Eine Runde Kreisverkehr: Alleskönner Voodoo Jürgens verschwindet auf Album Nummer vier, um bei sich anzukommen.

Wenn dein Vermögen an Vorstellung dem in deinem Sparschweinderl überlegen ist, ist die Frage »Kannst dir das vorstellen?« eher obsolet als obligat. Trotzdem ist die Verwunderung nicht die kleinste, dass der Voodoo Jürgens, der größte Dialektsänger der letzten zehn Jahre, jetzt mit beiden Armen Richtung Popstar greift. Für uns Normalsterbliche wär’s vom Schicksal eine Linke, diese brodelnde Gier auf Veränderung, wenn man eh schon internationaler Filmstar, dreifacher Amadeus-Gewinner, Laureat des goldenen Vokuhilas und was noch alles ist. Dass sich da einer nicht auf den Lorbeeren ausruht, ist schon, wie der Meister selbst sagen würde, ka Schas mit Quastln. Deswegen sind wir die Normalsterblichen und ein paar andere halt nicht.
Dynamitfischen
Jedenfalls: Der Voodoo sagt auf Album Nummer vier dem von ihm wieder künstlerisch salonfähig gemachten Straßenkehrer-Folk endgültig Lebewohl und lässt dabei von seiner Ansa Panier Melodeien mit einer gewissen Poppigkeit auftürmen. Es ist quasi gar ein babylonischer Sündenpfuhl aus Gitarren und Verve – und noch ein weiterer Schritt raus aus der Box. Ob wirklich nur outside von dort die Magic happent, sei dahingestellt, aber der Voodoo ist ja bekanntlich ein Zauberer. Sicher: Jeder Espresso-Heinzi kann dir zwar glaubwürdig versichern, dass sich das Beisl nie auserzählt, aber als Voodoo musst du auch mal in anderen Territorien dynamitfischen, mittlerweile gentrifiziert dir ja jeder x-beliebige Laurenz oder Nikolaus was vom Grind daher. Natürlich sind des Voodoos andere Biotope nicht aus der Welt, sondern nebenan im Tanzlokal, im Prater, im Gefängnis, im echten, aber vor allem im eigenen. Und dort, in einem drinnen – in den leisen Stücken, aber auch in den lauten – kehrt der Voodoo dann wieder zu sich selbst zurück, zu seinen Selbstzweifeln, manifestiert im Fluchtinstinkt, manifestiert im Wunsch nach immerwährender Maskerade. Allesamt Elixiere für die Genese seiner Kunstfigur. Und da ist es fast schon egal, wie das klingt (eh gut), aber der Hund hat einfach die Sympathie. Ein Gewinnertyp.

Das Album »Gschnas« von Voodoo Jürgens erscheint am 20. März 2026 bei Lotterlabel.
Live: 7. und 8. April, Innsbruck, Treibhaus — 9. April, Dornbirn, Spielboden — 10. April, Salzburg, Szene — 11. April, Ebensee, Kino — 16. April, Linz, Posthof — 17. April, Gleisdorf, Forum Kloster — 18. April, Klagenfurt, Fritz Club — 22. April, Wien, Arena — 30. April, St. Pölten, Festspielhaus