Coded Cultures

Von 19. bis 29. Mai findet das Coded Cultures Festival 2016 statt. In einer ehemaligen Polizei-Inspektion im 1. Wiener Bezirk geht es inhaltlich um Medienkunst, die Technologie und Gesellschaft reflektiert.

»Coded Cultures wurde 2004 von Künstlerinnen und Künstlern als Initiative entwickelt, um kritische Medienkunst auszustellen und zu diskutieren. In den letzten zehn Jahren ist sehr viel passiert, Medienkunst wurde von vielen bereits tot geglaubt, erlebt aber vor allem seit den Leaks von Snowden, Assange und Panama Papers jetzt einen Aufschwung und versteht sich mittlerweile als technologie- und sozialkritische Kunstform.« Was Matthias Tarsiewicz, einer der Veranstalter von Coded Cultures, hier verkürzt zusammenfasst, hat eine lange Geschichte, viele Facetten und fast noch mehr aktuelle Bezüge. Dazu gehören sowohl politische und technologische Entwicklungen, die in dem, was hier lapidar als kritische Medienkunst zusammengefasst wird, reflektiert werden.

Aufstieg der Maker- und Hackerkultur

Zu den Veränderungen der letzten Jahre gehört auch ein »Aufstieg der Maker- und Hackerkultur. Viele Ansätze, die nur in der Medienkunst zu finden waren, sind mittlerweile von breiterem Interesse, haben aber auf jeden Fall auch einen anderen Ansatz und sind oft sehr produktorientiert.« Verändert hat sich seit dem letzten Coded Cultures vor mittlerweile fünf Jahren auch das Team hinter dem Festival: »Wir sind mittlerweile anders aufgestellt und der damalige Trägerverein 5uper.net existiert auch in dieser Form nicht mehr. Das Research Institute for Arts and Technology führt allerdings die Marken weiter und hat sich auch zur Aufgabe gemacht, die Diskurse und Inhalte von Coded Cultures und 5uper.net aufzuarbeiten.«

Bereits 2011 hat Tarasiewicz das Artistic Technology Lab gegründet und sich dort in Forschungsprojekten mit künstlerisch-wissenschaftlichen Inhalten beschäftigt: »Ausgehend von diesem Hintergrund, aber vor allem auch durch gute Kontakte mit internationalen Universitäten, Kunstfestivals und Forschungsgruppen hat sich die Notwendigkeit ergeben, ein Institut zu gründen.« Ziel des Instituts ist Grundlagenforschung zu künstlerischen Technologien. Zu den aktuellen Schwerpunkten gehören hier etwa »Offene Technologien«, »Post-Blockchain« (alles rund um Bitcoin, Dogecoin oder auch Etehreum und damit zusammenhängende soziale Auswirkungen auf die Blockchain-Gesellschaft) oder auch das »Open Publishing Lab«. »Wir sind dadurch, dass wir aus vielen dieser Communities kommen in der Lage, gewisse Inhalte spezifischer zu diskutieren. Wir bieten damit einen Bereich an, den die Universitäten auch gar nicht leisten können. Wir sehen uns deswegen nicht in Konkurrenz zu den Universitäten, sondern als Ergänzungseinheit für künstlerisch-technologischen Diskurs.« stellt Tarasiewicz die eigene Position klar.

Kritik, auch gegenüber dem eigenen Gegenstand

Die von Coded Cultures untersuchte Schnittstelle von Technologie und Kunst hält Tarasiewicz relevant, wenn nicht sogar essentiell für eine kritische Auseinandersetzung mit unserer technologisierten Umwelt. Diese Auseinandersetzung betrifft nicht zuletzt das eigene Themengebiet. Den Begriff »Open« (Open Source, Open Hardware) sieht er mittlerweile kritisch, vermutet eine ähnliche Verschiebung wie von Green zu Greenwashing und legt einen Fokus der Arbeit darauf, wie wir als Gesellschaft mit Transparenz und Offenheit umgehen: »Neue Technologien haben jeden Bereich des Lebens transformiert – Innovation, Transparenz, Partizipation und das Versprechen von einer besseren Welt durch Technologie wird täglich rauf- und runtergebetet, wobei wir uns gleichzeitig in einer absoluten informationspolitischen Machtkonzentration befinden.« Als Beispiel zitiert er den US-Forscher Jonathan Zittrain, der erklärt wie Apple uns abgewöhnt hat, den Akku in unserem Handy tauschen zu können – als Gegenstrategie Hannes Waldschütz‘ Performance im Rahmen von Coded Cultures, deren Inhalt es ist, Alltagsgegenstände zu reparieren. »Um nicht die Kontrolle über unsere Welt zu verlieren müssen wir es schaffen, ‚technological literacy‘ zu forcieren«, konstatiert Tarasiewicz. Das Festival is eine Möglichkeit, theoretische Projekte sichtbar zu machen und technologischen (Sub-)Kulturen einen Treffpunkt zu geben.

Mehr zum Programm, den Gästen und Workshops, sowie zum Open Hardware Europe Summit im Rahmen von Coded Cultures gibt es hier.

Bild(er) © Max Gurresch/RIAT
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