Das schwindende Gefühl der Jugend: At The Drive In und ihr neues Album „in•ter a•li•a“

Für ihr neues Album haben sich At The Drive In fast zwei Jahrzehnte Zeit gelassen. An dessen Vorgänger, das außergewöhnliche „Relationship Of Command“, kommt es nicht heran.

© Júnn
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Warum entschließt sich eine Band, nach 17 Jahren wieder ein Album zu veröffentlichen? Geht es nur ums Geld? At The Drive In – so lassen es die Brotherhood- und Gang-Aussagen rund um die Platte zumindest vermuten – geht es eher um das Einfangen eines langsam schwindenden Gefühls der „Jugend“. Die ersten gemeinsamen Jahre waren, wie bei so vielen anderen Bands auch, sicher geprägt von einer adoleszenten Leichtigkeit und einer – vor allem auf das Musik-Business bezogen – Unschuld. Jetzt, mit über 40, besinnt man sich, egal ob aus Nostalgie oder wegen der beginnenden Midlife-Crisis, dieser alten Zeiten.

Wer hat an der Uhr gedreht?

Die Vergangenheit einzufangen oder aufzuwärmen, gelingt allerdings nur in den seltensten Fällen. Einerseits, weil sich das Momentum der Anfangstage nicht wiederherstellen oder gar duplizieren lässt und andererseits, weil die Zeit nicht stehen geblieben ist. Waren At The Drive In Mitte/Ende der 1990er und dann vor allem mit dem Album „Relationship Of Command“ (2000) eine stil- und genreprägende Band, so ist der Post-Hardcore von damals von Bands wie Billy Talent zwischenzeitlich tausendfach durchgekaut worden.

Daher überrascht es auch nicht, dass der beste Song auf „in•ter a•li•a“ mit „Ghost-Tape No. 9“ genau jener ist, der eigentlich am wenigsten nach At The Drive In klingt. Mit „Governed By Contagions“ oder „Hostage Stamps“ sind schon auch noch weitere solide Nummern auf dem Album, aber von Hymnen wie „One Armed Scissor“ oder „Invalid Letter Dept.“ ist man im Jahr 2017 doch meilenweit entfernt.

Trotzdem dürften At The Drive In auf ihrer anstehenden Tour – inklusive Stopp am Frequency Festival – dafür sorgen, dass ein paar an Lebensjahren bereits ältere, aber sicher auch neue, junge Konzertbesucher die eine oder andere schöne Stunde erleben werden. Der Band um Cedric Bixler und Omar Rodríguez-López selbst wird es dabei hoffentlich ähnlich ergehen. Und damit hätte sich die Veröffentlichung von „in•ter a•li•a“ dann auch schon ausgezahlt.

At The Drive In „in•ter a•li•a“

„in•ter a•li•a“ von At The Drive In ist am 5. Mai 2017 bei Rise Records erschienen. Die Band ist am Frequency Festival (15. bis 17. August, St. Pölten) live zu sehen.

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