilderbuch waren sie die Publikumslieblinge, bekamen den festesten Applaus und die lautesten Schulterklopfer.

Wir brauchen mehr gratis Alkohol

Das Gesudere darüber, dass es nur mehr Bier und Wein gratis gibt, keine Cocktails und Schnäpse, dass es gratis Sauferei nur mehr bis ein Uhr gibt und nicht die ganze Nacht und das Büffet auch schon mal besser war, ist ja wirklich elendig. Ja, es gibt natürlich auch in anderen Branchen sehr viele Events, bei denen es nur ums Anfüttern geht. Aber man erwartet sich halt von Menschen, deren größte Leidenschaft Musik ist, mehr.

Die Politik kommt nicht

Möchtest du dir einen Abend lang anhören müssen, dass du tausende Leben zerstört hast? Dass du bitte EU-Gleichbehandlungsgrundsätze biegen und beugen sollst, damit es eine Quote für heimische Musik gibt? Dass du Druck auf Medien ausüben sollst und dich dort in die Programmwahl einmischen sollst? Eben. Von Minister Ostermayer, Kulturstadtrat Mailath-Pokorny und diversen Kultursprechern abwärts blieb man wie die Jahre zuvor daheim (Elisabeth Hakel und Niko „Belphegor“ Alm waren dort). Festspiele und Film-Awards, das macht doch gleich viel bessere Bilder.

Maria Lassnig ist tot.

span lang=”DE”>Fuc.

Stargate hat keine Ahnung von Musik

Die Agentur, die den Award organisiert, hatte ja im Vorfeld bereits mit Nichtwissen geglänzt, wie man Musikern mit Respekt begegnet. Hvob, Naked Lunch und Monobrother haben ihre Nominierung medienwirksam zurückgezogen, Chakuza wollte ihn auch nicht, machte aber einen auf cool und twitterte nur, dass man nicht für ihn stimmen soll. Am Abend selbst hatte man mit den Fanta 4 und Mando Diao immerhin zwei herzeigbare internationale Acts. Aber was war das für ein DJ im Volksgarten? Ohne die Alternative FM4-Floor? Ist das wirklich eure Vorstellung von Partymusik für die Szene? Oder wollt ihr uns einfach nur so mit übelstem Böllerschranz quälen?

Die Quote, die Festplatte, die Quote, die Festplatte

Der Amadeus hat den „Elke-Test“ nicht bestanden. Namentlich wurde die Ö3-Moderatorin zwar nur einmal genannt, aber viele Reden klangen kümmerlich und wehleidig. Wir brauchen die Quote, wir brauchen die Festplattenabgabe. Heissa, das war ja mal eine Überraschung. Egal was man nun im Detail davon hält, das Volkstheater ist keine Lobby, Awards keine Vereinssitzung. Bitte, seid engagiert wo es passt und bitte, seid nicht solche Spießer.

Es gibt noch andere Probleme

Es ist schön, wenn sich die Branche feiert. Ohne Amadeus wäre das Musikjahr weniger bunt. Wir werden weiterhin Musik abfeiern, vielleicht sogar ein bisschen mehr, wenn sie aus der Gegend kommt. Und es ist nicht egal, wie das Raumklima dafür ist – also von Urheberrecht bis Freihandelsabkommen, von fehlender Transparenz in den Urheberrechtsgesellschaften bis zu Spotify, von Crowdfunding bis zu neuen ORF-Radiosendern. Aber es gibt Syrien, es gibt Leute, die sich daheim aufhängen wegen dieser beschissenen Novomatic-Automaten, was habt ihr überhaupt für Probleme, meinte Nazar hinterher. Ja. Das.

www.amadeusawards.at

Bild(er) © Ink Music feiern Standing Ovations für Bilderbuch nach der Verleihung des FM4 Awards
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