»Das beste Stück aller Zeiten« von Milo Rau als Start in die Wiener Festwochen

Zu Beginn der 75. Wiener Festwochen spielte Intendant Milo Rau mit den Erinnerungen und Erwartungen des Publikums. Bei »Das beste Stück aller Zeiten« wollte der Funke der Nostalgie aber nicht so recht überspringen.

© Ines Bacher

Nach und nach füllt sich der Saal, gespannte Erwartungen. Die Menschen suchen ihre Plätze, tuscheln aufgeregt. Schließlich kehrt Stille ein. Eine Stille, die von der Schau­spielerin auf der Bühne direkt als einer ihrer Lieblings­momente im Theater be­nannt wird. Sie steht mittig vorne. Hinter ihr ein Kreuz, rechts davon – als Leinwand – ein weißes Tuch mit einem großen roten »W« darauf. Vorne links steht ein Krankenbett, es gibt einen Basket­ball­korb und dann ist da, auf der linken Seite der Bühne, dieser Container. Relativ unscheinbar bis auf die Schrift auf dem Schild darüber: »Ausländer raus«.

Schlingensiefs Container

Der Container ist wohl den meisten bekannt – zumindest aus Videos und Texten aus dem Kontext der Wiener Festwochen. Es ist also kein Wunder, dass er hier nun auf der Bühne steht, denn es ist der Beginn der Jubiläums­ausgabe des Festivals und Milo Rau, nicht nur dessen Intendant, sondern auch Regisseur dieser Jubiläums­produktion, hat einen Rückblick auf die letzten 75 Jahre versprochen.

»Das beste Stück aller Zeiten« (Bild: Ines Bacher)

Und einen Rückblick – sogar weit über die 75 Jahre hinaus – gibt es an diesem Abend in der Halle E des Museums­quartiers auch. Weit detaillierter sogar als gedacht. Für den Fall, dass man sich an die Referenzen aus der Geschichte der Festwochen nicht erinnert, bekommt man sie nämlich ausführlich erklärt. Zwischen Sisi, Jesus und Babys steht ein echter Lipizzaner, jemandem wird das »beste Stück« abgeschnitten und Jesus wird ans Kreuz genagelt. Scheint zwar irgendwie spektakulär, wirkt auf mich jedoch mehr wie Groß­spurigkeit, die das Stück, die Erzählung kaum voranbringt.

Sehr ausführlich

Wirklich spektakulär wird es, als Christoph Schlingensiefs »Bitte liebt Österreich« zitiert und dabei der besagte Container be­schmiert wird. Mit einem Fake-Interview und Video­ausschnitten auf der Leinwand widmet Rau der Aktion, die im Jahr 2000 im Rahmen der Wiener Festwochen für einiges Auf­sehen sorgte, eine lange Szene der Bewunderung. Ganz passend zur – übrigens äußerst sehenswerten – Schlingensief-Ausstellung »Es ist nicht mehr mein Problem!« im MAK. Mit diesen Erinnerungen kommt erstmals etwas auf, das sich wie ehrliche Nostalgie anfühlt. Doch auch hier ist das Stück mit einem Interview mit Theater­kritiker Heinz Sichrovsky, der extra dafür auf die Bühne geholt wird, sehr aus­führlich geraten.

Milo Rau (Bild: Bea Borgers)

Erinnerungen, die eher wenige nostalgische Gefühle hervorrufen, stehen an diesem Abend im Mittel­punkt und am Ende verlässt das Publikum nach bescheidenem Applaus etwas zu schnell den Saal. »Das beste Stück aller Zeiten« war es also nicht gerade. Das Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer*innen ist Milo Rau aber allemal gelungen.

»Das beste Stück aller Zeiten – 75 Jahre Wiener Festwochen« unter der Regie von Intendant Milo Rau wird noch bis 22. Mai in der Halle E im Museumsquartier gezeigt. »Es ist nicht mehr mein Problem!«, die Aus­stellung zu Christoph Schlingensief, ist bis 13. September im MAK – Museum für angewandte Kunst zu sehen. Mit einem Ticket der Wiener Festwochen 2026 gibt es ermäßigten Eintritt.

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