Nerd Power

»Nerd Power« ist zwar lustig, funky und hip, aber trotzdem wünscht man sich den glitzernd-dauergewellten Revitalisierungsversuch origineller inszeniert.

Silbrig-weiße Ganzkörperanzüge, Helme mit Sichtschutz: Entweder sind Powernerd wirklich licht- und menschenscheu, oder sie stehen eben auf Geheimniskrämerei.

Auf der Bühne befinden sich da – nach eigenen Angaben – ein Android mit Yngwie Malmsteen-Programmierung, ein Synth-Technopriester und ein Drumroboter. Hört sich dem Namen entsprechend schon mal extra nerdy an, der Sound ist jedenfalls lupenrein den 80ern geschuldet. Auf die erste Single »BMX«, die schon im Herbst 2015 erschienen ist, folgt nun das Debütalbum »Nerd Power«. Es zischt und raschelt, quietscht nach Kaugummiautomatenart. Gesungen wird am gesamten Album, außer dezent-gehauchten »Uuuhs« und »Aaaahs«, nicht. Außer, die Band (soll man sie so nennen?) holt sich prominente Unterstützung dazu. So geschehen unter anderem bei der trashigen Single »White Cars«. Hier leihen Ankathie Koi (Fijuka-Sängerin und Solokünstlerin) und Martinus Bass (Johann Sebastian Bass) ihre Stimmen, wenn auch teilweise in verzerrter Art und Weise.

Musik für den Rollschuh-Fetisch

Der Gesamteindruck des Albums ähnelt ein bisschen einem Actionfilm-Soundtrack, David Hasselhoff würde neidisch aufs Kit’sche Lenkrad trommeln. Synthesizer und noch mehr Synthesizer, der Drumcomputer oder –roboter gibt den treibenden Beat vor, es ist Dancefloormusik. Man wird das Gefühl nicht los, dass das den eigenen Eltern ziemlich zusagen würde. Nicht so sehr wegen der bekannten Sounds oder der Eingängigkeit der Melodien, zu denen sie nostalgisch seufzen würden, sondern eher, weil sie passend dazu wieder Schweißband, Vokuhila und Neon-Leggins hervorkramen könnten. Nur: genau das kriegt man ja momentan eh auch bei jedem superfancy Retro-Vintageshop des Vertrauens. Ja, im Popkulturzirkus wiederholt sich nicht nur der Rollschuh-Fetisch, sondern natürlich auch die passende Musik dazu.

Originalität, wo bist du?

»Nerd Power« ist zwar lustig, funky, hip, Diskokugel und Nebelmaschine und an der ausgefuchsten Produktion der hier werkenden Herren, Damen, Monster liegt auch kein Zweifel. Aber trotzdem wünscht man sich den glitzernd-dauergewellten Revitalisierungsversuch doch origineller inszeniert. Powernerd klingen im Eifer, dem Idol zu entsprechen, auf ihrem Debutalbum aber häufig wie ein Abklatsch dessen, was in den 80ern richtig groß war.

Die Feature-Songs sind durchaus Hits fürs Kinofoyer oder Mama’s 55er, sie sind aber auch die einzig richtigen Höhepunkte des Albums.

Das Debütalbum von Powernerd wird am 16. September via Seayou Records veröffentlicht.

Bild(er) © Bild 1: Clemens Schneider, Bild 2: Clemens Schneider, Bild 3: Seayou Records
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