Das erste Soloalbum von Felix Schnabl aka Salamirecorder erhört die Gebete einer totgeglaubten Szene.

Wenn die Hoffnung als Letztes stirbt, kann sie niemand begraben. Bitte kein Missverständnis: Es ist natürlich nicht so, dass es ein großes gesamtgesellschaftliches Hoffen auf und Beten für die Fleischwerdung eines Erlösers, eines Heilsbringers, eines Hoffnungsträgers gegeben hätte, der uns durch die – spätestens seit dem Ende der mittleren Staggers-Zeit verödete – Wüste zeitgenössischer, Sixties-infusierter Grave-Beat-Musik aus Österreich führen würde. Aber, weil da natürlich trotzdem einige mit ihren Winklepickers auf den Spaten gestiegen sind: Der Schnabl Felix, der Feschak da im Bild, der coolste Hund von ganz St. Pölten, könnte man sagen, der gräbt schon ordentlich Tote aus, wenn er mit seinem Projekt Salamirecorder mal wieder eine Garagenrockplatte ins Presswerk schickt. Und die hat sich nicht nur gewaschen, sondern wirbelt so was von Staub auf, dass die verwirrten Clean Girls und Boys Kettenfetthaut kriegen, so ölig und rau ist das.
Platte in Einzelhaft
Umso bemerkenswerter, aber auch nicht ganz untypisch: Während der bockstarke Vorgänger »Goods for Conversation« noch mitsamt der Livepartie, den Hi-Fi Phonos, eingespielt wurde, hat sich Salamirecorder für sein erstes wirkliches Soloalbum ganz in der Manier großer Songschreiber*innen in Einzelhaft begeben. In seinem titelgebenden Cage hat er die insgesamt zehn Nummern – erraten: auf einem Vierspurrekorder – Instrument für Instrument in Eigenregie und -umsetzung ins Magnetband genagelt, was natürlich heißt: Krachen, Kratzen. Da hörst du das Vinyl, selbst wenn du das Ding am Smartphone laufen hast (wobei, hallo?!).
Ebenso analog und gleichsam kompromisslos sind natürlich auch die Stücke selbst, das geht nicht nur »nach vorne«, das ist teilweise schon freier Fall. Ist das noch eine Gitarre oder nur noch das Fuzz-Pedal? Ist das eine Hammond oder eine Farfisa? Verstehst du die Lyrics? Wie gut kann man mit 23 sein? »How to dress like Salamirecorder«? Typische Fragen für die In-Crowd, die Antworten wie üblich mit Interpretationsspielraum. Nur die nach dem jeweiligen personal Jesus offenbar nicht mehr.

Das Album »Inside the Cage« von Salamirecorder erscheint am 24. April 2026 bei Siluh Records. Die nächsten Konzerttermine: 22. April, Wien, B72 — 7. Mai, München (DE), Schwarzer Hahn — 8. Mai, Mannheim (DE), Altes Volksbad — 9. Mai, Würzburg (DE), Immerhin — 10. Mai, Giessen (DE), Pinte — 11. Mai, Hannover (DE), Chez Heinz — 12. Mai, Berlin (DE), Neue Zukunft — 14. Mai, Halle (DE), Rabatz am Galgenberg — 15. Mai, Leipzig (DE), Noch Besser Leben — 16. Mai, Prag (CZ), Klubnova — 29. Mai, Wien, B72.