All that Jazz

Ohne direkte Vorbilder, umso innovativer: Die Intertonale – Symposium für Musik und Diskurs, findet Anfang Juli erstmals in Scheibbs, NÖ, statt.

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Mit der "Intertonale #1" ruft Projektleiter Gerald Zagler gemeinsam mit seinem engagierten Team ein neues Symposium für Musik und Diskurs ins Leben. Das Programm bietet viele Schmankerl: Workshops leiten unter anderem Lukas Koenig (König Leopold) und Martin Schiske (Johann Sebastian Bass). Im Interview verrät Zagler mehr über die Szene in Scheibbs, der inhaltlichen Gestaltung der Intertonale – und wieso sie einzigartig in Österreich ist.

Wie beschreibt sich die Intertonale in einem Satz selbst?

Schwierig, aber ich probier’s mal: Die Intertonale ist ein innovatives, qualitätvolles Musikseminar an der Schnittstelle von Neuer Musik, Popularmusik und Jazz.

Das Projekt ist ja, wie man dem Programm der Homepage entnehmen kann, ein ziemlich umfangreiches. Wie lange hat die Planung gedauert?

Das Festival findet im Rahmen vom diesjährigen Viertelfestival Niederösterreich statt. Die Idee gab es schon länger, wirklich konkret wurde es dann aber mit dem Einreichtermin im Juni 2015.

Was hat den Anstoß gegeben, das Symposium zu starten?

Bis 2010 gab es in Scheibbs die Jazzwochen, die jedes Jahr erstklassige MusikerInnen in die ansonsten beschauliche Kleinstadt holten. Für eine Woche im Sommer wurde jeden Abend im Keller des Hotels gejammt. In den Lokalen waren fremde Menschen anzutreffen, Scheibbs wirkte in dieser Zeit sehr weltoffen. Als Jugendlicher war man davon beeindruckt! Ohne Zweifel hat das Seminar in den 25 Jahren seiner Existenz der Stadt einen Stempel aufgedrückt. Wir vom Proberaum Scheibbs sehen uns in dieser Tradition und wollen mit der Intertonale daran anknüpfen, aber natürlich auf unsere eigene Art und Weise.

Damit hast du eigentlich auch schon beantwortet, wieso die Ortwahl auf Scheibbs gefallen ist.

Natürlich könnte das Format, sofern die Infrastruktur es zulässt, an jedem beliebigen Ort stattfinden. Der Proberaum Scheibbs als Verein sieht sich aber nicht ohne Grund dort verankert, wo er gerade ist. Einerseits kann unser Verein auf eine sehr treue, offene Community bauen, die uns immer wieder helfend zur Seite steht und unser Angebot schätzt. Das ist wohl das Wichtigste. Andererseits haben wir im ehemaligen Schülerheim, ein ansonsten leer stehender Gebäudekomplex mitten im Stadtzentrum, einen spannenden Raum gefunden, in dem vieles möglich ist. Immer wieder probieren wir neue Formate aus. Mit der Unterstützung der Stadtgemeinde und dem Land NÖ lassen sich unsere Ideen auch meistens, wenn auch mit manchen Abstrichen, realisieren.

Gibt es nationale oder internationale Vorbilder, die ein ähnliches Programm bieten?

Nicht wirklich. Scheibbs hatte in Österreich mit den Jazzwochen eines der ersten Musikseminare und wurde zum Vorbild vieler Jazzseminare in Niederösterreich. Derzeit ist Schönbach mit großartigen ReferentInnen sehr interessant. Traditionell wird der Unterricht am Instrument durch Ensembles ergänzt. Wir wollen uns von diesem Schema lösen.

Inwiefern?

Zunächst haben wir den Begriff Jazz gänzlich aus unserem Konzept gestrichen, weil wir eine immer stärkere Öffnung zwischen musikalischen Genres wahrnehmen. Das Interpretieren von Jazz-Standards ist zwar eine schöne Sache, es schränkt aber auch ein. Viel attraktiver erscheint es uns, an seinen eigenen Sounds und seinen eigenen Kompositionen zu arbeiten. Unsere ReferentInnen sind MusikerInnen, die auf eine beachtliche Werkliste verweisen können. Wir hoffen, dass sie mit ihrer Kreativität die TeilnehmerInnen zu eigener Musik inspirieren.

Wie ist die Auswahl auf die Vortragenden, die Workshopleiter, gefallen? Es sind ja prominente Namen dabei, König Leopold oder etwa Martinus (von Johann Sebastian Bass).

Wir sind sehr stolz auf das Programm der Intertonale. Die Qualität stand für uns an oberster Stelle. Über die vergangenen Jahre haben wir mit dem Proberaum Scheibbs ein gutes Netzwerk aufgebaut, das wir nun einsetzen konnten, um namhafte MusikerInnen zu gewinnen. Darüber hinaus war es uns wichtig, dass die ReferentInnen nicht alle aus einem musikalischen Eck kommen. Das Aufeinandertreffen verschiedener Sparten ist das reizvolle an der Intertonale.

Wenn man so offen fragen kann / darf: Wie schwer ist es, in finanzieller Hinsicht, ein solches Projekt auf die Beine zu stellen?

Das ist definitiv eine Herausforderung. Das Land Niederösterreich setzt mit dem Viertelfestival wichtige Impulse. Projekte wie die Intertonale werden aber niemals von einer Stelle vollends finanziert. Dazu braucht es dann noch die Unterstützung von Bund, Gemeinde und anderen regionalen Akteuren. Die haben wir zum Glück. Das heißt aber noch immer nicht, dass die komplette Finanzierung steht. Sehr wichtig ist es, dass die Veranstaltung gut besucht ist und öffentlich beachtet wird. Das alles in die Wege zu leiten, bedeutet viel Arbeit. Sponsoring aus der Privatwirtschaft wird immer weniger.

Der Titel verrät es schon: Intertonale Nummer Eins: Der Wunsch nach Fortsetzung besteht, in alljährlicher Wiederholung?

Das würden wir uns wünschen, hängt aber davon ab, wie gut die Veranstaltung angenommen wird. Wir haben bereits einige Anmeldungen. Wenn wir sehen, dass die Intertonale am Ende auf breites Interesse stößt, wird es sicher auch weitere Auflagen davon geben. Ob das jetzt jährlich ist oder biennal ist noch nicht klar.

Die Intertonale #1 – Symposium für Musik und Diskurs findet von 9. bis 15. Juli im Rahmen des Viertelfestivals Niederösterreich in Scheibbs, NÖ, statt. Alle Informationen zur Anmeldung und zum Programm gibt es hier.

Bild(er) © Christoph Hudl, 2016
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