Creative Industries Austria: studio VIE im Porträt

Im Interview haben die Macher von studio VIE über die Vor- und Nachteile ihrer Branche, über ihre Arbeitsweisen und Inspirationen und über den Wert von Geduld reflektiert.

© ©Katarina Soškić

Das Kreativ-Duo Christian Schlager und Anouk Rehorek gestalten gemeinsam mit ihrem Team unter dem Namen studio VIE im achten Wiener Gemeindebezirk. Die Branding- und Designagentur kreiert Kampagnen und Konzepte unter anderem für das 21er Haus, Austrian Cultural Forum New York, Austrian Fashion Association, Belvedere Wien, und mumok. The Gap sprach mit studio VIE über ihre Projekte, die Wichtigkeit der eigenen Handschrift und wann sie Kunden ablehnen.

Wie sieht euer bisheriger Werdegang aus?

Wir arbeiten schon länger zusammen, als wir uns persönlich kennen. Dass wir für einander wohl so etwas wie ein Winning Team sind, war schnell klar und wir haben uns 2013 selbstständig gemacht. Unsere Ausbildungen sind ganz klassisch, wir kommen von der Zürcher Hochschule der Künste und der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Wie akquiriert ihr neue Kunden? Passiert das durch Mundpropaganda oder Pitches?

Unsere Kunden kommen Großteils aus dem Kunst- und Kulturbereich. Ein Ausstellungskatalog in den richtigen Händen zur richtigen Zeit führt zum nächsten Projekt. Pitches gehören dazu, den Großteil neuer Projekte stellen aber persönliche Empfehlungen.

Wie wählerisch seid ihr bei der Annahme von neuen Kunden und Projekten?

Die Vorhaben, mit welchen Kunden an uns herantreten, mögen im ersten Moment oft und gerne abstrakt, kurios oder idealistisch wirken. Nur dubios dürfen sie nicht sein.Vorsichtig sind wir auch, wenn der Kunde oder die Kundin glaubt, unsere Arbeit selbst eigentlich besser zu können. Oder wenn er zaudert. Da lehnen wir mit Leidenschaft ab. Ganz allgemein gilt: je entschlossener die Kunden umso schöner das Ergebnis.

 Wie wichtig ist Networking?

In einer perfekten Welt würden wir nur Kaffeetrinken, mit wem wir wirklich Lust dazu haben. Aber Gesichtswäschen sind genauso Teil des Jobs, wie jene Aufgaben, die wir mit schillernder Freude angehen.

An wie vielen Projekten arbeitet ihr gleichzeitig?

Bei uns laufen aktuell 10-15 Projekte ab. An einem Tag kann es schon vorkommen, dass das Team an 4-5 Projekten arbeitet, die in unterschiedlich fortgeschrittenen Phasen sind. Bevor etwas in Druck geht oder eine Präsentation ansteht, arbeiten meistens alle an einem Projekt.

Wie beginnt ihr ein neues Projekt?

Wir setzen uns in einen Kreis, nehmen uns an den Händen und stellen uns ganz fest vor, wie das Projekt am Ende aussieht. Dann gehen wir an die Rechner und drucken es aus. Tatsächlich ist es so, dass wir sehr viel Zeit für die Entwicklung eines schlüssigen Konzepts verwenden, und zwar so lange, bis es sitzt. Dafür denken wir uns in die Welt einer Marke, überlegen, wie Archetypen aussehen – für wen machen wir das Design, welchen Feuerproben muss es standhalten? Unser Anspruch ist es, einen weiten Bogen um gefällige Lösungen zu machen. Und dann am Ende des Prozesses sieht alles ganz einfach aus und unsere Herzen klopfen.

Was motiviert euch immer weiter zu arbeiten?

Der Gedanke zur Arbeit zu gehen ist ein freudiger. Einerseits, weil wir rein technisch den Beruf gewählt haben, der uns begeistert. Andererseits, weil das Büro ein inspirierender Ort ist, wo die Köpfe rauchen und wo kaum ein Tag vergeht, an dem nicht schallend gelacht wird.

Ein Ratschlag für Designer aus eigener Erfahrung, der nicht in Büchern zu finden ist?

Eine eigene Handschrift definieren, sich treu bleiben. Das Ganze nicht alleine sondern mit jemandem auf der gleichen Wellenlänge, der die eigenen Gedanken vervollständigt und einen von Zeit zu Zeit von gewohnten Bahnen abbringt. Weniger in Special Effects investieren, mehr ins Fundament. Und in Geduld. Geduld wird immer seltener.

Wie betreibt ihr Nachforschungen? Welche Arbeiten von Anderen inspirieren euch?

Bei der Recherche bildet ‚ein Fuß in humanistischer Bildung, der andere Fuß in der Popkultur’ die Basis. Darauf aufbauend eine hohe Aufmerksamkeit gegenüber den Künsten ohne Einschränkung auf Zeit oder Gattung. Damit ausgestattet bietet das Internet viele Möglichkeiten. Wir entfernen uns von und landen immer wieder bei Sol LeWitt, Henri Matisse, Agnes Martin, Kurt Schwitters, Buffy the Vampire Slayer, Friederike Mayröcker, Gerhard Rühm, Meret Oppenheim, Elfie Semotan, Joseph Beuys. Wir mögen die Fluxus Bewegung.

Welche Magazine und Zeitschriften habt ihr abonniert? Welche Blogs und Online Magazine checkt ihr täglich?

Wendy, Bussi Bär, Yps, Micky Aktiv.

Welche Pläne habt ihr für die Zukunft?

Es gibt lebendige Träume von der Gestaltung für eine Blumenhandlung, ein Hotel, eine Gemäldegalerie, einen Zoo.

Hier geht’s zur Homepage von studio VIE. Weiter Texte zu Creative Industry Austria findet ihr hier
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