Wow! Topsy Turvy zerlegen auf »Fighting the Ginormous Macho Nacho« so ziemlich alles – vor allem männliche Egos von Wiener Musikern.

Aktuelle Entwicklungen in der privatisierten Raumfahrt (danke dafür …) lassen nicht unbedingt den Schluss zu, dass das Weltall von nach antipatriarchalen Prinzipien organisierten Gesellschaftsformen besiedelt werden wird. Wer sich nicht von superreichen Libertären besudeln lassen will, sollte am Weg gen Himmel besser die Abzweigung Richtung Planet Topsy Turvy nehmen, wo der Wiener Dreier mit seinem zweiten Album lieber einen Safe Space für all jene baut, die es mit der Niederschlagung institutionalisierter toxischer Männlichkeit halten. Letztere wird verkörpert von einem riesigen Spielzeugroboter, dem titelgebenden »Ginormous Macho Nacho«, der wiederum für einen realen Wiener Musiker steht und damit auch gleich für ein ganzes Umfeld, das nicht gerade für FLINTA* gebaut ist.
Theresa Strohmer, Lena Pöttinger und Victoria Aron – die als Vic Velvet dieser Tage übrigens ihr sehnlichst erwartetes und ebenso tolles Lo-Fi-Folk-Debütalbum »My Heart Feels Like a Cowboy’s« bei Siluh Records veröffentlicht – machen konsequent das Richtige und bilden Band sowie Banden, die kollektiv zum Kampf, zum Umsturz, zur Revolte aufrufen.
Spacige Kulisse
Das Space-Theme ist dabei meist nur Kulisse und Konzeptalbum-Storytelling. Ja, auch in den Songs gibt’s musikalisch so manche Glam-Referenz, spacey Keyboardsynths oder Zirkelbezüge auf diesen vermaledeiten Hair-Metal beziehungsweise auf Kate Bush, aber selbstverständlich sind Topsy Turvy auf ihrem zweiten Album abermals vor allem sehr gute Garagenpunks, verwurzelt in der jungen und runderneuerten Siluh-Records-Szene rund um Laundromat Chicks.
Und das heißt: Sixties-infused Surfrock, Postpunk, DIY-Geschrammel, Instrumente- und Mikrofontausch, Stomper, mitreißende Melodien für Millionen und kaum Zeit zum Durchschnaufen. 28 Minuten Vollgas zeigen dabei nicht nur im Vergleich zum etwas zerfransten Vorgänger ein deutlich schärferes und konziseres Songwriting voller Hits, sondern vor allem: Es braucht nicht lange, um arschige Typen und ihre beschissenen Strukturen in die Schranken zu Weisen. Sorry not sorry, aber dieses Raumschiff hebt ohne euch ab!

Das Album »Fighting the Ginormous Macho Nacho« von Topsy Turvy erscheint am 27. März 2026 bei Siluh Records.
Die nächsten Konzerttermine der Band: 11. April, Wien, Kollektiv Kaorle — 8. Mai, Mannheim (DE), Altes Volksheim — 9. Mai, Würzburg (DE), Immerhin — 10. Mai, Gießen (DE), Pit’s Pinte — 11. Mai, Hannover (DE), Chez Heinz — 12. Mai, Berlin (DE), Neue Zukunft — 14. Mai, Halle (DE), Rabatz am Galgenberg — 15. Mai, Leipzig (DE), Noch Besser Leben — 16. Mai, Praha (CZ), Klubnova.