Asfast: „Dieses Album war der größte Kampf, den ich mit meiner Musik je hatte“

Zwischen Ambient und Club spielt Asfast auf seinem spannungsreichen Album „Peace in Drifts“ mit den Erwartungen. Ein Gespräch über das Reinwachsen in die eigene Musik.

© Asfast beim Elevate 2016 fotografiert von Jan Nemecek

Asfasts Musik geht unter die Haut. Zwischen Traum und Albtraum, Ordnung und Chaos, wählt Leon Leder den Weg des Widerstands, hinterfragt und spielt mit Erwartungshaltungen und kämpft mit der eigenen Musik. Heute erscheint das neueste Werk des jungen Produzenten als siebente Veröffentlichung von Ventil Records, eines 2014 gegründeten und nun von Ursula Winterauer betriebenen Labels, das sich experimentellen Spielarten elektronischer Musik widmet. Wir trafen Leon Leder zum Gespräch.

Denkst du darüber nach, für wen du deine Musik machst?

Ich denke nicht an bestimmte Leute beim Musikproduzieren, auch nicht an eine bestimmte Nische, obwohl meine Musik sicher in eine gesteckt wird.

Welche?

Am ehesten wird das wohl der Post-Club-, Ambient-Nische zugerechnet. Mir kommt vor, dass vieles, was sich da abspielt, schon elitär ist, à la ‚Man muss die Musik verstehen, um sie genießen zu können‘. So empfinde ich meine Musik eigentlich nicht. Sie ist zugänglicher als vieles andere, was es in dieser Nische gibt.

Dennoch löst du gewisse Erwartungen, die man vielleicht am Beginn eines Tracks hat, in seinem Verlauf nicht ein.

Ja, Erwartung ist eine Grundthema für mich, mit dem ich ganz bewusst spiele. Ich produziere zum Beispiel etwas, das auf eine logische Konsequenz hinausläuft, im Sinne von einem Drop oder so etwas und das dekonstruiere ich dann. Ich will die Leute schon auch fordern, ich will ein Aha-Erlebnis hervorrufen, dass zeigt, dass man es auch anders machen kann.

Du hast sowohl auf dem Electric Spring als auch beim Elevate Festival gespielt, was ja zwei völlig unterschiedliche Settings, Zielgruppen sind. Wie hast du dieser Unterschiede empfunden?

Electric Spring war ein klassisches Beispiel von Kontrastprogramm zum Publikum. Ich habe mich wirklich wie ein Alien gefühlt. Die Kuratoren oder Booker wollen oft etwas vermitteln, etwas riskieren, was ich grundsätzlich auch gut finde. Die Acts sind diesem Risiko halt ausgeliefert. Beim Elevate wissen die Leute, dass dort experimentelles Zeug passiert und sie bringen eine grundsätzliche Offenheit mit. Da hat das total gut funktioniert. Aber es gibt eigentlich fast keine Konzerte, wo ich das Gefühl habe, ich sollte aufhören zu spielen. Es gibt immer ein paar Leute, die da reinfühlen wollen und dabei sind.

Als ich aber letztes Jahr im Dom im Berg als Support von Venetian Snares gespielt habe, ist ein Typ während meiner Show zur Bühne gekommen und hat gesagt, dass ich doch bitte, bitte etwas Gescheites spielen soll und sowas bringt mich halt total raus. Es waren zwar 600 andere Leute dort, aber durch diese eine Erfahrung hat sich das einfach nicht mehr gut angefühlt.

Verletzt dich eine solche Respektlosigkeit mehr, weil deine Musik so persönlich ist?

Nein, ich glaube, dass ich meine Musik und meine persönlichen Angelegenheiten mittlerweile relativ gut trennen kann. Das ist mir auch wichtig. Es geht nicht darum, dass ich mich nicht verstanden fühle.

Spielst du gerne live?

Ich habe in den ersten Jahren kaum gespielt, war auch immer ultra nervös. Diese Nervosität hat ihren Höhepunkt bei meinem letzten Release-Konzert, als ich mit Peter Kutin die Split gemacht habe, erreicht – das habe ich fast nicht ausgehalten. Ich musste damals auch immer Beruhigungsmittel und Kopfwehtabletten nehmen. Nach dieser Show war’s dann aber viel besser. Da muss man vielleicht auch einfach durch. Mittlerweile freue ich mich auf’s Performen.

Dieses Album, Peace in Drifts, klingt für mich sehr fertig. So als hättest du es dir am Anfang genauso vorgestellt, wie es dann auch geworden ist. War das so?

Interessant. Es ist nie bei mir so, dass ich eine komplette Komposition, einen Track im Kopf habe. Albumtechnisch schon gar nicht. Maximal Loops und Spannungsbögen, grobe Sachen. Dieses Album war der größte Kampf, den ich mit meiner Musik je hatte. Zwei Monate von diesem Prozess waren nur schlimm, aber manchmal macht man dann eine Stelle in einem Track anders und dann macht auf einmal alles Sinn. Ich habe drei Monate daran produziert, aber das Wesentliche, das, was das Album ausmacht, hat sich in zwei Wochen abgespielt.

Was ich vorab jedenfalls gewusst habe, war, dass ich kein reines Ambient-Album machen wollte und auch kein reines Club-Album. Zwischen diesen beiden Extremen bewege ich mich immer.

Das Album ist ja nun schon länger fertig, wie hat es sich für dich seitdem verändert beim Hören. Bist du zufrieden?

Ich bin total zufrieden. Ich habe von vielen Leuten gehört, dass man es wirklich öfters hören muss, um reinzuwachsen. Selbst für mich ist das so.

Rashad Becker hat dein Album gemastert, wie kam’s zu der Zusammenarbeit?

Ich kenn’ ihn persönlich nicht gut, aber ich kenne Vieles, was er gemacht hat. Gerade bei meinem Sound habe ich es für wichtig gehalten, dass es jemand macht, der mit so eine Art von Musik vertraut ist. Es gibt ja auch Internet-Mastering-Plattformen, das habe ich auch ausgetestet, aber das funktioniert für experimentelle Sachen oft nicht.

Als ich die ersten Files von ihm bekommen habe, dachte ich trotzdem: ‚Ui, das klingt ja ganz anders, das ist ja gar nicht mehr meine Musik.‘ Ich war relativ unzufrieden. Er hat dann auch Sachen geändert. Aber nach zwei Wochen habe ich mich doch für seine erste Version entschieden. Sogar beim Mastering war es so, dass ich erst reinwachsen musste.

Asfast © Evelyn Plaschg

Wie hat das bei dir mit dem Musikmachen überhaupt angefangen, du hast ja auch Schlagzeug gespielt, nicht?

Ich komme aus einer völlig unmusikalischen Familie. Wenn ich als Kind ein Schlagzeug gesehen habe, – das hat der Papa schon früh erkannt – habe ich immer ganz große Augen gemacht. Ein Freund von ihm war Schlagzeuger und bei dem hat er mich oft hingesetzt. Mit sieben habe ich dann Unterricht bekommen. Ich war dann später Metal Drummer in einer Band in Graz und ich war schon ein ziemlicher Metal Head. Aber ich habe auch viel Rotterdam Hardcore gehört. Diese trancigen Synth-Lines haben ja auch was Episches; ich find das gar nicht so unähnlich zu Metal. Das war zwar damals ein ziemlicher Widerspruch, also meine Freunde haben mich teilweise ausgelacht, dass ich das auch hör. Dann habe ich auch Breakcore entdeckt und mich da wiedergefunden, weil das auch politisch eine Szene ist. Ich habe aber schnell erkannt, dass mein Ziel nicht ist, nur politische Tracks zu machen, wo es um’s Konzept geht und darum, Sachen zu zerstören, sondern dass ich schon den Anspruch von Emotionen habe. Ich bin dann jedenfalls bei der Metal Band ausgestiegen und habe gemerkt, dass ich mit elektronischen Musik genau das machen kann, was ich will. Ich tu mir auch viel leichter, allein Musik zu machen.

Was hörst du jetzt?

Mein Musikgeschmack hat sich gar nicht so verändert. Ich höre nach wie vor viel Metal, Black Metal eigentlich. Und ich höre seit Jahren eigentlich viel Trap und R’nB und das ist für mich der ideale Ausgleich zu meiner Musik, fließt aber auch in sie ein.

Verfolgst du denn ein kommerzielles Ziel?

Ich würde auf alle Fälle gern in eine Infrastruktur geraten, wo ich international mehr Leute erreichen kann, wo ich bisschen mehr herumkomme, mehr Gigs im Ausland spiele und so auch mehr Geld verdiene. Es ist auch ein bisschen eine Glückssache.

Aber versuchst du dich vermarktungstechnisch mehr in die Auslage zu stellen?

Jein, ich bin selbst ein schlechter Promoter, vor allem für mich selber. Ich find’s auch fast peinlich, wenn man einen Track postet und das dann sponsert auf Facebook und versucht, mehr Likes zu kriegen. Das ist an sich ein Widerspruch zu meiner Musik, zu dieser Nische.

Aber ich biete mich schon an – spreche Leute an, schreibe Leuten, um Gigs zu bekommen.

Wie wichtig ist es für dich ein Label zu haben?

Es hilft auf jeden Fall und gerade auf  Ventil schauen viele Leute, weil was Neues passiert. So jemand wie Arca bräuchte sicher kein Label, der kann so viel selber machen. Und der Trend gibt’s generell, ohne Label auszukommen. Also viel, was da jetzt zu Hyperreality kommt, Staycore, Bala Club, Janus – die releasen viel einfach so oder auf einer kleinen Plattform und es macht voll die Runden. Irgendwo will ich da schon auch hin.

 

„Peace in Drifts“ erscheint heute, am 1. Mai via Ventil Records. Die Releaseshow, die auch gleichzeitg Labelfeier zum zweijährigen Bestehen ist, wird am 11. Mai im Fluc stattfinden. Asfast spielt auch am 24. Mai bei Hyperreality. Mehr zu Ventil im Mica-Interview

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